ALS FRAU AUĂEN VOR?
In meinem privaten Umfeld gibt es den einen oder anderen Menschen, der es ziemlich suspekt fand, als ich mich entschied, Freimaurer zu werden. Insbesondere durch die feministische Brille betrachtet, mutete dieser Schritt mehr als fragwĂŒrdig an. Denn kommen bei den Freimaurern nicht alte weiĂe MĂ€nner zusammen, die sich im Glanze einer elitĂ€ren ExklusivitĂ€t sonnen? Eine ExklusivitĂ€t, in der fĂŒr Frauen kein Platz ist? Kein Vorbehalt gegenĂŒber der Freimaurerei begegnete mir so hĂ€ufig wie der, dass Frauen dort ausgeschlossen wĂŒrden.
Nur um dieses Argument ein fĂŒr alle Mal abzurĂ€umen: Doch, auch in der Freimaurerei gibt es Frauen. Genauso, wie es reine MĂ€nnerlogen gibt, gibt es auch reine Frauenlogen und auch gemischte Logen.
Allerdings gibt es bei der ganzen Frage bezĂŒglich „Freimaurerei und Frauen“ ein ganz groĂes „Aber“. Ein „Aber“, das gewichtig und ziemlich hĂ€sslich ist. Ein „Aber“, das mich als mĂ€nnlichen Freimaurer beschĂ€mt. Und um dieses „Aber“ soll es in diesem Blogartikel gehen.
MEIN ERSTER GĂSTEABEND
TatsÀchlich fand mein erster realer Kontakt als Suchender zu einer gemischten Freimaurerloge statt. Eher zufÀllig bekam ich eine Einladung zu einem Ihrer GÀsteabende in die Hand.
Als ich diesen GĂ€steabend dann besuchte, war ich zunĂ€chst etwas irritiert, weil ich in dieser Loge keinen einzigen Mann antraf. Diese Loge war nur auf dem Papier eine gemischte Loge, de facto jedoch eine reine Frauenloge. Die Logenmeisterin erklĂ€rte mir an diesem Abend, warum das so ist: Freimaurerlogen, in denen auch Frauen Mitglieder sind, werden durch die offiziellen freimaurerischen Statuten und Institutionen nicht offiziell anerkannt. Folglich ist es Frauenlogen und auch gemischten Logen nicht möglich, die sogenannte „freimaurerische RegularitĂ€t“ zu erlangen. Dies wiederum hat zur Folge, dass MĂ€nner, die sich dafĂŒr interessieren, Freimaurer zu werden, sich lieber regulĂ€ren MĂ€nnerlogen anschlieĂen, als irregulĂ€ren Frauenlogen oder irregulĂ€ren gemischten Logen. Auch mir legte die Logenmeisterin fĂŒr den Fall, dass ich ernsthaft an der Freimaurerei interessiert sei, nahe, mich dann doch lieber einer reinen, regulĂ€ren MĂ€nnerloge anzuschlieĂen.
Den Vortrag dieses Abends hielt ein Mann. Ein eloquenter und gebildeter Mann. Vor allem aber: Ein regulĂ€rer Freimaurer. In dem Vortrag, den ich als sehr fundiert und umfassend erinnere, ging es um Gotthold Ephraim Lessing. Dessen Ringparabel ist so etwas wie die Lieblingsgeschichte der Freimaurer. Je lĂ€nger dieser GĂ€steabend andauerte, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass sich so etwas wie eine informelle Hierarchie herausbildete: Vorne der „richtige“ – weil regulĂ€re – Freimaurer, der alle an seinem Wissen teilhaben lieĂ. Und zu seinen FĂŒĂen die „nicht so ganz richtigen“, – weil irregulĂ€ren – Freimaurerinnen, die an seinen Lippen hingen.
NatĂŒrlich war dieser Abend inhaltlich fĂŒr mich gewinnbringend gewesen. Und auch insofern spannend, weil ich das erste Mal in meinem Leben echte freimaurerische Luft schnuppern durfte. Doch der Eindruck, wie demĂŒtigend innerhalb der Freimaurerei mit den Freimaurerinnen umgegangen wird, lieĂ einen Ă€uĂerst faden Beigeschmack zurĂŒck.
DIE FRAGE DER REGULARITĂT
Doch was hat es mit dieser „RegularitĂ€t“, die dafĂŒr sorgt, dass Frauen innerhalb der Freimaurerei irgendwie auĂen vor bleiben, auf sich? Woher stammt die Idee der „RegularitĂ€t“?
