Kabbalistischer Rosenkranz

PROLOG

In diesem Artikel begehe ich gleich zweimal denselben Fehler. Einen Fehler, den man als Autor tunlichst vermeiden sollte. Denn ich benutze zwei mächtige Wörter, die jeweils viele sehr unterschiedliche Bedeutungsebenen beinhalten, ohne vorher in ausreichender Weise zu definieren, was ich unter diesen Worten verstehe und wovon ich ausgehe, wenn sie verwende. Es sind die Worte „Kabbala“ und „Rosenkranz“.

Die Lehre der Kabbala und das Beten von Rosenkränzen haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und sind auch nicht wirklich miteinander zu vergleichen. Denn das Eine (Kabbala) ist eine Lehre im weitesten Sinne und das Andere (Rosenkranz) eine Gebetsform. Und beide sind bezüglich ihres Umfeldes, in dem sie jeweils praktiziert werden, sowie in den Fragen ihrer Ableitung und Herkunft zu unterschiedlich.

Und dennoch geschah es vor etwa zwei Jahren, dass für mich beides zusammenkam und fortan meinen spirituellen Weg bereichert. Denn seither bete ich den Rosenkranz auf kabbalistische Weise. Was das bedeutet, davon will ich in diesem Blogartikel erzählen. Doch vorher will ich versuchen, zumindest in ganz grober Weise zu umreißen, wie ich die Begriffe Kabbala und Rosenkranz nutze.

KABBALA UND ROSENKRANZ

Kabbala. Seit einigen Jahren mittlerweile nähere ich mich der Lehre der Kabbala an. Doch ist sie ein zu vielgesichtiges und ungreifbares Mysterium, als dass ich von mir behaupten könnte, sie auch nur ansatzweise erfasst zu haben. Ich ringe mit diesem Geheimnis und ich umtanze es. Mit jeder Tür, die es mich durchschreiten lässt, zeigt es mir drei neue Türen auf, die es zu durchschreiten gilt. Es lässt mich aufgehen in den Mysterien allen Seins und wirft mich radikal auf mich selbst zurück. In meinem Blogartikel „Lebensbaum“ hatte ich im Herbst 2019 den ersten Schritt gemacht, auf meinem Blog auch über die Kabbala zu schreiben. Seither arbeitet die Frage in mir, wie der nächste Schritt wohl aussehen könnte. Zu vielfältig sind die Dimensionen der Kabbala und folglich auch die Wege, sich ihr anzunähern.

Wenn ich mein Verständnis der Kabbala mit einem Satz umreißen sollte, würde ich sie am ehesten als spirituellen, zutiefst mystischen Initiationsweg hin zur Vereinigung mit meinem im Göttlichen liegenden Ursprung beschreiben. Das klingt jetzt erstmal wie eine wohlklingende Aneinanderreihung markiger Worte. Wie gesagt, ich bin auf meinem Blog noch nicht an den Punkt angelangt, mein Verständnis der Kabbala vollends ausbreiten zu können. Diejenigen jedoch, die selbst den Weg der Kabbala gehen, werden aus dem, was ich im Folgenden schreibe, herauslesen können, in welcher dieser zahllosen kabbalistischen Facetten ich mich verorte. Und die, die mit der Lehre der Kabbala nichts anfangen können, werden begreifen, warum ich ihr Attribute wie „spirituell“, „mystisch“ und „initiantisch“ zuordne.

Rosenkranz. Was das Beten eines Rosenkranzes angeht, bin ich absoluter Rookie. Diese kleinen Gebetskettchen üben jedoch aufgrund ihrer Beschaffenheit seit jeher eine Faszination auf mich aus. In die Idee allerdings, die dahinter steht und wie man mit diesen Kettchen ordnungsgemäß betet, bin ich bestenfalls oberflächlich eingestiegen.

