Hoffnung

Eine Spaziergängerin vergräbt die Hände in ihrem dicken Mantel. Mit aufgestelltem Fellkragen und gesenktem Kopf eilt sie von dannen. Dorthin, wo dicke Wände, beleuchtete Fenster und qualmende Schornsteine von Behaglichkeit, Wärme und Licht künden.

Meine Blicke gehen ihr nach und schweifen schließlich über die abendliche Weite der Felder und Wiesen. Der Wind bläst mir seinen eisigen Odem ins Gesicht. Und lässt mich erschaudern. Bis auf die Knochen. Und tiefer. Mein Atem kondensiert zu kleinen Wölckchen, bevor der Wind ihn aufnimmt und in alle Richtungen zerstreut. Das Leben kauert unter einer undurchdringlichen Schicht aus Frost und Eis vor sich hin. Kein Grün kleidet die Bäume, Sträucher und Hecken. Kein Wild wagt sich aus dem Dickicht. Kein Vogel kreist am Himmel.

Während ich noch zusehe, wie die Sonne am Horizont einen langsamen Tod stirbt, erkennen es meine Augen. Mit einem Mal. Und ganz klar: Die dunkelste Stunde liegt endlich hinter uns. Und seither erobert die Sonne mit jedem Tag einen Augenblick des Lichts zurück. Tag für Tag. Moment für Moment.

Es ist noch so unscheinbar. Und doch reicht es aus, dass etwas in mir geboren wird: Hoffnung. In mitten der dunkelsten Stunde nahm sie ihren Anfang. Hoffnung auf Zeiten voll Licht. Hoffnung auf Zeiten voll Wärme.

Diese Zeiten kann ich noch nicht sehen. Ich kann sie lediglich erahnen. Doch die Abendsonne, die noch so schwach und gebrechlich über den Feldern und Wiesen prangt, erzählt mir bereits von der Hoffnung auf diese Zeiten. Sie erzählte mir von Hoffnung.

*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

Der Artikel „Geistesblitz: *BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!“ von dem freimaurerischen Blogger Philip Militz hat mich dazu inspiriert, folgende Begebenheit niederzuschreiben, die mir ein Freimaurer-Bruder meiner Loge mal beim Käffchen erzählte. Dazu muss ich jedoch zunächst kurz etwas ausholen.

Eine Achillesferse des Freimauertums ist seine institutionalisierte Organisationsform. Diese macht es notwendig, dass Ämter zu besetzen sind, Sitzungen abzuhalten sind, Protokolle zu fertigen sind und Formalien einzuhalten sind. Dazu muss sie auch den Ansprüchen des deutschen Vereinsrechtes gerecht werden. Wenn man Freimaurer wird und sich auch engagieren will, merkt man relativ schnell, dass ein nicht unwesentlicher Anteil der eigenen Zeit für organisatorische Fragen draufgeht. Und bei solchen Fragen geht es ab und an auch um persönliche Eitelkeiten oder knallharte Machtpolitik.

Das alles schiebe ich vorweg, um die Frustration des Bruders, von dem ich erzählen möchte, nachvollziehbar zu machen. Viele Stunden war er mit eben solcher „freimaurerischen Orga-Scheiße“, wie er es selbst nannte, beschäftigt gewesen und hatte manch Auseinandersetzung führen müssen. Jetzt saß er erschöpft und niedergeschlagen im Restaurant des Logengebäudes und starrte in seinen Kaffee. Dies fiel einem anderen Bruder auf. Dieser setzte sich zu ihm. Der übliche „Wie geht’s – ach ja, muss ja“-Smalltalk war schnell hinter sich gebracht, als dieser Bruder ihn bat, doch mal kurz mitzukommen.

Beide stiegen die Treppenstufen empor bis zum Tempel des ersten Grades. Dieser lag noch vollkommen im Dunklen. Dort angekommen, schaltete der andere Bruder die Lichter des Sternenhimmels an der Decke des Tempels ein. Und auch das Licht im Osten des Tempels. Jetzt setzten sich beide danieder. Und schwiegen einfach nur. Über ihnen strahlten die Sterne des Himmels. Und der Altar im Osten war in dämmriges Licht getaucht. Ansonsten war es dunkel. So saßen sie beide da. Stille legte sich über sie und breitete sich in ihnen aus.

