Krieger

Die Sonne grĂŒĂŸt das Antlitz
und die Feuer sind entfacht.
Mit dem Schwert erhoben
stĂŒrzt er sich in die Schlacht.

Tief aus seinem Herzen bricht
der barbarisch wilde Schrei.
Mit jedem seiner Wundmale,
spĂŒrt er so tief, er ist frei.

Schwerter, die sich kreuzen,
heilige Wut in seinem Blick,
ein Fels gegen das Dunkle,
weicht keinen Schritt zurĂŒck.

Lasst die Hörner schallen, lasst die Trommeln rufen,
kĂ€mpfen fĂŒr ein Königreich, das die Ahnen schufen.
Hört den Ruf der Trommeln, hört der Hörner Schall,
im Glauben des Kriegers finden sie ihren Widerhall.

Die Sonne stirbt am Horizont,
als er dem Tier entgegen zieht,
die Fackel fest in seiner Hand,
in seinem Herzen das alte Lied.

FeuerstĂ¶ĂŸe, Klauen schlagen,
GebrĂŒll hallt durch die Nacht.
Ein schwerer Hieb ins Herz,
als die Leidenschaft erwacht.

Gebadet im Drachenblut,
als er ihre Ketten sprengt.
Leise sinkt er auf die Knie,
als sie seinen Namen nennt.

Lasst die Hörner schallen, lasst die Trommeln rufen,
kĂ€mpfen fĂŒr ein Königreich, das die Ahnen schufen.
Hört den Ruf der Trommeln, hört der Hörner Schall,
im Glauben des Kriegers finden sie ihren Widerhall.

#Gedanke: Freimaurerei und Religion

„Jedenfalls hat die Freimaurerei
niemals Anspruch darauf erhoben,
eine Religion zu geben
und dadurch irgendeiner Kirche Konkurrenz zu machen.

Was sie gibt,
ist eine erzieherische Lebensphilosophie,
in der wegen des Mysteriums,
das sie bewahrt,
allerdings eine starke RĂŒckbindung der Seele
an das Absolute obwaltet.“

(Bernhard Scheichelbauer)

GlĂŒck

Irgendjemand hatte einmal gesagt: „VierblĂ€ttrige KleeblĂ€tter bringen GlĂŒck.“ Keine Ahnung, woher dieser Aberglaube stammt. Es interessiert mich auch nicht. Denn so lange ich mich zurĂŒckerinnern kann, hatten solche Formen des Aberglaubens keine Relevanz fĂŒr meinen spirituellen Weg.

TatsĂ€chlich? Und warum machten wir uns dann als kleine Jungs auf, möglichst viele vierblĂ€ttrige KleeblĂ€tter zu finden? Mit „wir“ meine ich mich und eine Handvoll Kumpels, mit denen zusammen ich damals die Grundschule besuchte.

Wir verbrachten Nachmittag fĂŒr Nachmittag auf den weiten und grĂŒnen Wiesen, die sich von unserem kleinen Dörfchen bis heran an das große Sumpfgebiet erstreckten. Stundenlang durchkĂ€mmten wir den Klee. Versunken in sein saftiges GrĂŒn. Eins mit der TĂ€tigkeit des Suchens. Vollkommen aufgegangen im Augenblick. GegenwĂ€rtig.

Und wie groß war die Freude, wenn einer von uns tatsĂ€chlich mal ein vierblĂ€ttriges Kleeblatt fand. Und gleichzeitig war es Ansporn fĂŒr den Rest, es ihm gleichzutun. Erst wenn die Sonne ĂŒber uns oder die Glocke des alten Kirchturms auf dem Marktplatz verkĂŒndeten, dass sich der Tag dem Ende entgegen neigt, kehrten wir in unsere HĂ€user zu unseren Familien zurĂŒck.

