Prolog: The Magic Carpet

Der meisterliche Hammer ging auf dem Altar nieder. „In Ordnung, meine Brüder!“ Die Aufforderung erscholl feierlich und bestimmt zugleich. Und der geheiligte Bezirk nahm das ewig gültig Zeichen ein. Mit jedem Licht, das entzündet wurde, wurden Weisheit, Stärke und Schönheit offenbar. In ihrer Mitte schließlich wurde der Magische Teppich ausgerollt. Auf ihm, so hieß es, seien alle Geheimnisse dieser Welt und dieses Lebens abgebildet. Wer das Auge hat, der siehe…

Mit gezogenem Schwert und schweren aber zielstrebigen Schrittes kam der Zeremonienmeister auf mich zu. Vor meinem Platz stoppte er und nahm Haltung an. „Folgen Sie mir, mein Bruder.“, forderte er mich auf. Ich erhob mich und folgte ihm zum Altar; hinter welchem der Logenmeister thronte und über diesen Ort wachte. Der Zeremonienmeister trat beiseite und deutete an, dass ich die drei Stufen zum Altar emporsteigen solle. Oben angekommen streckte mir der Logenmeister über der aufgeschlagenen Bibel zwei Pillen entgegen; eine rote und eine blaue. Er richtete das Wort an mich: „Dies ist Deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Schluckst Du die blaue Kapsel, ist alles aus. Du wachst in Deinem Bett auf und glaubst an das, was Du glauben willst. Schluckst Du die rote Kapsel, bleibst Du im Wunderland. Und ich führe Dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus. Bedenke, alles, was ich Dir anbiete, ist die Wahrheit, nicht mehr.*“ Ich griff nach der roten Kapsel und schluckte sie meine Kehle herunter.

Der Logenmeister deutete hinter mich. Ich drehte mich um. Und blickte auf den Magischen Teppich. Dessen Bilder begangen, zu verschwimmen. So, als seien sie aus Erde, die durch wirbelnde Sturmböen auseinandergeweht wird. Die Motive des Teppichs fingen an, sich aus ihm zu herauszulösen und sich in die Höhe und Breite zu entwickeln. Der Logenmeister trat hinter dem Altar hervor. Er nahm mich an die Hand und führte mich die drei Altarstufen hinab. Bis an den Rand des Magischen Teppichs. Chaotisches Durcheinander wirbelte aus dem Teppich empor und überragte uns. Langsam begangen sich Schemen einer Landschaft herauszubilden. Das Wort wurde Fleisch.

„Ich kann Dir nur die Tür zeigen“, sprach der Logenmeister zu mir, „Durchgehen musst Du ganz alleine.**“ Ich ließ seine Hand los und setzte einen Fuß auf den Teppich. Ganz plötzlich zerfiel von unten nach oben erst mein Fuß, dann das ganze Bein zu Erde. Und wurde vom Magischen Teppich aufgesogen. Doch da war kein Schmerz. Was geschah hier mit mir? Fragend sah ich den Logenmeister an. Er nickte wohlwollend. Ich setzte auch meinen zweiten Fuß auf den Teppich. Von einem Augenblick auf den nächsten zerfiel auch mein restlicher Körper zu Erde und wurde in den Magischen Teppich hineingesogen. Tiefer und tiefer hinein in den Kaninchenbau. Irgendwas in mir wollte schreien. Doch da war nichts mehr, was hätte schreien können.

Bewusstsein kauerte auf dem Erdboden. Aus allen Himmelsrichtungen strömten unzählige Erdkörner darauf zu. Rasend schnell fügten sie sich aneinander und schälten nach und nach, wie aus dem Nichts, einen menschlichen Körper hervor. Das Wort wurde Fleisch. Langsam erhob ich meinen Kopf und erblickte, wo ich war. Umgeben von Natur. Östlich von mir ragte ein sakrales Bauwerk in die Weiten des Himmels empor. Ein Heiligtum…

* Original-Zitat aus dem Film Matrix 1
** Original-Zitat aus dem Film Matrix 1

Hier wird die Geschichte fortgesetzt…

…to be continued

#Gedanke: Sterben und Wiedererwachen

„Sterben und Wiedererwachen beherrschen die ganze Natur.

Das müde Jahr legt sich im Herbst zum Todesschlaf nieder, die müde Sonne versinkt am Abend im westlichen Meer, das Reich der Winterdämonen oder der unterirdischen Gottheiten breitet sich dann aus über alles, was lebt.

Es ist die Wanderung des Novizen durch Dunkel und Schrecken, seine Wanderung zu den Todesgottheiten über Totengebeine hinweg, bedrängt von Kälte, Müdigkeit und Verlassenheit, bis hin zum Licht.

Im Frühling kommt der verjüngte Vegitationsgott mit Jauchzen wieder hereingezogen, die sieghafte Sonne erhebt sich im Osten, die finsteren Gewalten entfliehen, eine neue Welt beginnt, und das Reich der Lichtgottheiten bricht an.“

(August Horneffer)

Langsamer Walzer

Was haben wir uns gefreut,
wieder gemeinsam rauszugehen,
nach einer unendlich langen Zeit,
all die Menschen wiederzusehen.

Krachend flogen alle Türen auf
und unsere Lieder zum Himmel rauf.

Und während wir
noch zurückschau’n,
tanzen wir Langsamen Walzer
in den nächsten Lockdown.

Was haben wir uns gefreut,
Händchen haltend durch die Gassen,
von der Sonne leicht gebräunt,
sich Cappuccino schmecken lassen.

Leben platzte aus allen Nähten,
auf den Dörfern und in den Städten.

Und während wir
noch zurückschau’n,
tanzen wir Langsamen Walzer
in den nächsten Lockdown.

Mit jedem Schritt
auf den Abgrund zu
mit verklärtem Blick,
tanzen ich und Du.

Und während wir
noch zurückschau’n,
tanzen wir Langsamen Walzer
in den nächsten Lockdown.

War da nicht gerade
noch Morgengrau’n?
Wir tanzen harten Pogo
in den nächsten Lockdown.

Es geht in den nächsten Lockdown,
Corona-Lockdown.