Waldläufer

Vor einigen Jahren zogen wir an den Rand des großen Waldes. Irgendwann fing ich an, einigermaßen regelmäßig in ihm joggen zu gehen. Mit jedem Schritt, den ich in diesen Wald setzte, kehrte ich heim. Mit jedem Atemzug, mit dem ich diesen Wald in mich aufsog und wieder losließ, nahm er mich in seine Tiefe auf. Als seinen Sohn. Als einen Teil von sich. Als einen Teil von mir. Nach und nach und zunächst noch eher beiläufig nahm ich wahr, dass dieser Wald mir seine Geschichte erzählte. Er wisperte sie von den Höhen seiner Kronen bis in die Tiefen seiner Wurzeln.

Er erzählte mir die Geschichte vom Winter. Die Zeit, in der der Frost sich über den Wald legte und in sein Erdreich drang. Die einst belaubten Bäume waren kahl. Nur das Nadelkleid der immergrünen Tannen überdauerte. Es hatte etwas Majestätisches, wenn das fahle Gold der Sonne sanft durch die Wipfel kroch und den Raureif, der das Geäst und den Boden bedeckte, erstrahlen ließ. Die nackten Äste der Laubbäume, das satte Grün der Nadelbäume und das dreckige Braun des Bodens in all seinen Schattierungen strahlten eine seltsame Ruhe und Harmonie aus. Die Luft durchzog eine Klarheit, wie man sie nur in dieser Zeit zu schmecken vermochte. Und wenn der Schnee alles in sein weißes Kleid hüllte, vereinigte sich die ruhende Majestät des Waldes mit dem Zauber des Märchenhaften.

Er erzählte mir die Geschichte vom Frühling. Die Zeit des machtvollen Neugeboren Werdens. Mit jedem Tag stieg die Sonne am Firmament ein wenig höher. Sie schenkte erste Momente der Wärme und des Lichts. Eine erwartungsfrohe Milde mischte sich in die Kälte der Luft. Und verdrängte diese schließlich ganz. Je mehr die Sonne erstarkte, desto mehr erwachte der Wald. Die einst so kahlen Äste der Bäume, Büsche und Sträucher brachten zahllose Knospen hervor. Und als aus diesen die ersten zarten Blätter hervorbrachen, zog ein fast schon surreal helles Grün in den Wald ein. Unzählige Gräser und Blumen in den unterschiedlichsten Farben überzogen die Lichtungen. Und auch das Lied der Vögel erhielt wieder Einzug in den Wald. Was sie sangen war voller Hoffnung und voller Vorfreude.

Er erzählte mir die Geschichte vom Sommer. Die Zeit der Fruchtbarkeit und des Überflusses. Die Bäume kleidete saftiges und kraftvolles Grün. Das Dickicht zu ihren Füßen war dicht und undurchdringlich. Die Lichtungen schmückten zahllose Gräser und Blumen in den buntesten Farben. Insekten aller Art flatterten aufgeregt zwischen ihnen hin und her. Am Morgen begrüßte das Konzert der Vögel den neuen Tag. Und am Abend verabschiedeten die Vögel ihn wieder. Ein Flimmern der Hitze breitete die Sonne über den Baumkronen aus. Doch die mächtigen Wipfel ließen lediglich Schatten auf den Boden den Waldes fallen. Der Kühle des Schattens wohnte eine eigentümliche Stille inne. An diesem Ort kam der verschwenderische und wilde Überschwang des Sommers ein wenig zur Ruhe.

