#Gedanke: Gelassenheitsgebet

„Gott,

gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht Àndern kann,
den Mut,
Dinge zu Àndern,
die ich Àndern kann

und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden,
einen Tag nach dem anderen
zu leben,
einen Moment nach dem anderen
zu genießen,
Entbehrung als einen Weg zum Frieden
zu akzeptieren,
sie anzunehmen,

wie Jesus es tat…“

(Reinhold Niebuhr)

Freimaurerische Vermessenheit

Es gibt zwei Annahmen, die mir in freimaurerischen Kreisen wiederholt begegnet sind und aus denen, meiner Meinung nach, eine hochmĂŒtige, anmaßende und ĂŒberhebliche SelbsteinschĂ€tzung der freimaurerischen Bruderschaft spricht. Die erste Annahme lautet: „Freimaurerei war immer.“ Und bei der zweiten Annahme wird jeder Nicht-Freimaurer, der nach Gedankengut und GrundsĂ€tzen lebt, die fĂŒr gewöhnlich Freimaurer fĂŒr sich reklamieren, kurzerhand zum „Freimaurer ohne Schurz“ erklĂ€rt.

„FREIMAUREREI WAR IMMER“

Das Zitat „Freimaurerei war immer“ stammt aus dem in den Jahren 1776 bis 1778 entstandenen Werk „Ernst und Falk“ des Freimaurers Gotthold Ephraim Lessing. In diesem StĂŒck trifft „Ernst“ auf den Freimaurer „Falk“. In einem WechselgesprĂ€ch möchte Ernst von Falk zu erfahren, was das Freimaurertum ist und was dessen Wesen ausmacht. In Zuge dieses GesprĂ€chs versucht Falk Ernst zu erklĂ€ren, dass es sich beim Freimaurertum um eine Geisteshaltung handelt, die seit jeher in der Menschheit vorzufinden ist. Folglich existierte diese Geisteshaltung auch schon lange bevor es das Anfang des 18. Jahrhunderts gegrĂŒndete Freimaurertum gab. Daher seine Aussage: „Freimaurerei war immer.“

Ich verstehe, was Lessing mit dieser Formulierung ausdrĂŒcken will, halte sie aber fĂŒr fragwĂŒrdig und missverstĂ€ndlich. Meiner Meinung nach zĂ€umt Lessing das Pferd von der völlig falschen Seite auf. Denn: Freimaurerei war nicht immer. Das Freimaurertum hatte einen Anfang. Und es wird einmal ein Ende haben. Das Einzige, was immer war und auch immer sein wird, ist das Geheimnis, um das sich das Freimaurertum dreht. Ich wĂŒrde dieses Geheimnis als das „Mysterium des Lebens“ umschreiben. Diesem Mysterium sieht sich der Mensch von Anbeginn an ausgeliefert. Und dabei erfĂ€hrt er, wie erhaben und wundervoll und gleichzeitig unkontrollierbar und unerbittlich es ist. Daher versucht der Mensch seit jeher die GesetzmĂ€ĂŸigkeiten und KreislĂ€ufe dieses Mysteriums zu verstehen und das eigene Leben mit ihnen in Einklang zu bringen. Dieses Streben hat immer auch spirituelle Dimension gehabt. Und so bildeten sich in den verschiedenen Zeitaltern der Menschheitsgeschichte unterschiedliche HĂŒter dieses Mysteriums heraus: Älteste, Schamanen, Priester, Kulte, Religionen, MysterienbĂŒnde. Deren Aufgabe war es, das Wissen um das Mysterium des Lebens zu bewahren sowie nachfolgende Generationen in dieses Wissen einzuweihen und darin zu unterweisen. Das Freimaurertum ist nur ein HĂŒter dieses Mysteriums unter vielen. Und es ist bei weitem auch nicht einmal der Ă€lteste dieser HĂŒter. Seine Aufgabe ist die Einweihung des Neophyten in dieses Mysterium des Lebens. Somit ist das Freimaurertum auch „nur“ Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst. Die Aussage „Freimaurerei war immer“ vertauscht diese Reihenfolge und die damit verbundenen Wertigkeiten.