Kurz beschrieben handelt es sich bei einem Rosenkranz um ein Kettchen mit 54 (Holz-) Perlen, die in einem geschlossenen Kreis angeordnet sind. Am unteren Ende dieser Kette befindet sich ein Bändchen mit 5 weiteren (Holz-) Perlen, das durch ein Kruzifix abgeschlossen wird. Im Übergangsbereich von der Kette zum Bändchen kann sich auch noch ein Bild von Jesus Christus oder der Heiligen Jungfrau Maria befinden. Jede der Perlen hat eine Bedeutung; entweder ein Gebetswort oder einen Gebetssatz. Derjenige, der einen Rosenkranz betet, lässt Perle für Perle durch seine Finger gleiten und spricht für jede Perle das jeweilige Wort oder den jeweiligen Satz, der mit dieser Perle verknüpft ist. Dies kann innerlich geschehen oder durch akustisch wahrnehmbares Aussprechen. Das Rosenkranzgebet kann heute als die weit verbreitetste Gebets- und Andachtsform innerhalb der Katholischen Kirche angesehen werden. Inhaltlich ist diese eng mit der Heiligen Jungfrau Maria, Jesus Christus sowie dem christlichen dreieinigen Gott verbunden.

EIN INITIANTISCHES GEBET

Im Folgenden will ich nun beschreiben, wie diese Form des kabbalistischen Betens eines Rosenkranzes konkret ausgestaltet ist. Hierbei gibt es zwei Elemente, die für mich essentiell sind. Das Eine ist der Gottesname „JHWH“ und das Andere der kabbalistische Lebensbaum, der „Seohirothbaum“.

Der Gottesname JHWH. Mein gesamtes Rosenkranz-Gebet ist von diesem Gottesnamen durchzogen und auf ihn ausgerichtet. Der Name JHWH begegnet uns erstmalig im Alten Testament der Bibel, in 2. Mose 3, 14. Dort stellt sich Gott als JHWH, der „Ich bin“ oder der „Ich bin der ich bin“ vor. Interessant an diesem Namen ist, dass er Gott als etwas Seiendes und Allumfassendes beschreibt, das sich jedem Versuch, es zu definieren oder zu kategorisieren entzieht. Dadurch, dass dieser Name ohne Vokale geschrieben wird, spricht man ihn mit jedem Atemzug aus: „JH“ beim Einatmen und „WH“ beim Ausatmen. Alleine durch unser Da-Sein sind wir also schon aufs Tiefste mit diesem Namen verbunden, ohne dass wir irgendetwas dafür tun müssten. Und unabhängig davon, ob wir darum wissen. Im Frühjahr 2015 bereits widmete ich dem Gottesnamen „JHWH“ meinen Blogartikel „Mein Weg ins Auge des Sturms„.

Der Sephirothbaum. Hierbei handelt es sich um eines der zentralen Symbole der Kabbala. In diesem sind sämtliche kabbalistische Wege und Gesetzmäßigkeiten abgebildet. Der Sephirothbaum besteht aus zehn Sephiroth, die in einer bestimmten Weise zueinander angeordnet sind. In dieser Anordnung der Sephiroth schlummern nahezu unzählige Bedeutungsdimensionen und Möglichkeiten, diese zu lesen und sich zu erschließen. Die Dimension, die für mein Rosenkranz-Gebet relevant ist, ist folgende: Die Sephiroth sind in der Art und Weise übereinander angeordnet, dass man sie unter anderem als drei nebeneinander stehende Säulen erkennen kann. Die linke und die rechte Säule bilden sich jeweils aus drei Sephiroth und stehen in polaren und dualistischen Spannungsverhältnissen zueinander. Die mittlere Säule, die sich aus vier Sephiroth bildet, steht für den Ausgleich von Dualismus und Polarität. Und um diese mittlere Säule geht es mir. Wenn ich meinen kabbalistischen Rosenkranz bete, visualisiere ich mir innerlich den Sephirothbaum und bewege mich von unten nach oben durch die Sephiroth dieser mittleren Säule.