Er erzählte mir die Geschichte vom Herbst. Die Zeit der Ernte. Die Zeit des wundervollen Sterbens. Die Zeit des Übergangs. Mit jedem Tag nahm die Kraft der Sonne etwas ab. Und doch tauchte sie die Horizonte des Himmels in die prachtvollsten Farbenmeere. Jedes Mal, wenn sie aufging. Und jedes Mal, wenn sie erstarb. Manchmal in den Morgenstunden und manchmal in den Abendstunden hüllten dichte Nebelschleier alles in sich ein. Die Laubbäume kleideten sich in atemberaubend schöne Farbsynfonien. In die Wärme der Luft mischte sich eine eigentümliche Kälte. Mancher Sturm wogte durch die Baumwipfel. Der modrige Geruch der Feuchtigkeit zog in den Wald ein. Und entlockte dem Erdreich die unterschiedlichsten Pilze. Leise breiteten Kreuzspinnen im Geäst und in den Gräsern ihre Netze aus. Und harrten aus, was da kommen möge.

War es tatsächlich nur der große Wald, der mir von der Schönheit der Jahreszeiten erzählte? Oder waren es nicht auch die Jahreszeiten, die mir von der Schönheit des großen Waldes erzählten? Und benutzte nicht eine jede ihre ganz eigenen Bilder dafür? Und ließ so eine andere Facette des Waldes erstrahlen? Eine jede Facette auf ihre Art so wundervoll und so erhaben. Alle diese Facetten zusammen ergeben ein Bild, dessen Pracht von keinem Dichter beschrieben, von keinem Maler auf Leinwand gebannt, von keinem Musiker ausgedrückt und von keinem Baumeister je erbaut werden könnte. Dankbar.

Weihnachtsbaum – Ein archetypisches Symbol?

WUNDERVOLLE KLEINE MOMENTE

Unbeholfen rückte sie ihren kleinen Kinderstuhl durch das Wohnzimmer. Bis er schließlich direkt vor dem Weihnachtsbaum stehen blieb. Und dann setzte sie sich auf den Stuhl und blickte ihn überwältigt an. Diesen Baum, der so prachtvoll geschmückt war. In dem so viele Lichter funkelten. Ehrfurchtsvoll berührte sie einzelne seiner Zweige. Ganz vorsichtig und ganz verstohlen. Auf ihrem Gesicht hatte sich ein Strahlen ausgebreitet, wie ich es bei ihr noch nie zuvor gesehen hatte. Der ganzen Situation wohnte eine tiefe Ruhe und Ergriffenheit inne.

Zwischen den Tagen besuchten wir Freunde. Natürlich stand auch bei denen ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Irgendwann bemerkten wir, dass unsere Tochter sich auf ein Kissen vor den Weihnachtsbaum gesetzt hatte. Wieder blickte sie ihn überwältigt an. Wieder dieses Strahlen in ihrem Gesicht. Als sie merkte, dass wir sie beobachten, guckte sie uns an, zeigte auf den Baum und rief freudestrahlend: „Weiha, Weiha!“ Ihr Wort für „Weihnachtsbaum“.

In beiden Situationen war er plötzlich wieder da: Dieser Kloß in meinem Hals. Für einen kurzen Moment traten mir die Tränen in die Augen. Es waren wieder welche von diesen unzähligen, kleinen, wundervollen Momenten, wie ich sie so oft erlebe, seitdem unsere Tochter auf der Welt ist.

Diese Weihnachtszeit war die erste Weihnachtszeit, die unsere Tochter bewusst erlebt hat. Und sie war es, die ein wenig des Weihnachtszaubers zurückholte, den ich seit meiner Kindheit nicht mehr gekannt hatte. Auch wenn mir bewusst ist, dass sie das alles in ein paar Wochen oder Monaten wieder vergessen haben wird. Es wird eine dieser Erinnerungen sein, die ich für sie bewahren werde. Und wenn sie möchte, werde ich diese Erinnerung einmal mit ihr teilen.

ARCHETYPISCHE BILDER UND SYMBOLE

Die beschriebenen Situationen warfen in mir die Frage auf, warum Weihnachtsbäume solch eine Faszination auf unsere kleine Tochter ausüben. Und das, obwohl sie noch gar nicht in der Lage ist, vom Verstand her zu begreifen, was es mit diesen Bäumen auf sich hat. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr reifte der Verdacht, dass es sich bei dem Weihnachtsbaum um ein archetypisches Symbol handeln könnte.