„FREIMAURER OHNE SCHURZ“

Wenn man im Freimaurer-Wiki nach den Begriffen „Freimaurer ohne Schurz“ sucht, stĂ¶ĂŸt man auf folgende Definition: „Bezeichnung fĂŒr einen Profanen, der maurerische GrundsĂ€tze und maurerisches Gedankengut vertritt.“

Ich habe grundsĂ€tzlich Bauchschmerzen damit, dass mit dieser Aussage Menschen in „Freimaurer“ und „Profane“ eingeteilt werden. Dies zeugt von einer elitĂ€ren Selbstwahrnehmung, die den Freimaurer auf eine höhere Stufe stellt als den Nicht-Freimaurer. Wenn es tatsĂ€chlich so ist, dass die weltweite Bruderschaft der Freimaurer fĂŒr Werte wie „Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit, Toleranz und HumanitĂ€t“ eintritt, werden diese Werte durch das Einteilen in Freimaurer und Profane konterkariert und mit FĂŒĂŸen getreten. Jeder Mensch ist gleich heilig oder gleich profan. Die Mitgliedschaft in einer wie auch immer gearteten Organisation Ă€ndert nichts an diesem Fakt.

Dann wirft dies auch die Frage auf, ab wann etwas ein freimaurerischer Wert, Grundsatz oder freimaurerisches Gedankengut ist. Wenn ich noch einmal die Werte „Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit, Toleranz und HumanitĂ€t“ bemĂŒhe, dann frage ich mich: Handelt es sich hierbei um explizit freimaurerische Werte? Oder sind es nicht vielmehr universelle Werte, die das Freimaurertum fĂŒr sich entdeckt und adaptiert hat? DarĂŒber hinaus ist – wie oben bereits angefĂŒhrt – auch die Idee der rituellen Initiation keine primĂ€r freimaurerische. Folglich stellt sich die Frage, ab wann man Werte, GrundsĂ€tze und Gedankengut freimaurerisch nennen kann?

Nun mal angenommen, man kĂ€me tatsĂ€chlich zu dem Ergebnis, bestimmte Werte, GrundsĂ€tze und ein bestimmtes Gedankengut als explizit freimaurerisch einordnen zu können. Ist es dann nicht regelrecht ĂŒbergriffig, Nicht-Freimaurer, die ihr Leben ebenfalls danach ausgerichtet haben, einfach fĂŒr sich zu vereinnahmen? Ist das nicht erst recht der Fall, wenn diese vielleicht sogar aus guten GrĂŒnden keine Freimaurer sind?

Ich selber zum Beispiel habe eine AffinitĂ€t fĂŒr alte KirchengebĂ€ude und liturgische Gottesdienste. DarĂŒber hinaus hat das Gebot von Jesus Christus der Selbst-, NĂ€chsten- und Gottesliebe einen hohen Stellenwert auf meinem spirituellen Weg. Das alles trifft wahrscheinlich auch auf einen praktizierenden Katholiken zu. Trotzdem wĂŒrde ich mich sehr dagegen verwehren, wenn Katholiken mich deshalb einfach als Katholik – vielleicht als „Katholik ohne Kirchenschein“ oder so – bezeichnen wĂŒrden. Schließlich gibt es trotz einiger Überschneidungen klare GrĂŒnde, weshalb ich kein Mitglied der Katholischen Kirche bin. Das liegt in der Hierarchie und in dem Dogma dieser Institution begrĂŒndet.

Ebenso kann jemand von außen betrachtet große Schnittmengen mit dem Gedankengut, den Werten und den GrundsĂ€tzen des Freimaurertums aufweisen und trotzdem ganz bewusst nie Mitglied einer Freimaurerloge geworden sein. Ihn dann einfach – quasi gegen seinen Willen – als Freimaurer (ohne Schurz) zu adaptieren ist schlichtweg ĂŒbergriffig.

NatĂŒrlich ist ein Freimaurer jemand, der ein bestimmtes Gedankengut sowie bestimmte Werte und GrundsĂ€tze in seinem Leben praktiziert. DarĂŒber hinaus aber eben auch jemand, der versucht, sich die freimaurerische Symbolik zu erschließen, im Austausch mit den BrĂŒdern steht und regelmĂ€ĂŸig am freimaurerischen Ritual teilnimmt. Und zumindest fĂŒr die letztgenannten Punkte bedarf es der Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge. Wer diese Kriterien nicht erfĂŒllt, ist kein besserer oder schlechterer Mensch, auch kein heiligerer oder profanerer Mensch, sondern einfach nur kein Freimaurer. Auch kein Freimaurer ohne Schurz.