Geht man dieser Frage nach, kommt man an den sogenannten „Alten Pflichten“ nicht vorbei. Hierbei handelt es sich laut Freimaurer-Wiki um die „erste gedruckte und veröffentlichte Sammlung von Gesetzen und Konstitutionen (Regeln) der Freimaurer“. Diese sind 1723 von dem Reverend und Prediger an der Kirche der schottischen Presbyterianer in London, dem Doktor der Philosophie und der Theologie, James Anderson, verfasst und erstmalig am 28. Februar 1723 veröffentlicht worden. In diesen Alten Pflichten wird fĂŒr das damals noch blutjunge Freimaurertum unter anderem niedergelegt, was einen Freimaurer ausmacht, wie die Ordnung einer Freimaurerloge hergestellt wird und wie sich der einzelne Freimaurer innerhalb und auĂerhalb der Loge zu verhalten hat. Der gesamte Text setzt voraus, dass nur MĂ€nner Freimaurer werden können. So wird durchgehend von MĂ€nnern, von „der Maurer“, „ein Maurer“ oder „der Bruder“ gesprochen. Im 3. Abschnitt mit dem Titel „Von den Logen“ wird schlieĂlich klar benannt, dass Freimaurer nur „gute und wahre MĂ€nner, frei geboren, von reifem Alter und diskreten und vernĂŒnftigem Urteilsvermögen“ werden können. Es dĂŒrfen „keine Frauen“ zum Freimaurer aufgenommen werden.
Die Alten Pflichten werden von den sogenannten âBasic Principlesâ aus dem Jahre 1929 ergĂ€nzt, konkretisiert und ausgeschĂ€rft. In diesen verstĂ€ndigten sich die GroĂlogen von England, Irland und Schottland darĂŒber, unter welchen Voraussetzungen GroĂlogen anerkannt und gestiftet werden. Die Basic Principles sind so etwas wie der Versuch, den kleinsten gemeinsame Nenner zu definieren, welche Voraussetzungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, damit eine (GroĂ-) Loge ĂŒberhaupt als regulĂ€r anerkannt werden kann. Acht Punkte sind dort niedergelegt. Der vierte bezieht sich auf die Frage nach „den Frauen und der Freimaurerei“. Dazu steht dort geschrieben: „Die Mitglieder der GroĂloge und der einzelnen Logen setzen sich ausschlieĂlich aus BrĂŒdern zusammen, die als MĂ€nner zu Freimaurern wurden. Und dass jede GroĂloge keinerlei freimaurerische Zusammenarbeit mit Organisationen haben darf, die weibliche Freimaurer initiieren.“ Also auch die Basic Principles lehnen Frauen als Freimaurer ab.
Ergo: Die Alten Pflichten und die Basic Principles, die maĂgeblich sind, wenn es um die Frage geht, ob eine Loge oder GroĂloge regulĂ€r oder irregulĂ€r ist, lehnen die Idee, dass auch Frauen Freimaurer sein können, ab. Es könnten an dieser Stelle noch weitere Schriften und Verordnungen mit gleicher Zielrichtung genannt werden, die diese Vorgaben ins jeweilige GroĂlogen-Recht und den jeweiligen Logen-Alltag transferieren. Doch deren UrsprĂŒnge lassen sich in letzter Konsequenz alle auf die Alten Pflichten und die Basic Principles zurĂŒckfĂŒhren. Und da jede regulĂ€re Loge „gesetzmĂ€Ăig durch eine andere anerkannte GroĂloge oder durch drei oder mehr regulĂ€r konstituierte Logen gegrĂŒndet worden sein“ muss, vererbt sich die Idee, dass Frauen keine Freimaurer sein können, quasi von regulĂ€rer Loge zu regulĂ€rer Loge immerfort. Und den Beginn dieser RegularitĂ€tskette bildet die Vereinigte GroĂloge aus England, auf die sich schlussendlich direkt oder indirekt jede regulĂ€re Loge zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst.