Archetypen sind Urbilder menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Diese haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte tief im kollektiven Unterbewusstsein der Menschheit verwurzelt. Sie manifestieren sich in kraftvollen Bildern und Symbolen. Jeder Mensch verfügt über einen intuitiven Zugang zu diesen Bildern und Symbolen. Archetypen können im Inneren eines Menschen Resonanzen auslösen und Prozesse anstoßen, noch bevor der Verstand sie überhaupt begreift.

Das wohl ultimative archetypische Bild ist das vom Kreislauf des „Werden und Vergehen allen Lebens“. Leben wird einmal geboren; Leben stirbt irgendwann; und aus dem Tod heraus entsteht neues Leben. Ich kenne keinen archaischen Initiationsritus, keinen Mysterienbund, der dieses Bild nicht rituell oder in Symbole gekleidet aufnimmt und ausdrückt.

DUNKELHEIT UND TOD

Irgendwann gelangt dieser Kreislauf des Werdens und Vergehens allen Lebens im Reich des Todes und der Dunkelheit an. Die Zeit, in der die Nächte tief und lang sind. Die Zeit, in der der Winter das ganze Land in seinen frostigen Klauen gefangen hält. Die Zeit, in der die einstige Kraft der Sonne verblasst ist.

Und genau in dieser Zeit stellen wir den Weihnachtsbaum auf. Einen Nadelbaum, der sowohl im Sommer, als auch im Winter sein grünes Kleid trägt. Ein Symbol für das Leben inmitten des Todes. Und diesen Nadelbaum schmücken wir mit Lichtern, die wir entzünden. Ein Symbol für die Hoffnung auf die Wiedergeburt des Lichtes inmitten der tiefsten Dunkelheit. Lässt man diese Bilder in sich nachhallen, merkt man, was für machtvolle Dimensionen ihnen innewohnen.

Während ich diesen Artikel schrieb, wurde mir bewusst, dass das Symbol des Weihnachtsbaums und die freimaurerische Andreasloge ganz ähnliche Resonanzen in mir erzeugen. Die Andreasloge umfasst die Grade vier bis sechs innerhalb des Lehrgebäudes des christlichen Freimaurerordens bzw. des sogenannten „Schwedischen Systems“. Ich selbst habe aktuell den fünften Grad inne. Die dominierenden Themen der Andreasloge sind (die eigene) Dunkelheit und (der eigene) Tod. Und trotzdem sind auch die Hoffnung auf Aufrichtung und Licht in diesem Herrschaftsbereich der Dunkelheit und des Todes präsent. Entsprechend sind das Ritual sowie die Einrichtung des Tempels der Andreasloge gehalten.

EPILOG

Anfang Januar schmückten wir unseren Weihnachtsbaum wieder ab und stellten ihn zur Abholung an die Straße. Als ich mit meiner Tochter das erste Mal an ihm vorbeiging, weinte sie, als sie ihn sah und rannte zu ihm hin. Dann schien es, als versuchte sie ihn zu umarmen oder aber an möglichst vielen Stellen zu berühren. Schließlich wollte sie ihn an der Spitze wieder zurück nach Hause zu schleifen. Als das nicht gelang, wimmerte sie: „Weiha, Weiha?“ Sie trauerte um ihren geliebten Weihnachtsbaum. Doch dessen Zeit war vergangen…

Hoffnung

Eine Spaziergängerin vergräbt die Hände in ihrem dicken Mantel. Mit aufgestelltem Fellkragen und gesenktem Kopf eilt sie von dannen. Dorthin, wo dicke Wände, beleuchtete Fenster und qualmende Schornsteine von Behaglichkeit, Wärme und Licht künden.