DER ABLAUF DES GEBETS

Wie oben erklärt, ist der praktische Ablauf, wenn ich meinen kabbalistischen Rosenkranz bete, jede einzelne Perle des Rosenkranzkettchens durch meine Finger gleiten zu lassen und innerlich das auszusprechen, was ich mit der jeweiligen Perle verknüpft habe. Und weil der Gottesname JHWH, der das zentrale Element meines Rosenkranz-Gebets darstellt, mit dem Atem eines jeden Einzelnen verbunden ist, habe ich auf jede Perle des Rosenkranzkettchens kein ganzes Wort oder gar einen kompletten Satz gelegt, sondern jeweils nur eine Silbe. Dies hat den Effekt, dass ich mit jeder ungeraden Perle einatme und mit jeder geraden Perle ausatme. Es ist folglich mein Atem, der mich durch das Rosenkranz-Gebet leitet. Diese Logik durchbreche ich lediglich bei zwei Perlen, bei denen ich jeweils einen kompletten Satz spreche. Hier war es mir aus intuitiven Gründen wichtig, die gesamte Bedeutung, die diese Sätze in sich tragen, vollständig in die jeweilige Perle zu legen und nicht aufzusplitten. Dadurch verweile ich jeweils drei Atemzüge lang bei diesen zwei Perlen.

Wie dargelegt, durchschreite ich auf der Ebene der Visualisierung im Zuge des Rosenkranz-Gebets die mittlere Säule des kabbalistischen Sephirothbaumes von unten nach oben. Hierbei werden die (gesprochenen) Worte von Sephira zu Sephira weniger. Bis am Ende nur noch der Gottesname JHWH bleibt, den ich (ein- und aus-) atme…

Doch genug der Erklärungen und Hinführungen, kommen wir zum praktischen Ablauf meines Rosenkranz-Gebets. Dieser sieht wie folgt aus:

1. Perle: „Ich“
2. Perle: „bin“
3. Perle: „der“
4. Perle: „ich“
5. Perle: „bin“

In den ersten fünf Perlen durchschreite ich die deutsche Übersetzung des Gottesnamen JHWH. Und zwar Wort für Wort. Hierbei bete ich pro Perle jeweils ein Wort dieses Namens.

6. Perle: „Ja“
7. Perle: „kin“
8. Perle: „Er hat mich erschaffen“

9. Perle: „Bo“
10. Perle: „as“
11. Perle: „In ihm liegt meine Kraft“

Den nächsten sechs Perlen widme ich dem Namen „Jakin“ (oder auch: „Jachin“) und dem Namen „Boas“. Beide Namen entstammen dem Alten Testament der Bibel und bezeichnen die rechte und die linke Säule des Salomonischen Tempels (vergleiche 2. Chronik 3, 17). Im Ritual des christlichen Freimaurerordens, dem ich angehöre, spielen diese Säulen eine wichtige Rolle. Hier wird der Säule Jakin noch die Bedeutung „Er (Gott) hat mich erschaffen“ und der Säule Boas die Bedeutung „In ihm (Gott) liegt meine Kraft“ beigemessen.

Die innere Dynamik der Bedeutung von Jakin („Gott hat mich erschaffen“) ist die der göttlichen Emanation. Das Göttliche hat seine göttliche Ur-Heimat verlassen und ist in die Materie emaniert. Dies beschreibt einen Schöpfungsvorgang. Am Ende dieses Schöpfungsvorganges steht zunächst meine Zeugung und schließlich mein Geboren-Werden. Ich bin geboren worden beziehungsweise habe (materielle) Gestalt angenommen, als das Göttliche eine Verbindung mit der Materie einging.

An dieser Stelle imaginiere ich die unterste Sephira des Sephirothbaumes, „Malkuth“. Die Sephira Malkuth steht unter anderem genau dafür: Für die Schöpfung, in die das Göttliche emaniert ist. Daher widme ich dem Satz „Er hat mich erschaffen“ in meinem Rosenkranz-Gebet eine eigene Perle.

Die innere Dynamik der Bedeutung von Boas („In ihm liegt meine Kraft“) ist die Hinwendung zum Göttlichen, das Ausrichten auf das Göttliche und der erste Schritt auf dem Weg hin zur Wiedervereinigung mit dem eigenen göttlichen Ursprung.

