Warum eigentlich?

Am 11.04.2017 veröffentlichte ich meinen Beitrag „Geschockt.“ Meine Betroffenheit ĂŒber den widerwĂ€rtigen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verlangte, in Buchstaben gefasst zu werden. Ebenso die RĂŒhrung, die die Reaktion der Dortmunder Fans in mir auslöste. Und nur zu bereitwillig sprang ich auf den Zug mit auf, dass islamistische Terroristen hinter dem Anschlag stecken wĂŒrden.

Doch mit jeder Stunde, die diese Tat weiter zurĂŒcklag und mit jedem weiteren Detail, das ans Tageslicht kam, offenbarte nicht islamistischer Extremismus seine hĂ€ssliche Fratze, sondern ein alter Bekannter, dessen hĂ€ssliche Fratze unsere westliche Welt sich seit Jahrhunderten schönlĂŒgt: Kapitalismus.

Nur 22 Stunden nach dem Anschlag auf ihr Leben mussten die Dortmunder Spieler wieder auf dem Platz stehen. Traumatisierte Terroropfer! Nur um Haaresbreite einem Anschlag auf ihr eigenes Leben entkommen! Anonyme Herren der UEFA, fernab vom Geschehen und von jeglicher Empathie, hatten es so entschieden. Der Rubel musste schließlich weiter rollen. Spieler und Trainer wurden maximal unpersönlich davon in Kenntnis gesetzt. NĂ€mlich per SMS.

Im Kern hatte die UEFA einfach nur abzuwĂ€gen gehabt, was schwerer wiegt: Die körperliche und psychische Unversehrtheit von Menschen oder dass der Geldfluss nicht ins Stocken gerĂ€t. Die Entscheidung der UEFA war unzweideutig und unmittelbar. Und so wurden die Gladiatoren wieder in die Arena geschickt. Die ganze Welt durfte dabei zusehen. Die Spieler des BVB hatten zu funktionieren und Ertrag zu bringen. Die Dortmunder Ultras haben wahrscheinlich maßlos untertrieben, als sie die UEFA als „Haufen gieriger alter Bastarde“ titulierten.

Es ging mir unter die Haut nach dem Spiel die Interviews der Dortmunder Spieler zu sehen. Reihenweise brachen sie vor den Mikrofonen emotional zusammen. Da war er wieder; dieser Kloß in meinem Hals. Doch diesmal nicht aus RĂŒhrung. Diesmal aus Betroffenheit und Wut. Die Spieler sprachen davon, „wie Tiere behandelt“ worden zu sein. Eine Mischung aus bleierner Ohnmacht, Zorn und abgrundtiefem Schmerz lag in diesen Worten. Förmlich greifbar. Sie hĂ€tten gerne mehr Zeit gehabt. Zeit zu verstehen. Zeit zu verarbeiten.

Der Dortmunder Trainer, Thomas Tuchel, sprach in den folgenden Stunden und Tagen bemerkenswert offen darĂŒber, wie es ihm und wie es der Mannschaft seit dem Anschlag ergangen war. Er wĂ€hlte bedachte und dennoch anschauliche und sehr klare Worte. Und mit jedem Wort wurden aus einfach nur weiteren Opfern eines Terroraktes persönliche Schicksale, die mir an die Nieren gingen.

Klar, die schwarz-gelben Krieger haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und verdienen gutes Geld damit. Sie fĂŒhren ein privilegiertes Leben. Doch dieser Anschlag erinnerte uns alle – und vor allem wohl die Spieler selbst – daran, dass sie doch nur Menschen sind. Verletzlich. Sterblich. So banal das auch klingt. Doch die UEFA fĂ€llte in diesen Stunden eine Entscheidung, die nicht den Menschen als wertvollstes Gut des Fußballs in den Mittelpunkt stellte, sondern den fiskalischen Mehrwert, der sich aus diesem Menschen herauspressen lĂ€sst.

Die Kriminalisten dieses Landes leisteten die mittlerweile schon gewohnt grundsolide und erfolgreiche Arbeit: Nur neun Tage nach der Tat war der TĂ€ter ermittelt und festgenommen. Schon die erste Pressekonferenz von Staatsanwalt und Polizei veranschaulichte, wie umfangreich und komplex die Ermittlungen gewesen sein mĂŒssen. Und wie zielstrebig und professionell diese gefĂŒhrt worden sind.