Und mit dieser Stille wurden sie sich wieder bewusst. Sich selbst und auch dem Ort, an dem sie sich gerade befanden. Dieser Moment ließ sie sich ganz neu darauf besinnen, welche Plätze sie in der freimaurerischen Bruderkette einnehmen und ausfüllen. Ich weiß nicht, wie lange beide dort so gesessen hatten, als der andere Bruder schließlich meinte: „Ich gehe gerne hierher, wenn mir der ganze freimaurerische Orga-Trubel über den Kopf wächst. Ganz alleine. Um mich zu sammeln. Um mich zu erinnern, weshalb ich das alles hier überhaupt mache.“

Mein Bruder war derart berührt von diesem Moment, dass er mir Monate später, als ich meinen Unmut über die „freimaurerische Orga-Scheiße“ mit ihm teilte, mir diese Geschichte erzählte, als sei sie erst gestern geschehen…

Sinfonie

Da stehe ich. Umgeben von dem Grün des Schilfgrases. Und dem hellen Braun des Sandes. Und Du mit mir. In meinem Arm.

Deine wachen Äuglein blicken aufgeregt in die Ferne. Dorthin, von wo das gleichmäßige Rauschen der Brandung zu uns rüberweht. Dorthin, von wo der Wind den Geschmack des Salzes mit sich führt.

Irgendwo beugen sich ein paar karge Kiefern unter den Windböen. Das Schilfgras raschelt seine ganz eigene Sinfonie dazu. Und die tief dunklen Wolken am Firmament tauchen das gesamte Spektakel in ein gespenstisches Licht.

Für Dich ist das alles hier zum ersten Mal. Still und überwältigt nimmst Du dieses Schauspiel wahr. Jedes kleine Detail scheinst Du in Dich aufzusaugen.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwas so bewusst wahrgenommen habe, wie Du es gerade tust. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so innehalten konnte, wie Du es gerade tust.

Während meine Augen den Deinen in die Ferne folgen, kann ich ihn mit einem Mal wieder förmlich schmecken: Diesen wohlig milden Geruch, der dem Wind in diesen Gegenden innewohnt.

Und mit jeder Brise, die ich einatme, steigt der Augenblick aus meinen Erinnerungen auf, als ich diesen Geruch zum ersten Mal wahrnahm. Damals. Als ich das allererste Mal in meinem Leben am Meer war. Ich dachte, diesen Moment bereits tief in meinem Vergessen vergraben zu haben.

Und es bewegt mich, diesen ganz besonderen, allerersten Moment in Deinem Leben mit Dir teilen zu dürfen. Hier und jetzt.

Und zugleich schmerzt es mich. Denn es erinnert mich daran, wie lange mein allererster Moment mittlerweile schon zurückliegt. Und wie viele allererste Momente es seither gab, die mir wie Sand durch die Finger rannen. Es gab keine Möglichkeit, auch nur einen von ihnen festzuhalten.

Wenn wir uns gleich auf den Weg zurück zu unserem Ferienhäuschen machen, wird dieser allererste Moment von Dir unwiederbringlich sterben. Später wirst Du Dich nicht einmal mehr an ihn erinnern können.

Doch ich werde diesen Augenblick für Dich bewahren. Irgendwo tief in meiner Erinnerung. Gut verwahrt.

Die Zeit der Ernte

In einer Zeit, als eine fast schon vergessen geglaubte Kälte sich in die Morgenstunden schlich … als die Sonne in den Abendstunden die wundervollsten Gemälde an den Himmel zu malen begann … als die Tage langsam kürzer wurden …

… Da fingen sie wieder an, ihre Netze zu weben. Die Spinnen, die das Kreuz tragen. Diese lautlosen Weberinnen aus dem Verborgenen. Sie spannten ihre Netze auf zwischen den Zeiten. Und dort verharrten sie. Um am Abend die letzten warmen Sonnenstrahlen einzusammeln. Und am Morgen die ersten kühlen Tropfen des Raureifs.