DEN BAU VOLLENDEN

Eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die Errichtung eines Bauwerkes ist, dass vor Baubeginn fehlerfrei vermessen worden wird. Denn aus den gemessenen Daten errechnet sich schließlich der Bauplan. Und aus diesem leitet sich zum Beispiel ab, wie viel Bauzeit zu veranschlagen ist, wie viel Material benötig wird und wie viele Bauleute eingesetzt werden mĂŒssen. Das gesamte Projekt steht daher auf tönernen FĂŒĂŸen und droht nicht vollendet zu werden, hat man sich vor Baubeginn vermessen.

Vermessen im wahrsten Sinne des Wortes sind, wie ich dargelegt habe, die Aussage „Freimaurerei war immer“ und die Idee des „Freimaurers ohne Schurz“. (Zugegebenermaßen ist dieses Wortspiel etwas bemĂŒht, trifft aber dennoch ganz gut, was ich ausdrĂŒcken will.) Denn dieses hochmĂŒtige, anmaßende und ĂŒberhebliche Selbstbild, das aus diesen Aussagen trieft, steht im krassen Widerspruch zum tiefsten Wesenskern des Freimaurertums. Dieser Eindruck wĂ€chst und verfestigt sich in mir, je lĂ€nger ich Freimaurer bin, je höher ich in den freimaurerischen Graden komme und je tiefer ich ins freimaurerische Ritual und seine Symbolik eintauche. Das genannte Selbstbild ist völlig ungeeignet, den freimaurerischen Bau zu vollenden. Und hierbei ist es egal, ob ich vom inneren Tempel spreche, den jeder Freimaurer in sich selbst errichtet oder vom universellen Tempel der HumanitĂ€t, in den der einzelne Freimaurer sich als Baustein einfĂŒgt.

Daher, liebe Freimaurer-BrĂŒder, lassen wir den Geist, der hinter diesem egodurchseuchten Selbstbild steht, doch sterben! Legen wir ihn in den Sarg, in sein eigenes Grab! Er soll das Fleisch sein, das sich von den Knochen löst, wenn der Verwesungsprozess einsetzt! Verrotten soll er und im Sarg zurĂŒckbleiben. Niemals mehr soll er (mit) auferstehen! Es liegt nur an uns. Was hindert uns daran?

Ins Herz der Finsternis und des DĂ€monischen

Ich trat heraus aus der Ruine dieses einst so erhabenen und ehrwĂŒrdigen Ortes. Hinter mir zerfallene Überreste von dem, was mal war. Vor mir in Dunkelheit gehĂŒllte Weite.

Der Wind hatte an Kraft zugelegt. Sanft trieb er die Wolken des Himmels vor sich her. Wieder und wieder riss er die Wolkendecke auf. So dass der volle Mond die Landschaft in fahle Helligkeit tauchen konnte. In die eisige KĂ€lte der ewigen Nacht hatte sich ein milder Hauch des immer wiederkehrenden Morgens gemischt.

Mein Blick schweifte in die Ferne. Irgendwo weit hinten zeichnete sich die Silhouette eines so dunklen wie tiefen Waldes ab. Gebieterisch erhob er sich aus dem Nichts. Bei seinem Anblick kroch eine unwillkĂŒrliche Angst in mir hoch. Eine Angst, die ich schwer nur zu fassen bekam. Angst. Etwas in mir sagte, dass ich den Wald betreten und bis in sein tiefstes Herz vordringen musste. Dort wĂŒrde ich meiner Angst begegnen. Und damit auch mir selbst.

„Ich werde Dich begleiten.“, vernahm ich eine vertraute Stimme neben mir. Ich blickte mich um und sah in treue Augen. Ruhig und entschlossen stand er neben mir. Mein Freund, mein WeggefĂ€hrte, mein Bruder. Seine Zuversicht und seine Klarheit schenkten mir den Mut loszugehen.

Schweigend gingen wir nebeneinander her. Verbunden auf tiefe Weise. Die Weite vor uns wurde ein Teil von uns, je weiter wir sie durchschritten. Nach und nach hatte der Wind die Wolken vertrieben. Über uns prangte ein Meer von Sternen. Der Vollmond erleuchtete unseren Weg.