Mit der Zeit wurde ich ziemlich gut im Suchen von vierblĂ€ttrigen KleeblĂ€ttern. Ich entwickelte einen richtigen Blick fĂŒr sie und fand auch eine ganze Menge von ihnen. Ich trocknete und presste sie mit Löschpapier zwischen den Seiten meiner liebsten BĂŒcher. Irgendwann quollen meine LieblingsbĂŒcher nur so ĂŒber von KleeblĂ€ttern.

Und haben mir die vierblĂ€ttrigen KleeblĂ€tter nun GlĂŒck gebracht? Ja, ich glaube schon. Das GlĂŒck, das sie mir brachten, war die Suche nach ihnen.

#Gedanke: Keltische SpiritualitÀt

„Die Natur war fĂŒr die Kelten die „Große Mutter“ aller Lebewesen. Mit ihr konnte man am besten unter freiem Himmel in Kontakt treten.

In den WĂ€ldern mit ihren BĂŒschen und BĂ€umen und den Tieren, den Seen, Teichen und Quellen suchten die Kelten nach dem Göttlichen und den UrsprĂŒngen der Schöpfung; in den Schluchten lebten geheimnisvolle Wesen wie Elfen und Kobolde.

Die KrĂ€fte der Schöpfung stammten entweder aus dem Himmel oder dem tiefen Schoß der Erde. Deshalb beobachtete man aufmerksam alle NaturphĂ€nomene…

Man begab sich auf die Anhöhen oder zu den uralten Menhiren, um den bestirnten Himmel zu bewundern und aus der Position der Gestirne die Zukunft zu erfahren.

Und man stieg in die Grotten und Höhlen hinab, um die Geheimnisse der unterirdischen Welt zu ergrĂŒnden.“

(Elena Percivaldi,
aus: Das Reich der Kelten)

Rituelle Heimat

WARUM WIRD MAN FREIMAURER?

Warum wird jemand Freimaurer? Vielen Freimaurer-BrĂŒdern habe ich diese Frage gestellt. Und vieles konnte ich beobachten, seitdem ich in diese Bruderschaft aufgenommen worden war. Herausgekommen ist ein bunter Blumenstrauß an Motivationen. Der wohl hĂ€ufigste Grund ist, einen Weg zu finden, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und an sich zu arbeiten. Dies wird gefolgt von dem Wunsch nach Gemeinschaft und dem BedĂŒrfnis, sich sozial zu engagieren. Manch einer schĂ€tzt den philosophischen Austausch, die Auseinandersetzung mit humanistischen Ideen oder sehnt sich nach mystischem Erleben. Ein Bruder erzĂ€hlte mir mal, dass er sich Erleuchtung erhoffte. Doch auch weniger ehrenwerten Motiven bin ich begegnet. So traf ich auch auf BrĂŒder, die sich von der vermeintlich elitĂ€ren Fassade des Freimaurertums angezogen fĂŒhlten. Auch traf ich auf BrĂŒder, die sich berufliche Vorteile oder gar ein karriereförderliches Netzwerk erhofften. Doch warum nun wurde ich selber Freimaurer?

WARUM WURDE ICH FREIMAURER?

Ich kann heute nachvollziehen, dass ich etwa 15 Jahre vor meiner Aufnahme in die Bruderschaft der Freimaurer anfing, mich ernsthaft mit ihr auseinander zu setzen. Es war zu einer Zeit, in der ich von Ritualen nichts hielt. War etwas rituell, war es fĂŒr mich nur eine Umschreibung dafĂŒr, dass es starr, tot und eng war. Aus genau diesem Grund war ich seinerzeit auch aus der evangelischen Kirche ausgetreten.