An dieser Stelle imaginiere ich die Sephira „Yesod“. Diese folgt von unten aus gesehen in der mittleren Säule des Sephirothbaumes auf die Sephira „Malkuth“. In vielen Auslegungen der Kabbala repräsentiert sie unter anderem das Unterbewusste und Unbewusste. Ein Hinweis darauf, dass der, der aufbricht zur Wiedervereinigung mit seinem eigenen göttlichen Ursprung, sich zunächst seinen eigenen dunklen, schwachen und verdrängten Anteilen stellen und diese durchschreiten muss. Aus diesem Grund widme ich dem Satz „In ihm liegt meine Kraft“ in meinem Rosenkranz-Gebet ebenfalls eine eigene Perle.

12. Perle: „Ich“
13. Perle: „bin“
15. Perle: „der“
15. Perle: „ich“
16. Perle: „bin“

Hiernach durchschreite ich in den nächsten fünf Perlen erneut Perle für Perle und Wort für Wort die deutsche Übersetzung des Gottesnamen JHWH.

17. Perle: „Je“
18. Perle: „sus“

19. Perle: „Chris“
20. Perle: „tus“

Den hierauf folgenden vier Perlen widme ich dem Namen „Jesus Christus“. Diese beiden Namen finden ihren Ausdruck in dem Mysterium, das im Christentum seit vielen Jahrhunderten mit der Formulierung „Wahrer Mensch und wahrer Gott“ umschrieben wird. „Jesus“ steht hierbei für den Fleisch gewordenen Gott. Gottes eingeborener Sohn, der als Mensch unter Menschen wandelte. „Christus“ steht hierbei für das Bewusstsein, aus dem dieser Jesus lebte. Es ist das Bewusstsein, auf einer tieferen Ebene eins mit dem Göttlichen zu sein und verbunden mit allem Lebenden. Es ist das Bewusstsein, das göttliche Erbe, den göttlichen Lichtfunken stets in sich zu tragen. Und es ist das Bewusstsein, dass eine alles umfassende und jeden einschließende göttliche Liebe die Kraft ist, die alles durchströmt und trägt.

An dieser Stelle imaginiere ich die Sephira „Tiferet“. Tiferet folgt in der mittleren Säule des Sephirothbaumes auf die Sephira „Yesod“ und stellt den Mittelpunkt des Lebensbaumes dar. Es ist der Punkt, an dem göttliche und materielle Sphäre in Ausgleich und Einklang sind. Das gilt auch für die Kräfte des Lebens, die sich von außen betrachtet polar und dualistisch gegenüber zu stehen scheinen. Tiferet wird oft als Sitz dessen beschrieben, was spirituelle Lehrer wie der Franziskaner-Pater Richard Rohr als das eigene „Wahre Selbst“ beschreiben. Es ist die Entfaltung und der Ausgleich dieser beiden scheinbar so gegensätzlichen Naturen – Jesus und Christus.

21. Perle: „Ich“
22. Perle: „bin“
23. Perle: „der“
24. Perle: „ich“
25. Perle: „bin“

Anschließend durchschreite ich in den nächsten fünf Perlen wieder Perle für Perle und Wort für Wort die deutsche Übersetzung des Gottesnamen JHWH.

26. Perle: „JH“
27. Perle: „WH“

Abschließend widme ich die letzten beiden Perlen dem Gottesnamen JHWH. Zu diesem Gottesnamen habe ich weiter oben bereits alles geschrieben, was aus meiner Sicht für dieses Rosenkranz-Gebet relevant erscheint.

An dieser Stelle imaginiere ich die Sephira „Kether“. Dies ist die nach oben hin abschließende Sephira im Sephirotbaum und folglich die Vollendung des initiantischen Weges der Vereinigung mit dem eigenen göttlichen Ursprung. Von oben aus betrachtet ist es wiederum die erste und damit reinste, konzentrierteste und vollkommste Emanation des Göttlichen. Denn die Sephira Kether ist nicht nur der Abschluss des eigenen initiantischen Weges, sondern gleichzeitig auch der Beginn der Emanation des Göttlichen in diese Welt. Es kommt ganz darauf an, in welche Richtung der Seohirothbaum gelesen wird.