Nun lassen sich die Mechanismen, die beim Freimaurertum zu greifen anfingen, als Festschreibungen darĂŒber getroffen wurden, wer regulĂ€rer und wer irregulĂ€rer Freimaurer ist, mit denen vergleichen, die bei den Religionen greifen, wenn sie definieren, welcher GlĂ€ubige rechtglĂ€ubig ist und welcher nicht. In beiden FĂ€llen werden mehr oder weniger absolute Statuten aufgestellt, die dadurch, dass sie bestimmte Menschen einschlieĂen, gleichzeitig andere Menschen ausgrenzen. Das liegt im Wesen solcher Statuten (oder sollte ich eher von „Dogmen“ sprechen?). Und bei den Freimaurern sind es eben die Frauen, die durch den niedergeschriebenen Buchstaben pauschal ausgegrenzt werden.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Basic Principles innerhalb der weltweiten Bruderschaft der Freimaurer nicht gleichermaĂen anerkannt sind. Hintergrund ist, dass es ab dem 18. Jahrhundert eine groĂe RivalitĂ€t zwischen zwei der gröĂten damaligen freimaurerischen Richtungen, nĂ€mlich der englischen und der französischen, gab. Es ging um Einfluss und Deutungshoheit innerhalb der Bruderschaft der Freimaurer. Anfang des 20. Jahrhunderts schlieĂlich kam es zum Bruch, zum Schisma zwischen der englischen und der französischen Freimaurerei. Mit den Basic Principles nun hat die Vereinigte GroĂloge von England versucht zu definieren, wer sich tatsĂ€chlich Freimaurer nennen darf, sprich wer regulĂ€rer Freimaurer ist, und wer nicht. (GroĂ-) Logen, die einzelne Inhalte der Basic Principles nicht mittrugen, galten von nun an als irregulĂ€r. Das brachte es mit sich, dass groĂe und traditionsreiche (GroĂ-) Logen, wie der Grand Orient de France, sich nicht mehr als regulĂ€r bezeichnen durften. Auch die Frauenlogen, die offiziell spĂ€testens seit Anfang des 20. Jahrhunderts existierten, fanden sich irgendwann in der IrregularitĂ€t wieder. Gleiches gilt fĂŒr die gemischten Logen, die es bereits seit einigen Jahrzehnten frĂŒher gegeben haben dĂŒrfte.
Die gesamte innerfreimaurerische Auseinandersetzung um die Frage der RegularitĂ€t, um die Inhalte der Alten Pflichten und der Basic Principles ist ein sehr weitreichender und fundamentaler Konflikt, dessen Wehen bis in die heutige Zeit hineinreichen. Daher könnte ich allein dieser Auseinandersetzung schon mehrere Blogartikel widmen. FĂŒr den vorstehenden Artikel, in dem es um die Frage geht, inwiefern Frauen regulĂ€re Freimaurer sein können, soll mein oberflĂ€chlicher und inhaltlich sehr zugespitzter Ritt durch diesen Teil der freimaurerischen Geschichte jedoch ausreichen.
DIE SITUATION HEUTE
Sehr interessant ist es, sich bezĂŒglich dieses Themenkomplexes einmal durch das Freimaurer-Wiki zu klicken. Dort kann man vieles vertiefen, was ich in diesem Blogartikel lediglich anreiĂen kann. Und dort stieĂ ich auf die Ăbersetzung einer sehr interessanten Verlautbarung der Vereinigten GroĂloge von England aus dem Jahr 1999, die ich hier mal im O-Ton bringen will: „In England und in Wales gibt es zumindest zwei FrauengroĂlogen. AuĂer daĂ diese Frauen aufnehmen, sind sie, soweit das festgestellt werden kann, in ihrer AusĂŒbung regulĂ€r. Es gibt auch eine GroĂloge, die MĂ€nner und Frauen aufnimmt. Diese GroĂlogen werden von der âUnited Grandlodgeâ (UGLE) nicht anerkannt; es finden keine gegenseitigen Besuche statt. Jedoch gibt es mit den FrauengroĂlogen gelegentlich informelle GesprĂ€ch ĂŒber Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse. Wenn BrĂŒder von Nichtmaurern darauf angesprochen werden, können sie also klarstellen, daĂ sich die Freimaurerei nicht auf MĂ€nner beschrĂ€nkt, und das obwohl die UGLE selbst keine Frauen aufnimmt.“ Als bei der Vereinigten GroĂloge von England mit der Bitte um Konkretisierung dieser Aussage nachgehakt wurde, folgte nachstehende Aussage, die ich hier ebenfalls im O-Ton bringen will: „Um anerkannt zu werden, muss eine Loge regulĂ€re Freimaurerei praktizieren, aber das ist nicht die einzige Voraussetzung. Anerkennung bedeutet auch, daĂ gegenseitige Logenbesuche möglich sein mĂŒssen. Aber weder die UGLE noch die beiden FrauengroĂlogen wollen gemischte Logenarbeiten. Es gibt AktivitĂ€ten, die manche Menschen lieber in einer âSingle-Sexâ-Umgebung praktizieren, ohne den Druck und die Ablenkungen, die in gemischten Gruppen auftreten können. Das gilt fĂŒr viele sportliche TĂ€tigkeiten: MĂ€nner und Frauen spielen Hockey, aber nicht zusammen. Und es gilt fĂŒr spirituelle RĂ€ume: Siehe die Nonnen und die Mönche.“