Schließlich erreichten wir die ersten AuslĂ€ufer des Waldes. Karge Äste zeichneten sich am Himmel ab. Der Geruch von feuchtem Moos und Kiefernholz lag in der Luft. Tannenzapfen, Heidekraut und abgebrochene Äste knackten nun bei jedem Schritt unter unseren FĂŒĂŸen.

Plötzlich und unerwartet ragte dieser kalte monolithische Stein vor uns empor. Sein Sockel fest verankert im Erdboden. Sein Haupt von Baumkronen gekĂŒsst. Stolz reckte er sich den Sternen entgegen. Hatte die Natur ihn dort hingestellt, oder war er das Werk von Menschenhand? Zeugte er von glanzvollen Zeiten voller Macht und Herrlichkeit? Ein Überrest lĂ€ngst vergangener Königreiche? Ein heiliger Platz unserer Urahnen? Einer Gottheit geweiht? Oder hatte eine willkĂŒrliche Laune der Natur ihn erschaffen und zurĂŒckgelassen? In uns gekehrt verweilten wir einen stillen Moment lang. „Ein Mahnmal.“, ging es uns mit einem Mal durch den Kopf. Es warnte uns vor dem, was da vor uns lag. Vor dem, was uns noch begegnen mochte auf diesem Weg. Generationen von MĂ€nnern waren ihn vor uns gegangen. Doch viele von ihnen waren nie zurĂŒckgekehrt.

Der Anblick dieses Mahnmals brannte sich tief in uns ein. Er sollte uns noch lange begleiten. Als wir unseren Weg fortsetzten, zog sich der dunkle Wald noch einmal zurĂŒck. Seine FĂ€ngen entließen uns abermals auf eine weite Ebene. Doch die Helligkeit des Mondes und der Sterne wurde nach und nach von Wolken wieder zugedeckt. Was zurĂŒckblieb war dunkel.

Und schließlich waren wir am Rand angelangt. Am Rand dessen, was uns bekannt war. Am Rand dessen, was uns vertraut war. Zu unseren FĂŒĂŸen fiel ein Abhang ab. Und am Fuße des Abhangs breitete sich erneut ein Wald aus. Finster und dicht, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. EingehĂŒllt in Nebel. Baum an Baum reichte er bis zum Horizont.

DĂ€monische Heere hatten sich versammelt. Widerliche und grauenvolle Fratzen soweit das Auge reichte. Sie waren gekommen, um in meine Welt einzufallen. Um sie niederzureißen und zu verwĂŒsten. Um ĂŒber mich herzufallen und mich zu zerstĂŒckeln. WĂŒtend stießen sie ihre Schwerter, Äxte, Spieße und Keulen in die Luft. Wieder und wieder. Ihr rhythmischer Kriegsgeschrei drang bis zu uns herauf.

Mein WeggefÀhrte und ich verharrten bei dem, was wir vor uns ausgebreitet sahen. Wollte ich leben, musste ich dort hinein. Mitten in das Herz der Finsternis und des DÀmonischen.

Ideal und Spiegelbild

„Letzte Nacht hat mich der Mond gefragt,
ob ich glĂŒcklich bin.
Als ob man dazu mal kurz was sagen kann,
als ob es so einfach ist.

Ich habe ihn ganz cool ignoriert
und die Sterne angeschaut.
Aber irgendwie hat mir der Mond da schon
die Stimmung voll versaut.

Ich wollte nur trÀumen
und einfach so dastehen,
doch dann musste ich vor Hunger
in die KĂŒche gehen.

Da hat der KĂŒhlschrank
mich dann prompt gefragt,
ob ich glĂŒcklich bin…“

Ich blickte in den Spiegel. Doch ich erkannte mich nicht mehr. Die Person, die mir da gegenĂŒberstand, war mir seltsam fremd geworden. Ich schaute in die zahllosen Spiegel um mich herum. Doch das, was auf mich zurĂŒckgeworfen wurde, ließ sich nicht mehr in Einklang bringen mit dem, wie ich mich selber sah.

Ich war davon ĂŒberzeugt gewesen, „es“ begriffen zu haben. Schließlich hatte ich mein Leben lang so viel dafĂŒr getan. Und noch viel mehr darĂŒber gelesen. Doch nun realisierte ich in beinahe jedem Augenblick, dass da eine riesige LĂŒcke klaffte. Eine LĂŒcke zwischen meinem Ideal und dem was ist.