Hiernach beginne ich das Rosenkranz-Gebet in der beschriebenen Weise aufs Neue. Wenn ich dieses Gebet zweimal vollendet habe, habe ich die Rosenkranz-Kette einmal komplett „durchgebetet“.

DAS NACKTE GEBET

So, und nun nimm doch mal alle Erklärungen beiseite, die ich Dir zu diesem Rosenkranz-Gebet und seinen Hintergründen geliefert habe. Schalte ganz bewusst mal Deinen alles erklären und verstehen wollenden Verstand aus und bete dieses Gebet. Und anschließend spüre in Dich hinein, welche Resonanz es in Dir auslöst…

1. Perle: „Ich“
2. Perle: „bin“
3. Perle: „der“
4. Perle: „ich“
5. Perle: „bin“

6. Perle: „Ja“
7. Perle: „kin“
8. Perle: „Er hat mich erschaffen“

9. Perle: „Bo“
10. Perle: „as“
11. Perle: „In ihm liegt meine Kraft“

17. Perle: „Je“
18. Perle: „sus“

19. Perle: „Chris“
20. Perle: „tus“

21. Perle: „Ich“
22. Perle: „bin“
23. Perle: „der“
24. Perle: „ich“
25. Perle: „bin“

26. Perle: „JH“
27. Perle: „WH“

Amen.

9 Gedanken zu “Kabbalistischer Rosenkranz

  1. Hinsichtlich des Rosenkranzes (Gebetsschnur!) ist zu erwähnen, dass er von seinen Wurzeln her immer schon als meditative Übung zu verstehen ist. Ursprünglich wurden Bibelzitate, Psalmworte oder der Gottesname (Jesus-Gebet!) wiederholt, meditiert, verinnerlicht, damit das Wort Gottes als Same im Menschen Frucht bringt, er zur nach Jesus duftenden (Christus, der Gesalbte), schönen Rose wird. Der Geist wird belebt.
    Der Rosenkranz oder Gebetsschnüre helfen auch einen Rythmus, auch in der Gruppe, des Ein- und Ausatmens zu finden. Ähnlich wie bei einem Mantra, in der 6mal pro Minute geatmet wird und positive psychologische Effekte hervorrufen soll. Der Leib wird belebt.
    Weniger soll der Intellekt, der Verstand beteiligt sein, weshalb Gebetsschnüre das intellektuelle „Mitzählen“ verhindern (Zeit und Zahl), mehr Seele und Geist fordern, und den Leib zentrieren, welcher die Kugel, den Kreis (den Knoten), nur mit dem Tastsinn allumfasst. Hörbar die Worte zu wiederholen, spricht quasi rückkoppelnd den Hörsinn an, damit wir auch im Hören zum Glauben kommen. („Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft; und diese gründet sich auf das, was Christus gesagt hat.“ Rö 10:17).

    Servus!

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    • Wow, danke für diese Erklärung! Das, was Du zum Rosenkranz schreibst, ergänzt das von mir geschriebene ganz wundervoll.

      Dann war ich ja intuitiv auf einem guten Weg, was die Verbindung des Rosenkranz-Gebets mit dem Gottesnamen JHWH und dem eigenen Atem angeht.

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      • Ja, ein Weg, der die Liebe beim Namen nennt, und welche der Weg ist, ist immer gut. Was den Atem betrifft: die westliche Meditationspraxis legt eigentlich darauf weniger wert, als die fernöstliche. Ein Grund ist, dass westliche christliche Meditation auf eine göttliche Person hingerichtet ist, d.h. man muss selbst nirgends hingelangen, sondern allein die Gnade Gottes selbst reicht einen die Hand und zieht. Es ist also eine gänzliche Übergabe an Gott und ein offenes Empfangen.
        Ich will aber jetzt kein „Gscheidhaferl“ sein und den Weg, den jemand gefunden hat, in irgendeiner Weise zerreden.
        Wenn die beiden Säulen der FM erwähnt werden, so darf man auch sie als Symbol der Weisheit und der Stärke betrachten, personifiziert in Jesus Christus. (?)