Diese Aussagen sind höchst interessant. Denn sie sprechen der Frau an sich nicht mehr per se die FĂ€higkeit ab, Freimaurerinnen zu sein. Vielmehr wird Ihnen sogar zugestanden, dass sie im freimaurerischen Sinne regulĂ€r rituell arbeiten. Trotzdem bleiben diese Aussagen letztendlich inkonsequent. Denn Frauen- oder auch gemischten Logen wird eine RegularitĂ€t mit der BegrĂŒndung nicht zugesprochen, dass gegenseitige Besuche der rituellen Tempelarbeiten möglich sein mĂŒssen. Besuchten sich jedoch MĂ€nner und Frauen gegenseitig bei den Tempelarbeiten, handelte es sich bei diesen Ritualen um gemischte Tempelarbeiten, welche wiederum nicht regulĂ€r wĂ€ren. Im Ernst jetzt? Dem geneigten Beobachter stellt sich hierbei die Frage, warum das gesamte Feld der freimaurerischen Tempelarbeiten nicht einfach komplett fĂŒr MĂ€nner und Frauen freigegeben wird. Warum legt man es nicht ins Ermessen jeder einzelnen Loge, jedes einzelnen Freimaurers, in welcher geschlechtlichen Konstellation die rituellen Arbeiten begangen werden wollen?
Eventuell, weil essentielle Teile des mĂ€nnlichen Freimaurertums noch nicht so weit sind? Denn noch 2013, als ich in den christlichen Freimaurerorden aufgenommen wurde, bekam ich mit, wie ein Ă€lterer Bruder bei einem freimaurerischen Mahl von sich gab, dass das freimaurerische Ritual ein Ritual sei, dass „auf die mĂ€nnliche Seele abgestimmt“ und folglich „nichts fĂŒr Frauen“ sei. Bei keinem der BrĂŒder, die diese Aussage vernommen hatten, regte sich Widerspruch. Erst im Nachhinein begriff ich, wie anmaĂend solch eine Aussage ist. Denn wenn eine Frau aus Ăberzeugung Freimaurerin ist und augenscheinlich vom freimaurerischen Ritus und der freimaurerischen Symbolik berĂŒhrt und inspiriert wird, welcher Mann hat dann das Recht zu behaupten, dass Ritual und Symbolik des Freimaurertums nichts fĂŒr sie sei? Welch Arroganz, Ignoranz und Ăberheblichkeit spricht denn bitte aus solch einer Ansicht?!
Ich will aber nicht verschweigen, dass es sich hierbei nicht um die Mehrheitsmeinung unter den Freimaurer-BrĂŒdern zu handeln scheint. Denn in meinem Logenalltag und meinem Social-Media-Umfeld erlebe ich, dass der Umgang zwischen Freimaurern und Freimaurerinnen von Geschwisterlichkeit, Respekt und gegenseitiger WertschĂ€tzung geprĂ€gt ist. Man befindet sich steten Austausch und besucht sich gegenseitig (wenn auch nicht zu gemeinsamen Tempelarbeiten). Man teilt dieselben Werte und dieselben Tempel. Nichtsdestotrotz bleibt natĂŒrlich der Makel der IrregularitĂ€t an den Freimaurerinnen haften.
EIN PLĂDOYER
Jetzt mag der ein oder andere Freimaurer an dieser Stelle sagen: „Wenn der Hagen Unterwegs sich so fĂŒr die Gleichberechtigung der Frau in freimaurerischen Fragen einsetzt, warum tritt er dann der GroĂen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, sprich dem christlichen Freimaurerorden, bei, der keine Frauen zulĂ€sst?“ TatsĂ€chlich habe ich mich, bevor ich Freimaurer wurde, sehr ausfĂŒhrlich mit dem Freimaurertum und seinen unterschiedlichen Richtungen befasst. Meine Entscheidung fĂŒr den christlichen Freimaurerorden war eine wohl ĂŒberlegte und abgewogene. Und dies liegt in der initiantischen MĂ€nnerarbeit nach Richard Rohr begrĂŒndet, in der ich verwurzelt bin. Dort habe ich die Erfahrung gemacht, dass viel mĂ€nnliches Gockelgehabe und Gepose eher wegfĂ€llt und MĂ€nner ihren Schmerz, ihre Schwachheit, ihre Schattenseiten und ihre Scham eher zulassen und mit Ihresgleichen teilen können, wenn keine Frauen zugegen sind. Daher war fĂŒr mich klar, dass ich einer rein mĂ€nnlichen Loge beitreten möchte. Und bis heute habe ich diese Entscheidung nicht bereut.