Meine Blicke gehen ihr nach und schweifen schließlich über die abendliche Weite der Felder und Wiesen. Der Wind bläst mir seinen eisigen Odem ins Gesicht. Und lässt mich erschaudern. Bis auf die Knochen. Und tiefer. Mein Atem kondensiert zu kleinen Wölckchen, bevor der Wind ihn aufnimmt und in alle Richtungen zerstreut. Das Leben kauert unter einer undurchdringlichen Schicht aus Frost und Eis vor sich hin. Kein Grün kleidet die Bäume, Sträucher und Hecken. Kein Wild wagt sich aus dem Dickicht. Kein Vogel kreist am Himmel.

Während ich noch zusehe, wie die Sonne am Horizont einen langsamen Tod stirbt, erkennen es meine Augen. Mit einem Mal. Und ganz klar: Die dunkelste Stunde liegt endlich hinter uns. Und seither erobert die Sonne mit jedem Tag einen Augenblick des Lichts zurück. Tag für Tag. Moment für Moment.

Es ist noch so unscheinbar. Und doch reicht es aus, dass etwas in mir geboren wird: Hoffnung. In mitten der dunkelsten Stunde nahm sie ihren Anfang. Hoffnung auf Zeiten voll Licht. Hoffnung auf Zeiten voll Wärme.

Diese Zeiten kann ich noch nicht sehen. Ich kann sie lediglich erahnen. Doch die Abendsonne, die noch so schwach und gebrechlich über den Feldern und Wiesen prangt, erzählt mir bereits von der Hoffnung auf diese Zeiten. Sie erzählte mir von Hoffnung.

Der Ruf der Zugvögel

Ich setze den Fuß vor die Tür. Hinaus in den Nebel. Kälte umfängt mich. Und Dunkelheit. Mein Blick verliert sich in dichtem Grau.

Der Ruf des Zugvogels. Von irgendwoher. Weit oben. Weit entfernt. Der Zuvogel kehrt zurück. Und mit ihm die Hoffnung. Auf das, was hinter dem Nebel liegen mag. Auf das, was hinter der Kälte liegen mag. Auf das, was hinter dem Dunkel liegen mag.

Ich halte kurz inne. Ich verharre einen Moment. Und atme tief ein. Mit einem Mal schmecken meine Lungen ein wenig der Milde des Frühlings.

Und plötzlich nehme ich sie wahr. Die vielen kleinen Vorboten dessen, was vor uns liegt. Die ersten Knospen brechen hervor. Hier und da trotzen Schneeglöckchen dem mit Raureif überzogenen Boden. Noch ganz zart. Doch unaufhaltsam.

Und hinter dem Nebel schimmert nicht mehr das Schwarz des Winters. Sondern das Gold des Sommers. Noch ganz unscheinbar und schwach. Doch unumkehrbar.

Der Ruf des Zugvogels verliert sich nach und nach in der Ferne. Doch die Antworten auf seinen Ruf kann ich plötzlich überall um mich herum wahrnehmen…

Stille Nacht – Heilige Nacht?

Eigentlich wollte ich hier noch gar nichts schreiben, bevor mein Blog nicht komplett fertiggestellt ist. Aber ich habe das Gefühl, dass mich die (Vor-) Weihnachtszeit mal wieder regelrecht in den Wahnsinn zu treiben droht; oder halt an die Tastatur. Ich habe mich für letzteres entschieden.

Im Grunde arbeitet die Advents- und Weihnachtszeit mit kraftvollen und archetypischen Bildern, die, so glaube ich, die Macht haben, den Menschen im Innersten zu berühren und zu transformieren.

Es ist die dunkelste Zeit im Jahr. Die Tage sind so kurz und die Nächte so lang und tief, wie sonst nie. Es ist die Zeit der Kälte, die Zeit der Finsternis und die Zeit des Todes. Der Frost hat alles Leben unter sich begraben. Wir befinden uns im Winter; im Norden des Lebens.