Irgendwann hatte ich mich entschieden zu bloggen. Ich wollte erzĂ€hlen von meiner großen Sehnsucht. Ich wollte erzĂ€hlen von den Momenten, die fĂŒr einen Augenblick den Schleier wegrissen hatten. Momente, die mich hatten davon kosten lassen, dass ich auf einer tiefen Ebene verbunden bin mit allem, was ist. Eins mit dem, was die Menschen seit jeher mit Begriffen wie „Gott“ zu umschreiben versuchen. Momente, die mich in meinem Inneren so unendlich tief angerĂŒhrt hatten. Ich wollte erzĂ€hlen von den großen spirituellen Weisheitslinien, die ich ĂŒberall zu entdecken begann: In der Mystik, in den alten Initiationsriten, im Freimaurertum, in den archetypischen ErzĂ€hlungen und Bildern der Menschheit, in Symbolen, Ritualen, Tempeln und Kirchen, in der Natur und schlussendlich in jedem Menschen selbst.

Und so begann ich zu erzÀhlen. Ich erzÀhlte von Toleranz und wurde immer absoluter. Ich erzÀhlte von Stille und wurde immer lauter und unsteter. Ich erzÀhlte vom Loslassen und verkrampfte zusehends vom ganzen Festhalten. Ich erzÀhlte von Liebe und wurde immer egozentrierter. Ich erzÀhlte von Empathie und wurde immer kÀlter. Rastlosigkeit, Wechselhaftigkeit und OberflÀchlichkeit wurden meine stÀndigen Begleiter. Angst umgarnte mich und sog mich langsam in sich auf. Und dann war da diese stÀndige Wut in mir. Wut, die immer hÀufiger danach verlangte, sich zu entladen.

Und schließlich stellte mir das Leben die Frage: „Wer bist Du, Hagen? Wer bist Du, dass Du Dir anmaßt, hier als Lehrer aufzutreten? Wer bist Du?“

Ja, wer bin ich denn eigentlich? Die zahllosen Beschreibungen die ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe, kommen an ihre Grenzen. Bin ich Freimaurer? Bin ich kontemplativer Christ, keltischer Christ? Bin ich ein initiierter Mann? Bin ich Ehemann und Vater? Bin ich eine „kontraphobische 6“ gemĂ€ĂŸ dem Enneagramm, schizoid-zwanghaft gemĂ€ĂŸ der Grundtypen der Angst von Fritz Riemann, Krieger-Priester gemĂ€ĂŸ der Lehre von den Archetypen? Alle diese Beschreibungen mögen ihre Berechtigung haben. Und doch sind sie alle zu klein. Zu unvollstĂ€ndig. Zu beschrĂ€nkend. Zu verkopft. Auch mein Spiegelbild vermag mir diese Frage nicht mehr zu beantworten.

Also werde ich von nun an fĂŒr eine Weile den Stift aus der Hand legen. Ich werde mir Zeit nehmen, hinzuhören. Ich werde mir Zeit nehmen, hinzuschauen. Die Dinge sollen sich wieder setzen und entfalten dĂŒrfen. Sie sollen wieder sein dĂŒrfen. Ohne dass ich sie auf meinem Blog gleich beschreiben, einordnen und preisgeben muss. Und wenn die Zeit gekommen ist, werde ich zurĂŒckkehren. Dann werde ich den Stift wieder in die Hand nehmen. Ein Jegliches hat seine Zeit. ErzĂ€hlen hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit. Es geschehe also…

(Eingangstext von: Die Toten Hosen,
aus: „Der Mond, der KĂŒhlschrank und ich“)

#Gedanke: MysterienbĂŒnde und Unio Mystica

„Jeder Mysterienbund
lehrt das Erlebnis
der Einheit Gottes
und der Alleinheit.

Dieses Erlebnis
ist notwendige Konsequenz
des VerbrĂŒderungserlebnisses,

welches nur vollstÀndig ist,
wenn es ins Kosmische ĂŒbergreift
und der VerbrĂŒderte dahin gelangt,
die Musik der SphÀren zu hören;

oder wie die BĂŒnde das Empfinden
des großen Weltzusammenhangs
und seines ungeheuren Rhythmus
sonst noch symbolisiert haben.“

(August Horneffer)