Wie stumme Herolde verkünden sie seither unermüdlich: Ein Jegliches hat seine Zeit gehabt! Die Zeit des Aussäens. Die Zeit des Wachsens. Die Zeit des Reifens.

Und es war der Sommer, der sein Übriges dazugetan hatte. Er hatte mit seinem Leben und seinem Überfluss verwöhnt. Seine Sonnenstrahlen waren kraftvoll und warm gewesen. Seine Regenschauer mild und ausgiebig. Was ausgesät war, wuchs. Was gewachsen war, reifte. Was gereift war, brachte Frucht.

Doch jetzt verkünden die Spinnen, die das Kreuz tragen, dass die Zeit der Ernte anbricht. Während die Kraft des Sommers allmählich schwindet, gilt es, seinen Ertrag einzufahren.

Und voller Dank im Herzen auf eine reichhaltige Ernte zu blicken. Dankbarkeit. Für das, was zurückliegt. Für das, was die Zeit gebar. Und Hoffnung. Für das, was vor uns liegt. Für das, was da kommen mag.

Denn die Spinnen, die das Kreuz tragen, weisen auch weit über sich selbst hinaus. Auf eine Zeit, in der die Felder brachliegen werden. In der nicht mehr gesät und nicht mehr geerntet werden wird. In der uns nur das nähren wird, was wir irgendwann einmal geerntet haben. Eine Zeit, in der auch sie nicht mehr sein werden: Die Spinnen, die das Kreuz tragen…

Mein ZEN-Meister

Vor 9 Wochen erblickte unsere Tochter das Licht der Welt. Sehr schnell entdeckten sie und ich ein gemeinsames Ritual: Nachdem sie am späten Abend getrunken hat und von uns gewickelt worden ist, nehme ich sie auf den Arm und trage sie in den Schlaf. Allabendlich drehen wir so gemeinsam unsere Runden in ihrem Zimmer. Zunächst starren ihre wachen Äuglein noch aufgeregt in der Dunkelheit umher. Bis die Kleine sich dann schließlich in meinen Arm einkuschelt und ihre Augen nach und nach zufallen. Und irgendwann nur noch regelmäßiges, zufriedenes Atmen zurückbleibt. In diesen Momenten kann ich meine Dankbarkeit für dieses kleine Wesen kaum fassen.

Eines jedoch ist mir dabei aufgefallen: Je krampfhafter ich will, dass sie endlich schläft, desto länger dauert es, bis sie tatsächlich einschläft. Und oftmals ist ihr Schlaf dann auch nur ein oberflächlicher. Je mehr ich jedoch innerlich bei ihr und in dieser gemeinsamen Situation ankomme und je weniger ich die Absicht verfolge, sie in den Schlaf bringen zu wollen, desto schneller und desto besser schläft sie schließlich ein.

Ich glaube, das, was meine Tochter mich in diesen Situationen lehrt, ist Absichtslosigkeit. Die Fähigkeit, Dinge um ihrer selbst Willen zu tun. Und nicht, um irgendwann irgendetwas etwas zu erreichen.

Einer Gesellschaft, die durch Jahrhunderte des Kapitalismus geprägt ist, fällt es schwer, etwas mit Absichtslosigkeit anzufangen. Denn in der Regel hat alles, was wir tun, einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Das Endziel solch einer materialistisch geprägten Gesellschaft ist immer Geld zu verdienen. Geld, um partizipieren zu können. Geld, um konsumieren zu können. Geld, um bestimmen zu können. Eine Tätigkeit hat nur noch den Wert, der dem fiskalischen Nutzen entspricht, den sie für mich einmal haben wird. Und so haben wir uns nach und nach eine Lebenseinstellung angeeignet, die unser gesamtes Leben in eine einzige Kosten-Nutzen-Rechnung zwängt. Ich tue etwas, damit ich irgendwann mal etwas davon habe.

