LEONARD Norman COHEN
* 21. September 1934, Montreal –
† 07. November 2016, Los Angeles
(Bild von Wikipedia.de)
Welch eine Ehre! Die Herrin des Wortes und des Bildes, Die Springerin, hat mich für den „Blog Award“ nominiert. Kaum jemand versteht es wie sie, durch die Kombination von Bild und Wort neue Dimensionen in beidem freizulegen. Viele ihrer Beiträge habe ich mit Sternchen überhäuft (sofern ich die Zeit fand, sie zu lesen). Daher war mir diese Nominierung auch eine ganz besondere Ehre!
Ich dachte, die Fragen, die sie mir stellte, so nebenbei beantworten zu können. Aber Pustekuchen! Ihre Fragen gingen dermaßen an die Substanz, dass es alleine schon das Ringen um die Antworten wert war, mich darauf einzulassen. Doch lest selbst. Hier sind ihre Fragen und meine Antworten darauf:
1. BIST DU DA, WO DU SEIN WILLST?
Rückblickend habe ich viele Weichen in meinem Leben so gestellt, dass ich in etwa da ankomme, wo ich jetzt auch bin. Einige Weichenstellung konnte ich mir nicht aussuchen, weil das Leben mich vor vollendete Tatsachen setzte. Und einige Weichenstellungen nahm ich anders vor, als ich es mir vorher je hätte vorstellen können. Doch auch, wenn ich bewusst und gewollt in etwa dort bin, wo ich bin, so reißt diese Frage in mir auch die Frage auf, ob es noch andere Orte gäbe, an denen ich gerne wäre. Und auch dies kann ich bejahen. Daher ist es wahrscheinlich auch eine lebenslange Aufgabe, da voll und ganz sein zu wollen, wo man ist.
2. MACHST DU DAS, WAS DICH AM MEISTEN MIT FREUDE ERFÜLLT?
Manchmal bin ich mir gar sicher, ob ich weiß, was mich am meisten mit Freude erfüllt. Ich machte in jedem Lebensabschnitt das, von dem ich glaubte, dass es mich mit Freude erfüllt. Rückblickend war mancher Irrweg dabei, habe ich so manche Gelegenheit verpasst und hielt vieles nicht, was es vorher versprach. Trotzdem kann ich sagen, zutiefst Freude erlebt zu haben und auch immer noch zu erleben.
3. LEBST UND LIEBST DU, WIE DU ES DIR IN DEINEM HERZEN WÜNSCHT?
Eine der bittersten Lektionen in meinem Leben war bzw. ist es, zu lernen, dass das Leben nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte. Daher ist es eine meiner Lebensaufgaben, die Wünsche, die ich ans Leben habe, mit dem in Einklang zu bringen, was tatsächlich wünschenswert ist. Das umschließt, überhaupt erst einmal achtsam dafür zu werden, was ich mir in meinem Herzen wünsche.
4. WEISST DU, WOHIN DEINE SEELE ZIELT?
Ich glaube, letztendlich zielt meine Seele nach Hause. An den Ort, der eins ist, der still ist, der gegenwärtig ist, der ganz ist und der heil ist. Ergo: Der Ort, der einfach nur „ist“.
5. BIST DU GLÜCKLICH?
Eine Frage, die für mich unheimlich schwer zu beantworten ist. Denn diese Frage zieht so viel mit sich und wirft so viele weitere Fragen auf. Es gibt Momente, in denen ich sie mit einem entschiedenen „Ja“ beantworten kann. Und es gibt Momente, in denen ich mir da nicht so sicher bin. Ich glaube, unterm Strich überwiegt das Glücklich-Sein.
6. WEISST DU, WAS DICH GLÜCKLICH MACHT?
Ich habe einige Dinge kennenlernen dürfen, die mich glücklich machen: Abstrakt würde ich diese Dinge mit „Aufrichtige Begegnung“ und „Erleben von Verbunden-Sein und Eins-Sein“ beschreiben. Konkret zählen meine Frau und meine Tochter; tiefe Freundschaften; meine Familie; das Verweilen in der Natur, in der Stille und im Ritual; „meine“ Musik und gute Literatur; das Erforschen der Geschichte und ein guter Whiskey mit Zigarre dazu.
Soviel zu mir. Ich hoffe, den Fragen einigermaßen gerecht geworden zu sein. Ich wiederum nominiere folgende – wie ich finde, sehr besondere – Blogs für den „Blog Award“:
– Inga Höltmann
– Svens Bericht
– Vom Mensch, Sein und Werden
– Seelengrund
– Krieger des Lichts
– MartHori
– Nitya
Und ich gebe Euch folgende Fragen mit:
1. WARUM HAST DU ANGEFANGEN ZU BLOGGEN?
2. WAS WAR DIE SCHÖNSTE REAKTION, DIE DU WEGEN DEINES BLOGS ERHALTEN HAST?
3. WAS WAR DIE MIESESTE REAKTION, DIE DU WEGEN DEINES BLOGS ERHALTEN HAST?
4. WAS ERFÜLLT DICH INNERLICH (UND WARUM)?
5. WAS HINDERT DICH DARAN ZU LEBEN (UND WARUM)?
6. WAS MACHT DICH WÜTEND (UND WARUM)?
7. WAS MACHT DICH TRAURIG (UND WARUM)?
8. WAS MUSS GESCHEHEN SEIN, DAMIT DU AM ENDE DEINES LEBENS SAGEN KANNST, DASS DEIN LEBEN SINNVOLL GEWESEN IST?
9. WAS IST DEINE LIEBSTE JAHRESZEIT (UND WARUM)?
10. WIE SIEHT DEINE IDEE EINER IDEALEN GESELLSCHAFT AUS?
11. WO VERORTEST DU DICH MUSIKALISCH?
Viel Spaß mit meinen Fragen. Ich freue mich auf Eure Antworten!