Durch eine sehr fundamentale Krise, die mein gesamtes bisheriges Leben völlig in Frage stellte, kam ich mit unterschiedlichen Traditionen der Stille im Christentum (Kontemplation, Mönchstum etc.), den Wegen der christlichen Mystik und den Ideen der archaischen Initiationsriten, der NaturspiritualitĂ€t sowie der spirituellen MĂ€nnerarbeit nach Richard Rohr in BerĂŒhrung. Je tiefer sich einzelne Aspekte davon in meinem Alltag verankerten, desto mehr bekam ich innerlich auch Zugang zu den Wirkweisen von Ritualen. Ich begann Rituale als etwas Halt gebendes zu schĂ€tzen, das – vorbei an meinem verkopften Wunsch, das Leben zu kontrollieren – mich auf tiefste Weise zu berĂŒhren vermag. Das ging so weit, dass ich, als ich mich nach langer Zeit mal wieder in einen sehr liturgischen Gottesdienst der evangelischen Kirche wagte, hinten auf meiner hölzernen Kirchenbank saß und mit den TrĂ€nen rang, als das Abendmahl eingesetzt und ausgeteilt wurde. Das war der Moment, in dem ich entschied, wieder in die evangelische Kirche einzutreten. Und es war auch die Zeit, in der ich auf intuitive Weise zu begreifen begann, warum Menschen durch das freimaurerische Ritual angerĂŒhrt werden können.

Weiter erschloss ich mir, dass es unterschiedliche Richtungen innerhalb des Freimaurertums gibt. Die Richtung, fĂŒr die ich mich spĂ€ter bewusst entscheiden sollte, war die des christlichen Freimaurerordens. Denn dieser vereinigte in seiner Symbolik und seinem Ritual vieles von dem, was meinen bisherigen spirituellen Weg so reich beschenkt hatte: Aspekte der christlichen Mystik, der MĂ€nnerinitiation und des Versenkens in innere Stille.

Damit bin ich der Frage, warum ich selbst Freimaurer wurde, schon ein gutes StĂŒck auf die Spur gekommen. Die eigentliche Frage aber, die sich dahinter verbirgt und die jeder, der mit dem Gedanken spielt, Freimaurer zu werden, fĂŒr sich beantworten muss, lautet: „Was erhoffe ich mir von der Mitgliedschaft in der Bruderschaft der Freimaurer, was ich ohne diese nicht hĂ€tte?“ Meine Antwort darauf war: Ich sehnte mich nach einem regelmĂ€ĂŸigen Ritual in meinem Leben. Und ich sehnte mich danach, dass dieses mich mit dem in BerĂŒhrung kommen lĂ€sst, was meinen spirituellen Weg ausmacht.

DAS WESEN DER TEMPELARBEIT

Und habe ich gefunden, was ich zu finden erhofft hatte? Ganz klar: Ja! Ich nehme an kaum einem freimaurerischen Ritual teil, aus dem ich nicht innerlich bewegt hervorgehe. Dabei kann ich allerdings gar nicht so recht erklÀren, woran das nun eigentlich liegt.

Denn formal betrachtet, handelt es sich bei dem freimaurerischen Ritual lediglich um eine Abfolge ritueller WechselgesprĂ€che und ritueller Handlungen. Hierbei wird symbolisch ein idealer Raum betreten: Die Loge. Ich begreife die Loge als einen Ort, der tief in mir liegt. Mein inneres Auge des Sturms. Der Ort, an dem ich einfach nur bin. Der Ort, an dem mystisches Erleben stattfinden kann. Hat man sich rituell in diese Loge begeben, können weitere rituelle Handlungen – wie zum Beispiel die Aufnahme eines Initianten in diesen Grad – vollzogen werden. Anschließend wird diese Loge rituell und in umgekehrter Reihenfolge, wie sie betreten worden ist, wieder verlassen. Der beschriebene Vorgang findet in jedem freimaurerischen Grad wĂ€hrend sogenannter Tempelarbeiten statt.

Das Besondere an den Tempelarbeiten, wie ich sie im christlichen Freimaurerorden erlebe, ist, dass diese zwar mit jedem Grad, den man durchlĂ€uft, um neue Aspekte bereichert werden, der gesamte (ordens-) freimaurerische Weg jedoch bereits im ersten Grad – dem des Johannislehrlings – enthalten ist. Und ich habe fĂŒr mich festgestellt, dass es fĂŒr die IntensitĂ€t meines Erlebens beinahe gĂ€nzlich irrelevant, in welchem Grad dieses Ritual stattfindet.