Gelegentlich lese ich in den Gleichnissen des ZEN-Buddhismus und denen der christlichen Wüstenväter. In beiden monastisch geprägten Traditionen scheint die Tugend der Absichtslosigkeit einen hohen Stellenwert zu haben. Immer wieder werden die Schüler angehalten, Tätigkeiten um ihrer selbst Willen auszuüben und nicht, um dadurch ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erreichen.

Das überspitzt sich schließlich bis hin zu folgendem Paradox: Auf der einen Seite wird den Schülern beigebracht, dass sie hart und diszipliniert dafür arbeiten müssen, um Erleuchtung zu erlangen. So gilt es, sich einem strikten Tagesablauf zu unterwerfen, regelmäßig in die Stille zu gehen und sich Disziplinen wie das Fasten aufzuerlegen. Doch auf der anderen Seite wird den Schülern beigebracht, dass dies alles nicht notwendig ist, um Erleuchtung zu erlangen. Viel mehr: Sie können Erleuchtung nur erlangen, wenn sie das Bedürfnis, erleuchtet zu sein, aufgeben. Sie müssen es also aufgeben, ihre monastischen Disziplinen mit dem Ziel auszuüben, Erleuchtung zu erlangen. Das entbindet sie nicht von der Notwendigkeit, diese Disziplinen zu üben. Lediglich ihre innere Einstellung zu diesen Disziplinen muss eine absichtslose sein.

Ein Paradox, das durch den Verstand nicht aufzulösen ist. Aber dadurch ist es nicht weniger wahr. Ganz im Gegenteil: Meine Erfahrung ist: Je tiefer und je reifer ein spiritueller Weg ist, desto höher ist die Fähigkeit, solche Paradoxe stehenlassen zu können. Und nicht rational auflösen zu müssen.

Doch warum eigentlich hat Absichtslosigkeit in diesen monastischen Traditionen solch einen hohen Stellenwert? Ich glaube, weil Absichtslosigkeit eine der großen Lehrerinnen ist, die uns in die Gegenwärtigkeit führen kann. Denn das Leben geschieht ausschließlich im gegenwärtigen Moment. Gott offenbart sich ausschließlich und vollkommen im gegenwärtigen Moment. Nicht im Rückblick auf die Vergangenheit und nicht im Vorgriff auf die Zukunft. Ausschließlich im Hier und Jetzt. Wenn ich aber etwas tue mit der Absicht, ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erlangen, so verpasse ich den gegenwärtigen Augenblick. Und damit das Leben und auch Gott.

Während ich an diesem Artikel schrieb, stieg in mir die Frage auf, mit welcher Motivation ich eigentlich ins freimaurerische Ritual gehe. Tue ich dies nicht auch, um etwas zu erlangen? Sei es Selbsterkenntnis? Sei es Erleuchtung? Oder sei es auch nur ein meditativer Zustand? Könnte es nicht ein wesentlicher Bestandteil des freimaurerischen Weges sein, zu lernen, absichtslos ins Ritual zu gehen? Und absichtslos im Ritual zu verweilen? Weil sich nur so dieses Ritual in seiner ganzen Dimension entfalten kann?

Ich weiß es nicht sicher. Doch ich will diesen Impuls in mir weiter nachwirken lassen. Und bis dahin darf meine Tochter mich weiter Absichtslosigkeit lehren. Abend für Abend. Sie, meine kleine ZEN-Meisterin…

Vor der Ampel

Manchmal sind es ganz alltägliche Situationen, die einem mehr über einen selbst offenbaren, als einem lieb ist. Ich hatte letzt so ein Aha-Erlebnis, als ich im Auto unterwegs war.

Ich fuhr auf folgende Situation zu; war aber noch etwa 400 Meter von ihr entfernt: Eine Ampel stand auf Grün. Etwa Hundert Meter vor dieser Ampel hatte ein LKW gehalten; wohl zum Be- und Entladen. Da Gegenverkehr kam, stauten sich hinter diesem LKW bereits drei Autos auf.