Doch was die Ermittler zu der Motivlage des TĂ€ters bekanntgaben, schockte mich: Aus Habgier hat der TĂ€ter gehandelt. Das alles war nicht mehr als ein schlechtes AktiengeschĂ€ft. Mindestens eine hohe sechsstellige Summe wollte der TĂ€ter damit verdienen, dass der Kurs der BVB-Aktie einbricht. Und wie sollte solch ein Kurseinbruch besser herbeigefĂŒhrt werden, als durch den Tod möglichst vieler Spieler des BVB. Also wurde alles minutiös geplant. Und letztendlich war es reines GlĂŒck, dass niemand ums Leben gekommen ist. Ein paar Sekunden und ein paar Zentimeter gaben den Ausschlag. Je mehr ich das realisierte, desto unfassbarer wurde es.

Innerhalb von 22 Stunden wurde zweimal die Frage aufgeworfen, was höher wiegt: Das Leben eines Menschen oder finanzieller Gewinn? Unser Wertesystem gibt eine klare Antwort auf diese Frage: „Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar.“ Punkt. So leitet es sich aus der Allgemeinen ErklĂ€rung der Menschenrechte ab. Und so steht es am Anfang unseres Grundgesetzes. Keine Geldsumme der Welt wiegt das auf. Doch dieses Wertesystem hat es zunehmend schwerer, sich seiner Haut zu erwehren gegen ein aggressives Wirtschaftssystem, in dem ein Menschenleben nur dem monetĂ€ren Gegenwert entspricht, den es abwirft. In letzter Konsequenz stellt die Idee der MenschenwĂŒrde mit den sich daraus ableitenden Menschenrechten in einem kapitalistischen System nur ein lĂ€stiges Hindernis dar, wenn es darum geht, Profit zu machen.

NatĂŒrlich ist es zu einfach, mit dem Finger auf ein abstraktes Wirtschaftssystem zu zeigen. Denn jedes System – auch das kapitalistische – ist nur so stark, wie der einzelne Mensch, der daran partizipiert, es stark macht. Die Verantwortung fĂŒr den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus trĂ€gt eine einzelne Person. Die Verantwortung dafĂŒr, das Fußballspiel fĂŒr den folgenden Abend anzusetzen, mehrere einzelne Personen. Kein abstraktes Wirtschaftssystem. Nichtsdestotrotz prĂ€gen die Mechanismen und Logiken des Kapitalismus natĂŒrlich unser Denken und unser Handeln. Und so sinkt und fĂ€llt schließlich die Hemmschwelle, fiskalischen Gewinn höher einzustufen als menschliches Leben.

Warum eigentlich fĂ€llt es uns so schwer, solch ein menschenverachtendes Wirtschaftssystem in Frage zu stellen? Die Antwort auf diese Frage vergaß ich fĂŒr einen kurzen Moment, als ich die TrĂ€nen der Dortmunder Spieler auf dem Bildschirm sah…

Geschockt.

SprengsĂ€tze explodierten. GefĂŒllt mit Metallsplittern. Direkt neben dem Bus. Dem Bus voller „Wahrer Liebe“ und „Schwarz-Gelber-Leidenschaft“. Glas zerbarst. Knochen splitterten. Danach: Blut. Blaulicht. Betroffene Gesichter. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten. Traumatisierte Opfer. Wie so oft in den letzten Wochen, Monaten und Jahren. Trotzige Statements der SolidaritĂ€t. Aufgeregt hingehaltene Mikrofone. Und die allgegenwĂ€rtige Frage nach dem „Warum“.

Es war Ende der 80er Jahre, als die Schwarz-Gelben von Borussia Dortmund anfingen, sich in mein Herz zu spielen. Und seither erlebten wir gemeinsam Momente unendlicher Freude und Momente abgrundtiefer Trauer. FlĂŒchtige Momente zugegebenermaßen. Aber Momente, die mein Herz fest an diesen Verein gekettet haben. Ketten, denen ich mich nur zu gerne ergebe.