Der Ablauf einer Tempelarbeit hat von seinem Wesen her etwas sehr liturgisches. In mir lösen Tempelarbeiten Ă€hnliche ZustĂ€nde aus wie Meditationen oder vergleichbare Stille-Übungen. Im Laufe der Zeit ist die rituelle Loge so etwas wie eine innere Heimat fĂŒr mich geworden. Gerade auch in den letzten anderthalb Jahren, in denen sich mein Weg verfinsterte und ich mich Anteilen von mir stellen musste, die ich am liebsten ganz weit weg geschoben hĂ€tte, habe ich die freimaurerischen Tempelarbeiten noch mal ganz neu als einen Ort schĂ€tzen gelernt, an dem ich zur Ruhe komme und mit mir selbst und meiner spirituellen Sehnsucht in BerĂŒhrung komme. Wenn der Logenmeister eine jede Tempelarbeit eröffnet, indem er mit seinem Hammer auf den Altar schlĂ€gt und die Worte spricht „Ehre sei Gott“, spĂŒre ich in diesem Moment, wie ich heimkehre…

Ode an das Leben

Diesen Morgen konnte ich sie wieder hören. Das erste Mal nach einer unendlich langen Zeit. Zugvögel. Sie kehrten zurĂŒck. Und sie brachten frohe Kunde mit. Ihr Ruf drang von irgendwoher bis in mein Zimmer. Von meinem Ohr bis tief in mein Herz. In ihrem Ruf lag etwas Verheißungsvolles. Und die hoffnungsvolle Gewissheit, dass auf jede Zeit der Dunkelheit eine Zeit des Lichts folgt. Mit ihrem Ruf brach die Kruste des Frostes, die alles Leben unter sich eingeschlossen hatte, langsam auf.

Die Dunkelheit und die KĂ€lte hatten ihren bitteren Kelch fĂŒr mich bereitgehalten. Zitternd hatte ich ihn entgegengenommen 
 angesetzt … und getrunken. Mit jedem Schluck hatte sich mein Magen zusammengezogen und ein pochender Schmerz meinen Kopf zerrissen. Krampfend war ich zu Boden gegangen. Stöhnend hatte ich mich im Dreck, in meinen Blut, meinen FĂ€kalien und meinem Erbrochenen gewĂ€lzt. Die Haut löste sich von meinen Knochen. Und so war ich irgendwann vor dem Leben niedergekniet. In meiner ganzen Schwachheit. Gebrochen. Mit TrĂ€nen in den Augen. Um Gnade winselnd. Doch das Leben hatte mir nur zugeraunt, dass ich mich dieser Lektion nicht entziehen könne. Ich hatte diesen Kelch auszutrinken. Bis zum letzten Tropfen. Und als ich ihn wieder absetzte, konnte ich auf dem Boden des Kelchs mein eigenes Spiegelbild zu erkennen…

Mit dem Ruf der Zugvögel erwachte der neue Tag. Ich trat ins Freie. Und hielt inne. Mit jedem Atemzug durchfuhr mich die belebende Milde des FrĂŒhlings. Sie durchzog den gesamten Morgen. Meine Augen ruhten einen Moment am Horizont. Von dort breiteten sich die ersten, noch schwachen Sonnenstrahlen ĂŒber das Land aus. Alles, was sie berĂŒhrten, wurde in zarte Farbsinfonien getaucht. Aus den Kronen der noch kahlen BĂ€ume erklangen die ersten vielstimmigen und von Freude nur so ĂŒberquellenden Lieder der Singvögel. Sie begrĂŒĂŸten das, was vor uns lag. Davon kĂŒndeten auch die Schneeglöckchen und Krokusse, die den frostigen Grund durchbrachen und sich ganz zaghaft dem neuen Tag entgegenreckten. Mein Herz stimmte mit ein in diese Ode an das Leben, die die Schöpfung an diesem Morgen sang.