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        • Der Gedanke, dass nicht der Atem, sondern die Ausrichtung auf Gott im Mittelpunkt westlich christlicher Meditation steht und somit nicht das eigene Bemühen, sondern die Gnade, ist ein sehr interessanter. Ich werde ihn nachklingen lassen. Danke dafür.

          Wobei mein spontaner Einwand gewesen wäre: Alles, was ich spirituell erlebe, begreife etc. verstehe ich als Gnade. Klar, im Grundsatz bin ich es, der etwas tut (z.B. Meditieren, Lesen, Achtsamkeitsübungen etc.), schlussendlich ist es aber Gott, der es schenkt, was daraus erwächst.

          In dem Kontext scheint mir „der Aufwand“, den ich betreibe, doch ähnlich hoch bzw. ähnlich niedrig, ob ich mich nun auf meinen Atem konzentriere oder auf Gott ausrichte. Das, was dabei herauskommt, ist Gnade. Immer.

          Zu den Säulen: Es gibt im freimaurerischen Ritual / in der freimaurerischen Symbolik diverse Säulen. 😳🙄 So wären da unabhängig von Jakin und Boas auch noch die Säulen „Weisheit, Stärke und Schönheit“, die als essentiell für den Bau des Salomonischen Tempels angesehen werden. Doch bevor ich hier das Arkanum verletze, sei Dir folgende fortführende Seite empfohlen: https://freimaurer-wiki.de/index.php/Weisheit,_St%C3%A4rke,_Sch%C3%B6nheit 😉

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      • Für den Menschen ist lt. Heiliger Schrift schon das Wollen zum wollen Gnade Gottes. Meditieren zu wollen, um Gott zu begegenen, ist bereits eine Nach-Folge von Gottes Gnade. Gott gab dem Menschen einen freien, passiven Willen (um ihn nicht zu überfordern), der zu der immer vorausgehenden Gnade und Liebe Gottes nicht nein sagen kann (oder eben doch). Z.B. in dem Gleichnis vom Weinberg und den Reben lässt uns Gott aber auch wissen, dass er unsere Frucht will, der Mensch soll also nicht passiv in der Gnade Gottes baden, sondern sich an ihr erfreuen und für andere (und zur eigenen Vollendung in der Ewigkeit) fruchtbar sein, an ihr mitwirken.
        Jeder Mensch (ob bewusst oder unbewusst) will seine Urerfahrung der Endlichkeit kompensieren. Fernöstliche Meditation findet den Weg diese Entfremdung von der ursprünglichen Einheit mit dem Unendlichen durch ein „hinaus“ aus dem Endlichen und ein „hinauf“ in die Unendlichkeit zu überbrücken. Der christliche Glaube weiß, dass der Mensch sich nicht hin zu Gott bewegt hat, sondern Gott in seiner Inkarnation hin zum Menschen ging. Gott will zum Menschen, der Mensch muss nicht aufbrechen, weil es ein Einbruch Gottes ist. Christliche Spiritualität und Meditation ist nicht Aktion hin zu Gottes undurchschaubares Geheimnis, sondern sehende Reaktion auf Gott. Gott selbst in Jesus baute dafür eine Brücke. Ein Christ weiß deshalb, dass eine Einigung mit Gott möglich ist, auch weil sie historisch in Gottes Inkarnation verbürgt.
        Wenn nichtchristliche Religionen in ihrer Meditationstechnik Gott zurecht als dunkles Mysterium begreifen, dann deshalb, weil sie ob des abstrakten Geheimnisses Gottes, in Finsternis verborgen, nichts sehen, das „Nichts“ sehen. Christen verschließen wiederum ihre Augen vor Gott wegen seiner Überhelle, da ist ein Unterschied. Christliche Meditation will deshalb nicht entschweben und sich abkehren von Weltlichkeit und Geschichtlichkeit. Sie ist vielmehr Einkehr des Göttlichen in eben diese Weltlichkeit und Geschichtlichkeit, eine „Einfleischung“. Deshalb ist hier etwa selbst das „Versagen“, eine geistige Trockenheit in der Meditation, eine Gnade Gottes. Als Christ blickt man auch auf den Gekreuzigten. Es geht allein darum, sich Gott zur Verfügung zu stellen, alles, was daraus erwächst, ist bereits Gnade und zielt auf Vereinigung, wie Gott sie zum individuellen Besten des Menschen will. Ziel der christlichen Spiritualität und Meditation ist, dass der Mensch von seinem „Anders-als-Gott“ in das „Anders-in-Gott“ hinüber wächst.
        Hier anknüpfend ein Hinweis zu den Säulen, die bei den FM auch den Tempel Salomons darstellen, tragende Säulen zum Bau der Humanität, zur Stätte des Arkanums etc.. Jesus hat sich als diesen Tempel bezeichnet und in dem wir ihn in uns wohnen lassen, werden wir durch ihn selbst zum Tempel samt den Säulen. Darum mag es richtig sein, dass das eigentliche Arkanum in der FM jenes ist, keines zu haben.
        Oh, wurde schon wieder recht lang. Danke für deine Achtsamkeit und