Umso mehr traf es mich, als ich die Bilder dieses feigen Angriffs auf den Spielerbus von Borussia Dortmund ĂŒber die Bildschirme flimmern sah. Meine Helden, die Spieltag fĂŒr Spieltag auf dem Feld der Ehre den immer gleichen Kampf aufs neue Annehmen, das Ziel irgendwelcher Terroristen. „Traurig.“, „Geschockt.“ – Mehr brachte ich gestern Abend ĂŒber Twitter nicht raus. Die Begegnung zwischen meinem BVB und dem AS Monaco wurde zunĂ€chst abgesagt und schließlich auf den Folgetag verschoben. Und als ich heute morgen auf den Titelseiten der Tageszeitungen die Bilder des beschĂ€digten Mannschaftsbusses sah, riss es mir tiefe Furchen ins Herz.

Ich gebe zu, dass mich die Nachrichten von irgendwelchen Terrorakten zunehmend weniger berĂŒhrt hatten. Es war, als stumpfe mit jedem Anschlag etwas in mir weiter ab. Ich erinnere mich noch allzu gut an die Trauer, die Ohnmacht und die Wut nach „Charlie Hebdo“ oder nach den AnschlĂ€gen in Paris, als unsere Fußballnationalmannschaft dort ein Freundschaftsspiel gegen Frankreich absolvierte. Den jĂŒngsten Anschlag in Schweden hingegen nahm nur noch resigniert und eher nebenbei zur Kenntnis.

Und dann ist da ja auch noch die Sache mit der Saat und der Ernte. Nichts, rein gar nichts rechtfertigt solch abscheuliche Gewalt, wie sie islamistische Extremisten mittlerweile seit vielen Jahren ĂŒber Europa bringen. Und doch erntet die westliche Welt mit diesem Terrorismus lediglich das, was sie in Jahrhunderten des Kolonialismus, des Imperialismus und des Kapitalismus selbst ausgesĂ€t hat.

Vielleicht haben die Menschen Recht, die behaupten, dass wir in dunklen Zeiten leben. Denn es gibt keine Bewegung ohne Gegenbewegung. Und mit jedem mordenden Islamisten erstarken die Rechten. Schon sind rechte Parolen wieder salonfĂ€hig. Schon ziehen die Rechten wieder in die Parlamente ein. Schon marschieren die Rechten wieder auf unseren Straßen. Der rechte Kampf um die Köpfe, die Straßen und die Parlamente wirkt plötzlich gar nicht mehr so ausweglos. Unsere Gesellschaft fĂ€llt zurĂŒck … in stumpfe Auge-um-Auge-Reflexe. Und genau dies ist das GefĂ€hrlichste, was der Terrorismus mit sich fĂŒhrt.

Und doch bin ich immer wieder aufs Neue ĂŒberrascht, was fĂŒr kraftvolle Reaktionen solch abscheuliche und widerwĂ€rtige Taten hervorrufen können. Nach „Charlie Hebdo“ sah ich das erste Mal, dass europĂ€ische Moslems ganz vorne mitmarschierten – gegen islamistischen Terrorismus und fĂŒr Toleranz! Welch großartiges Zeichen der SolidaritĂ€t! Auch, wenn es lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig gewesen war.

Und gestern, kurz nach dem Anschlag, tauchte auf Twitter der Hashtag „#BedForAwayFans“ auf. Fans von Borussia Dortmund luden Fans des AS Monaco, die Aufgrund der Spielverlegung eine Nacht ohne Obdach gewesen wĂ€ren, ein, bei ihnen zu ĂŒbernachten. Bilder von Dortmund- und Monaco-Fans, die gemeinsam essen, trinken oder die Schals der jeweils anderen Mannschaft schwingen, wurden auf Twitter geteilt und geliked. Deutsche und Franzosen, Christen und Moslems. Was fĂŒr eine zĂ€rtliche Geste! „Das ist Fußball!“, twitterte der AS Monaco auf Deutsch. „You’ll never walk alone!“, war an diesem Abend nicht nur eine biergeschwĂ€ngerte Fanhymne … sondern RealitĂ€t.