Was mir jedoch negativ aufstöĂt, ist die Tatsache, dass die aktuelle freimaurerische Rechtslage meiner GroĂloge gar keine andere Wahl lĂ€sst, als mir zu verbieten, gemeinsam mit Frauen an Tempelarbeiten teilzunehmen. Ich empfinde dies als ĂŒbergriffig und bevormundend. Denn was spricht dagegen, den einzelnen Bruder selbst entscheiden zu lassen, in welcher geschlechtlichen Konstellation er Tempelarbeiten beiwohnen will? Warum wird mir diese Erfahrung verwehrt? Und was mir ebenso negativ aufstöĂt, ist die Tatsache, dass die aktuelle freimaurerische Rechtslage es mit sich bringt, dass es in meiner GroĂloge keine Frauenlogen gibt. Warum enthalten wir den erhabenen, wirkmĂ€chtigen und bis ins letzte Detail durchkomponierten freimaurerischen Ritus des christlichen Freimaurerordens den Frauen komplett vor? Was ginge denn verloren, wenn es in der GroĂen Landesloge der Freimaurer von Deutschland neben reinen MĂ€nnerlogen auch reine Frauenlogen oder gar gemischtgeschlechtliche Logen gĂ€be?
Nur um eines klar zu sagen: Dieser Blogartikel von mir ist kein PlĂ€doyer dafĂŒr, dass meine GroĂloge sich durch die Aufnahme von Frauen in die IrregularitĂ€t begeben soll. Niemandem wĂ€re dadurch geholfen; weder der Sache der Frauen, noch dem christlichen Freimaurerorden selbst. Allerdings bedarf es fĂŒr das Ein- und Aufstehen fĂŒr die RegularitĂ€t von Freimaurerinnen auch nicht die Aufgabe der eigenen RegularitĂ€t.
Und dieser Blogartikel ist auch kein PlĂ€doyer dafĂŒr, die Idee der RegularitĂ€t komplett ĂŒber Bord zu werfen. Auch wenn ich finde, dass der Begriff der freimaurerischen RegularitĂ€t deutlich weiter gefasst werden sollte, als dies aktuell der Fall ist, so ist die Idee der RegularitĂ€t dennoch notwendig, um grob abzustecken, wo die freimaurerische Idee beginnt und wo sie endet. Um mal ein plakatives Beispiel zur Veranschaulichung zu bringen: GĂ€be es einen Rahmen der RegularitĂ€t nicht, was sprĂ€che dann dagegen, Gesellschaften, wie einst die nationalsozialistische „Thule-Gesellschaft“ aus dem Dritten Reich, die vom Aufbau und den rituellen Formen her viele Ăberschneidungen zum Freimaurertum aufwies, auch dem Freimaurertum zuzuschlagen? Ich denke, aus diesem Beispiel wird ersichtlich, dass ein MindestmaĂ an freimaurerischer Abgrenzung durch RegularitĂ€t notwendig ist.
Dass diesem MaĂ an Abgrenzung aktuell allerdings die Frauen zum Opfer fallen, halte ich fĂŒr grundfalsch. Und so sehr ich mir den Kopf auch zerbreche, es will mir einfach keine schlĂŒssige und tragfĂ€hige freimaurerische BegrĂŒndung dafĂŒr einfallen, weshalb Frauen keine regulĂ€ren Freimaurer sollten werden dĂŒrfen.
Daher ist dieser Blogartikel ein PlĂ€doyer dafĂŒr, die Frau endlich aus dem GefĂ€ngnis der IrregularitĂ€t herauszuholen und sie in allen freimaurerischen Belangen und auf allen freimaurerischen Ebenen dem Mann vollumfĂ€nglich gleichzustellen! Beenden wir doch endlich diesen Zustand, der Frauen innerhalb des Freimaurertums unterm Strich viel zu oft zu Geschwistern zweiter Klasse degradiert. FĂŒr mich als Mann ist dieser Zustand beschĂ€mend, aus der Zeit gefallen und bigott. Dabei ist der Schritt dahin, diesen Zustand zu beenden, doch gar kein so groĂer mehr.