        Servus

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        • Ach, kannst gerne längere Kommentare abgeben. Ich lese gerne von Dir. 😉

          Wenn ich zurückblicke, dann kann ich unterstreichen, was Du zur Gnade schreibst. Auf meinem spirituellen war alles Gnade vom kleinsten Anfang an. Nichts habe ich erreicht, weil ich so ein geiler Hecht wäre. In meinen größten Niederlagen lagen meine größten Siege (analog zum Gekreuzigten).

          Du beschreibst das Mysterium des christlichen Freimaurerordens sehr gut. Jesus ist der Tempel, unser Leib ist der Tempel… Letztendlich geht es darum, einen inneren Tempel (Christus) in uns aufzurichten… So kann ich es zumindest für meine Richtung, den christlichen Freimaurerorden, beschreiben. Andere (atheistische, rein humanistische etc.) Richtungen innerhalb des Freimaurertums würden dem vehement widersprechen. 😉

          Vom „anders als Gott“ hin zu „anders in Gott“ – was für eine schöne Umschreibung! Individuell und doch eins im Göttlichen.

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          • Es gibt eben nicht die Freimaurerei, das wird oft übersehen, gerade wenn zur Pauschalkritik angestimmt wird. Und es gibt eben auch nicht den Freimaurer, denn gerade bei der traditionellen „englischen“ Freimaurerei darf jeder Mensch mit seinem individuellen Glauben an eine höhere Macht und seinem Gewissen teilhaben.
            Gott beruft den Menschen als Individuum in die Einheit mit ihm. Gott selbst machte sich zum Individuum, zur Person Jesu, mit einer historischen Lebensgeschichte, mit (Adoptiv-)Vater und Mutter, unter Verwandten, Feinden und Freunden, in einer speziellen Kultur und Zeit, die ihn als Mensch prägten. Gott kam eben nicht nur als abstrakte „Energie“ oder fertiger mächtiger Engel, er wollte das ganze Leben eines einzelnen Menschen durchlaufen und damit das Menschsein würdigen und danach richten. Gott will die Vielfalt in der Einheit mit ihm, weil er die Liebe ist.
            Was das mit deinem kabbalistischen Rosenkranz zu tun hat? Es ist deine individuelle Prägung, vielleicht auch beeinflusst durch den Freimaurerorden, der mehr Wert auf ein traditionelles Ritual mit festen Texten und Gesten legt und Mystik nicht als erlernbar begreift, sondern als erfahrbar.
            Die Grenzen setzt die Ehre Gottes, die all dem Richtung und Ziel geben muss.

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  2. Hallo Hagen

    Sehr guter Beitrag

    Die 27 Perlen vom Rosenkranz könnten auch identische sein mit den 22 hebräischen Buchstaben plus die 5 End-Buchstaben, somit kommen wir auch auf 27.

    Die Kabbala in Verbindung mit dem Rosenkranz höre ich hier zum ersten mal.

    Ich werde deinen Beitrag Rebloggen.

    Gruss Jupiter

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