Während ich mich dieser Situation näherte, begannen meine Gedanken sich plötzlich zu verselbstständigen: „Hoffentlich komme ich noch bei Grün über die Kreuzung! – Was ist, wenn auch ich hinter dem LKW halten muss? – Wenn ich zu lange hinter dem LKW warten muss, komme ich nicht mehr bei Grün über die Kreuzung! Und dann komme ich zu spät zu meinem Termin! – Und das legt man mir sicherlich als Unhöflichkeit aus!“ Ich merkte, wie ich unruhig und fahrig wurde. Stress stieg in mir auf.

Als ich mich dem LKW aber bis auf etwa hundert Meter genähert hatte, war der Gegenverkehr vorüber. Die Autos, die hinter ihm gehalten hatten, setzten nun an ihm vorbei. Und auch ich selbst kam noch in derselben Grünphase der Ampel über die Kreuzung.

Viel Lärm um nichts also. Mal wieder. Doch im Nachhinein offenbarte mir diese Situation zwei Dinge über mich:

1: Mein Verstand neigt dazu, nicht in der Gegenwart zu sein. Wäre ich in dieser Situation einfach nur gegenwärtig gewesen, wäre ich über die Kreuzung gefahren, ohne mir irgendwelche Sorgen zu machen. Ich hätte mir eine Menge unnötigen Stress erspart. Stattdessen kreisten meine Gedanken um eine Situation, die noch vor mir lag. Einen Situation, die ich in dem Moment noch gar nicht beeinflussen konnte. Eine Situation, von der ich noch nicht einmal wissen konnte, ob sie überhaupt eintreffen würde.

2: Mein Verstand neigt dazu sich Sorgen zu machen. Und diese darüber hinaus auch noch zu übertreiben. Die Situation, um die es ging, war eine komplett harmlose, wie man sie tagtäglich im Straßenverkehr erleben kann. Und doch machte mein Verstand etwas Riesengroßes draus. Mit den schlimmsten Konsequenzen. Die Anhaltspunkte für ein derartiges Horror-Szenario waren mehr als gering. Und doch nutzte mein Verstand sie, um das Ganze in den schlimmsten Farben auszumalen.

Witzigerweise ist genau dies einer der Hauptkritikpunkte von spirituellen Lehrern wie z.B. Eckhart Tolle oder Richard Rohr am westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts: Dass dieser sich zu viel in seinem Verstand aufhält. Denn dem Verstand ist es nahezu unmöglich, einfach nur (gegenwärtig) zu sein. Entweder blickt er zurück und bedauert oder rechtfertigt die Vergangenheit. Oder er blickt – wie in meinem Fall – nach vorne und befürchtet oder erträumt die Zukunft. Nur eines ist er in der Regel nicht: Gegenwärtig.

Und dabei ist doch ausschließlich der momentane Augenblick der Ort, an dem das Leben geschieht. Der Ort, an dem Gott sich voll und ganz offenbart. Es ist an uns zu lernen, im Hier und Jetzt zu verweilen, um in genau diesem Bewusstsein leben zu können.

Und so zeigte mir diese Begebenheit wieder mal nur, dass es eine Sache ist, über spirituelle Prinzipien zu schreiben und eine andere, nach diesen im Alltag auch zu leben. Mal wieder klaffte bei mir eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Mein Verstand hatte sich verstrickt und hing irgendwo weit hinten in einer fiktiven Zukunft fest.

Und somit brachte ich mich um das, was dieser Moment der Autofahrt für mich parat gehabt haben könnte: Die wundervolle Landschaft um mich herum; das überwältigende Schauspiel von Sonne und Wolken am Himmel; das Lächeln des Fußgängers, der mir entgegen kam; die Katze, die auf dem Torpfosten lag und ihre Umgebung beobachtete, als gäbe es nur diesen einen Augenblick in ihrem ganzen Leben.

Vielleicht hätte ich mir mal wieder bewusst sein können, dass ich mit all dem um mich herum auf einer tieferen Ebene verbunden bin. Dass ich eins bin mit all dem. Vielleicht…