Die Adventszeit fordert uns auf, inmitten dieser Dunkelheit und Trostlosigkeit auszuharren; diesen Schwellenraum außerhalb unserer Wohlfühlzone nicht zu verlassen oder „weg machen“ zu müssen. Es ist dieselbe Aufforderung, die bei den alten Initiationsriten an den Initianten gestellt wurde: „Stell Dich der Finsternis. Halte die Finsternis aus. Und das, ohne dass Du weißt, ob diese Finsternis je ein Ende nehmen wird.“ Auch in jeder Heldenreise kommt die Zeit, in der der Held in irgendeiner Weise durch das „dunkle Tal“ wandern muss, ohne zu wissen, ob er aus diesem jemals wieder herauskommen wird.

Aber der Winter ist auch die Zeit, in der unter der Eisschicht das heranreift, was im Frühling mal hervorbrechen wird. Daher fordert uns die Adventszeit inmitten dieser Finsternis auch auf, zu erwarten, dass das Licht geboren wird.

Und zu Weihnachten, in der längsten und tiefsten Nacht des Jahres, wird dann das, was wir noch nicht sehen können, geschehen: Das kleine Kind wird geboren werden: Jesus Christus, der später in der Bibel „Das Licht der Welt“ und „Der Morgenstern“ genannt werden wird. Der Morgenstern ist der Stern, der am Himmel erscheint, kurz bevor der neue Tag anbricht. Der, der verkündet, dass die Dunkelheit ein Ende hat, und dass das Licht kommt. In der antiken Mythologie war dieser Morgenstern einst Luzifer, der Lichtbringer.

Daher ist die Aufgabe des Advents zweierlei: Zum einen fordert er uns auf, die Dunkelheit auszuhalten. Zum anderen richtet er unseren Blick aus auf die Geburt des Lichtes. Diese Geburt kann aber erst stattfinden, wenn die Nacht am tiefsten ist.

Ich glaube, dass unserer Gesellschaft die Fähigkeit, Dunkelheit zu ertragen, Finsternis auszuhalten, weitestgehend verloren gegangen ist. Wir haben eine Ideologie, die die egomanen subjektiven Bedürfnisse des Individuums über alles stellt. Ein Gesellschaftssystem, das auf Schmerzvermeidung und Sicherheit ausgelegt ist. Zumindest für die, die es sich leisten können. Und ein Wirtschaftssystem, das uns einredet, dass wir jedes Bedürfnis sofort befriedigen, jeden Mangel augenblicklich ausfüllen dürfen und müssen. „Ich will – alles – und das sofort!“

Und so verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen alles tun, um die Finsternis des Winters zu vermeiden. Wenn es zu unangenehm wird, suchen wir uns flüchtige Befriedigung, flüchtige Ablenkung, flüchtiges Glücksgefühl. Dann greifen wir zu den Weihnachtssüßigkeiten – die es ja schon seit September zu kaufen gibt – kippen uns Glühwein hinter die Binden, schmücken unsere Häuser und Wohnungen mit hellen und bunten Lichtern und hören kitschige, inhaltslose Weihnachtsmusik. Viel Aufwand, nur um die dunkle Jahreszeit, die uns mit unserem Tod und unserer Endlichkeit konfrontiert, nicht wahrnehmen zu müssen.

Advent und Weihnachten sind mittlerweile oftmals nicht viel mehr als der hohle und belanglose Abklatsch einer idealisierten Heilen Welt. Die kitschige Weihnachtsromantik unserer Gesellschaft verkommt mehr und mehr zu einer Flucht vor der Realität, als dass sie uns noch mit unseren ureigensten Lebensthemen in Berührung kommen ließe.

Es ist ein Gesetz der Psychologie, dass alles, was man verdrängt, weil man es nicht erträgt, in viel mächtigerer und destruktiverer Weise an anderer Stelle wieder hervorbrechen wird. Wenn ich das bedenke, dann stelle ich mir die Frage, was für Aussichten eine Gesellschaft hat, die alles, was mit Tod, Finsternis und Endlichkeit zu tun hat, verdrängt?

Und was muss geschehen, damit eine Gesellschaft sich der archetypischen und transformierenden Botschaft der Advents- und Weihnachtszeit wieder bewusst wird?