Als ich das alles mitbekam, musste ich schlucken. Ich spĂŒrte diesen ĂŒbergroßen Kloß in meinem Hals und kĂ€mpfte mit der einen oder anderen TrĂ€ne. GefĂŒhlte Ewigkeiten standen mir diese Bilder vor Augen. Etwas so wundervolles habe ich im Fußball noch nie erleben dĂŒrfen.

Irgendwo in der Bibel las ich mal den sinngemĂ€ĂŸen Satz: „Wo die Finsternis mĂ€chtig ist, ist das Licht umso mĂ€chtiger.“ Ich glaube, dass das stimmt…

Freimaurertum benötigt SpiritualitĂ€t und Gottesbezug

FREIMAURERTUM UND GOTT - EIN VORWORT (ZU TEIL 3/3):

Keine Frage ist so geeignet, heftigste Diskurse innerhalb des Freimaurertums auszulösen, wie die Frage nach Gott. Vereinfacht und ĂŒberspitzt reichen die Positionen von "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man an einen wie auch immer gearteten Gott glaubt" bis hin zu "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man nicht an einen Gott glaubt".

FĂŒr die Leser meines Blogs ist es nicht schwer, mich innerhalb dieser Diskussion zu verorten: FĂŒr mich bedingt der Weg eines Freimaurers die Vorstellung eines Gottes; wenn auch nicht im dogmatischen Sinne. Diese Position hat ihre Berechtigung, ist aber nicht die einzig mögliche.

In zwei Blogartikeln hatte ich die Gelegenheit geben, auch die Positionen zu Wort kommen zu lassen, die sich nicht mit meiner Position decken oder dieser sogar kontrĂ€r gegenĂŒberstehen. HierfĂŒr hatte ich die Freimaurer und Blogger Rene Schon und JĂŒrgen Scheffler gewinnen können. Beide gehen den Weg des Freimaurers als bekennende Atheisten.

Ich bin fest davon ĂŒberzeugt, dass die Frage nach Gott nicht nur geeignet ist, Kontroversen innerhalb des Freimaurertums auszulösen, sondern auch aufzuzeigen, welche Vielfalt innerhalb des Freimaurertums möglich ist. Wenn der Leser nach den beiden Artikel von Rene Schon und JĂŒrgen Scheffler meinen Artikel zum Thema gelesen haben wird, wird er eine Vorstellung davon haben, ĂŒber welche Bandbreite das Freimaurertum verfĂŒgt…

Doch genug der Worte. Vorhang auf fĂŒr den letzten Teil; meinen eigenen Beitrag…

FREIMAURERTUM BENÖTIGT SPIRITUALITÄT UND GOTTESBEZUG

FĂŒr mich ist ein Freimaurertum ohne Gottesbezug schlichtweg nicht vorstellbar. Mein Eindruck ist, dass sich das freimaurerische Ritual und die freimaurerische Symbolik nur dann in ihrer ganzen Tiefe entfalten können, wenn man sich auch auf die esoterisch-spirituelle Dimensionen einlĂ€sst, die diesen innewohnt.

WENN ICH VON GOTT SPRECHE

Doch bevor ich mich aufmache, diese These zu belegen, sollte ich zunĂ€chst einmal umreißen, wovon ich ĂŒberhaupt ausgehe, wenn ich diesen mĂ€chtigen und absolut missverstĂ€ndlichen Begriff „Gott“ gebrauche. Oder besser: Wovon ich eben nicht ausgehe.

Meines Erachtens ist Gott zu groß und zu umfassend, als dass ich ihn auch nur ansatzweise erkennen oder gar begreifen könnte. Ich glaube, Gott hat den Menschen der unterschiedlichen Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Aspekte von sich offenbart. Die monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – beispielsweise stellen Gott als personales GegenĂŒber in den Mittelpunkt. Ein Gott, der einen Willen hat, mit dem man kommunizieren kann und mit dem man eine Beziehung fĂŒhren kann. Die unterschiedlichen Naturvölker betonen Gott als in der Natur offenbart. Die Mystiker der verschiedenen Religionen erleben Gott eher als Seins-Form, die alles durchzieht und umspannt und gleichzeitig im Inneren eines jeden Einzelnen existiert. Die spirituelle Lehre der Kabbalah bezeichnet Gott unter anderem als Urlicht. Hier trