#Gedanke: Meiner Lust und Wehen Aufenthalt

„O schöner, grĂŒner Wald,
Du meiner Lust und Wehen Aufenthalt.
Da draußen stets betrogen,
saust die wilde Welt,
schlag den Bogen
nun um mich, Du grĂŒnes Zelt.

Da steht im Walde geschrieben
ein stilles, ernstes Wort
vom rechten Tun und Lieben.
und des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte schlicht und wahr
und durch mein ganzes Wesen
drang es unaussprechlich klar.

Und mitten in dem Leben
wird deine Urgewalt
mich Einsamen erheben,
so wird mein Herz nicht alt.“

(Faun,
aus: „Abschied“)

#Gedanke: Kraft und Empfindsamkeit

„Du bist
als vitales, lustvolles, schönes
Geschöpf gedacht,
das mit einem brillanten Geist
ausgestattet,
seine enormen
physischen und psychischen KrÀfte
zum Wohle fĂŒr Dich
und das große Ganze
einsetzen soll.
Das steht
ĂŒberhaupt nicht
im Widerspruch zu
Deiner sinnlich-weichen,
einfĂŒhlsamen, empfindsamen
und sozialen Seite,
die sich mit den Menschen
und Wesen
Deiner Umgebung
tief verbinden kann.“

(Stefan Wolff)

Zwei Seiten derselben Medaille

EINLEITUNG

Es gibt eine Unwucht auf dem freimaurerischen Weg, die im Logenalltag immer wieder auftreten kann, und die mich, als ich in meiner Johannisloge aktiv war, oftmals sehr störte: Und das ist das MissverhÀltnis von inhaltlicher Arbeit an sich selbst auf der einen und dem Nachkommen organisatorischer Verpflichtungen auf der anderen Seite.

Hier auf meinem Blog habe ich viel von der inhaltlichen Arbeit und dem innerlichen Weg des einzelnen Freimaurers geschrieben. Was ich bisher jedoch weitestgehend außen vor gelassen habe, war der organisatorische und zeitliche Aufwand, den die freimaurerischen Organisationsformen mit sich bringen. Heute will ich ein wenig von meiner ambivalenten Beziehung zu diesen Organisationsformen schreiben.

ORGANISATORISCHE VERPFLICHTUNGEN

ZunĂ€chst einmal ist jede Freimaurerloge ein eingetragener Verein. Das bedeutet, dass dem Staat gegenĂŒber vielfachen Verpflichtungen nachzukommen ist. Beispielsweise muss ein Vereinsvorstand gewĂ€hlt werden, mĂŒssen Protokolle und Rechenschaftsberichte erstellt sowie Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen abgehalten werden.

Dann muss auf viele alltÀgliche organisationsbedingte Fragestellungen reagiert werden, wie zum Beispiel der Aufnahme und dem Ausschluss von Mitgliedern, dem Sicherstellen der Beitragszahlungen, dem Organisieren der unterschiedlichen Logenveranstaltungen neben den eigentlichen Ritualen, dem Umgang mit Streitigkeiten zwischen Logenmitgliedern, dem Kommunizieren und Interagieren mit anderen freimaurerischen Einrichtungen und so weiter und sofort.

Zu guter Letzt sind die personellen Anforderungen des freimaurerischen Rituals vergleichsweise hoch. Um eine normale Standard-Tempelarbeit ĂŒberhaupt durchzufĂŒhren zu können, bedarf es in den Logen der Lehrart meiner Großloge (Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland – Freimaurerorden) mindestens sieben „arbeitende“ Freimaurer. Sobald besondere rituelle AnlĂ€sse, wie beispielsweise Aufnahmen in den jeweiligen Grad oder Stiftungsfeste, hinzukommen, schraubt sich die Anzahl der benötigten BrĂŒder schnell in die Höhe.

Hinzu kommen weitere Funktionen rund um das Logenleben neben dem eigentlichen Ritual, die nach Möglichkeit besetzt werden sollten. Und dann ist es natĂŒrlich angestrebt, fĂŒr jede Funktion auch einen Stellvertreter zu haben, der bei Krankheit, UnpĂ€sslichkeit und so weiter einspringen kann.

Das Beschriebene zeigt, dass die Organisationsform des Freimaurertums es erforderlich macht, dass eine Loge sich viel mit organisatorischen Fragen zu beschĂ€ftigen hat, damit der Logenalltag funktionieren kann. Bisweilen kann es passieren, dass dies ĂŒberhand nimmt, sprich diese organisatorischen Fragen einen unangemessen großen Raum einnehmen und den eigentlichen inneren Weg, der sich in Ritual und Symbolik ausdrĂŒckt, an den Rand drĂ€ngen. Bereits im Dezember 2016 schrieb ich in dem Blogartikel „*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!“ ĂŒber die Frustration, die solch eine Schieflage im einzelnen Bruder auslösen kann.

Und auch ich selbst haderte immer wieder an dieser Schrieflage. Ganz sicher ist diese Schieflage ein Grund von mehreren, weshalb ich mich vom Freimaurertum entfremdet habe.

AUF DER ANDEREN SEITE

Wer meine letzten drei Blogartikel zum Freimaurertum (hier, hier und hier) gelesen hat, der weiß, dass ich seit ĂŒber einem Jahr mit der Frage ringe, ob ich Freimaurer bleiben möchte und wenn ja, in welcher Form dies der Fall sein könnte.

Unter anderem drei Dinge mache ich, um in dieser Frage fĂŒr mich zu Klarheit zu gelangen:
1. Es gibt einen kleinen Kreis an Freimaurern, mit denen ich zu dieser Frage im Austausch bin. Die ihre EnttÀuschungen mit dem Freimaurertum und ihre Sichtweise darauf mit mir teilen, die mich spiegeln und die mich hinterfragen.
2. Ich habe angefangen, die alten Auslegungen von Hermann Gloede aus dem frĂŒhen 20. Jahrhundert zum Ritual und der Symbolik meiner Großloge ein weiteres Mal durchzuarbeiten, um fĂŒr mich neu zu klĂ€ren, inwieweit diese Inhalte fĂŒr mich noch Relevanz besitzen.
3. Vereinzelt schaffe ich es, Tempelarbeiten in unterschiedlichen Logen zu besuchen. Hierbei geht es mir darum – fernab von allen Konfliktlinien – ein GefĂŒhl dazu zu bekommen, inwiefern die freimaurerischen Rituale noch Resonanz in mir auslösen.

Irgendwann in diesem Prozess ertappte ich mich dabei, wie ich Dankbarkeit in mir bemerkte. Dankbarkeit, dass die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland – Freimaurerorden mir solch eine Struktur zur VerfĂŒgung stellt. Eine Struktur, in der ich BrĂŒder habe, die mir zuhören und beistehen, in der ich Zugriff auf Schriften habe, die ich studieren kann, und in der ich Tempelarbeiten vorfinde, die ich besuchen kann.

Und mir wurde klar, dass es diese helfende Struktur nur aufgrund der freimaurerischen Organisationsform gibt. Und habe ich diese zuvor noch als zu erdrĂŒckend beschrieben, so muss ich nun einrĂ€umen, dass diese Struktur gleichzeitig aber auch StabilitĂ€t und Sicherheit gibt und mich wie ein Netz auffĂ€ngt. Dass ich mir fĂŒr meinen Entscheidungsfindungsprozess so viel Zeit nehmen kann, habe ich auch ebendieser Organisationsform meiner Großloge zu verdanken.

FAZIT:

Die Organisationsform meiner Großloge kann lĂ€hmend und erdrĂŒckend sein. Aber gerade im letzten Jahr durfte ich erleben, dass es gerade eben auch diese Organisationsform ist, die mich auffangen und tragen kann. Es sind zwei Seiten derselben Medaille.

#Gedanke: Auf, auf, junger Parzival!

„Nun zieh ich los, lass alles liegen,
das was ich brauch, ich bei mir trag.
Dies GefĂŒhl kann nichts aufwiegen,
denn heute weiß ich, das wird mein Tag.

Neues GlĂŒck liegt auf den Wegen,
die Welt ist groß und sie ist mein.
Alte TrÀume, die brach gelegen,
ich lass die Sorgen Sorgen sein.

Neues StÀdtchen,
andere MĂ€dchen,
es steht nie still, das RĂ€dchen.
Einerlei
an welchem Ort,
einfach von zu Hause fort.“

(In Extremo,
aus: „Neues GlĂŒck“)