Gesegnete Grüße!
Hagen Unterwegs
„Denn da alle Liebenden,
innerlich immer noch Kind,
und da die, die reinen Herzens handeln,
unsere größten Helden sind,
rette ich die Welt
mit Deiner Liebe in mir,
denn ich bin für Dich da,
nein, ich bin wegen Dir hier.
Da Dir die Fähigkeit zu lieben
geblieben ist,
und die Kraft zu vergeben
ein Bestandteil deines Lebens ist,
wurde ich erweckt,
und was tief in mir schlief
führt nun Feder,
und schreibt Dir diesen Liebesbrief.“
(Thomas D,
aus: Liebesbrief)
Da stehe ich. Umgeben von dem Grün des Schilfgrases. Und dem hellen Braun des Sandes. Und Du mit mir. In meinem Arm.
Deine wachen Äuglein blicken aufgeregt in die Ferne. Dorthin, von wo das gleichmäßige Rauschen der Brandung zu uns rüberweht. Dorthin, von wo der Wind den Geschmack des Salzes mit sich führt.
Irgendwo beugen sich ein paar karge Kiefern unter den Windböen. Das Schilfgras raschelt seine ganz eigene Sinfonie dazu. Und die tief dunklen Wolken am Firmament tauchen das gesamte Spektakel in ein gespenstisches Licht.
Für Dich ist das alles hier zum ersten Mal. Still und überwältigt nimmst Du dieses Schauspiel wahr. Jedes kleine Detail scheinst Du in Dich aufzusaugen.
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwas so bewusst wahrgenommen habe, wie Du es gerade tust. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so innehalten konnte, wie Du es gerade tust.
Während meine Augen den Deinen in die Ferne folgen, kann ich ihn mit einem Mal wieder förmlich schmecken: Diesen wohlig milden Geruch, der dem Wind in diesen Gegenden innewohnt.
Und mit jeder Brise, die ich einatme, steigt der Augenblick aus meinen Erinnerungen auf, als ich diesen Geruch zum ersten Mal wahrnahm. Damals. Als ich das allererste Mal in meinem Leben am Meer war. Ich dachte, diesen Moment bereits tief in meinem Vergessen vergraben zu haben.
Und es bewegt mich, diesen ganz besonderen, allerersten Moment in Deinem Leben mit Dir teilen zu dürfen. Hier und jetzt.
Und zugleich schmerzt es mich. Denn es erinnert mich daran, wie lange mein allererster Moment mittlerweile schon zurückliegt. Und wie viele allererste Momente es seither gab, die mir wie Sand durch die Finger rannen. Es gab keine Möglichkeit, auch nur einen von ihnen festzuhalten.
Wenn wir uns gleich auf den Weg zurück zu unserem Ferienhäuschen machen, wird dieser allererste Moment von Dir unwiederbringlich sterben. Später wirst Du Dich nicht einmal mehr an ihn erinnern können.
Doch ich werde diesen Augenblick für Dich bewahren. Irgendwo tief in meiner Erinnerung. Gut verwahrt.
Als sie die Islamisten holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Islamist.
Als sie Occupy holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja keiner von Occupy.
Als sie die Homosexuellen holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja nicht homosexuell.
Als sie die Freimaurer holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Freimaurer.
Als sie die Christen holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Christ.
Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.
gez. ein Demokrat
(frei nach Martin Niemöller)
In einer Zeit, als eine fast schon vergessen geglaubte Kälte sich in die Morgenstunden schlich … als die Sonne in den Abendstunden die wundervollsten Gemälde an den Himmel zu malen begann … als die Tage langsam kürzer wurden …
… Da fingen sie wieder an, ihre Netze zu weben. Die Spinnen, die das Kreuz tragen. Diese lautlosen Weberinnen aus dem Verborgenen. Sie spannten ihre Netze auf zwischen den Zeiten. Und dort verharrten sie. Um am Abend die letzten warmen Sonnenstrahlen einzusammeln. Und am Morgen die ersten kühlen Tropfen des Raureifs.
Wie stumme Herolde verkünden sie seither unermüdlich: Ein Jegliches hat seine Zeit gehabt! Die Zeit des Aussäens. Die Zeit des Wachsens. Die Zeit des Reifens.
Und es war der Sommer, der sein Übriges dazugetan hatte. Er hatte mit seinem Leben und seinem Überfluss verwöhnt. Seine Sonnenstrahlen waren kraftvoll und warm gewesen. Seine Regenschauer mild und ausgiebig. Was ausgesät war, wuchs. Was gewachsen war, reifte. Was gereift war, brachte Frucht.
Doch jetzt verkünden die Spinnen, die das Kreuz tragen, dass die Zeit der Ernte anbricht. Während die Kraft des Sommers allmählich schwindet, gilt es, seinen Ertrag einzufahren.
Und voller Dank im Herzen auf eine reichhaltige Ernte zu blicken. Dankbarkeit. Für das, was zurückliegt. Für das, was die Zeit gebar. Und Hoffnung. Für das, was vor uns liegt. Für das, was da kommen mag.
Denn die Spinnen, die das Kreuz tragen, weisen auch weit über sich selbst hinaus. Auf eine Zeit, in der die Felder brachliegen werden. In der nicht mehr gesät und nicht mehr geerntet werden wird. In der uns nur das nähren wird, was wir irgendwann einmal geerntet haben. Eine Zeit, in der auch sie nicht mehr sein werden: Die Spinnen, die das Kreuz tragen…
„Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.“
(Joseph von Eichendorff,
aus: Wünschelruthe)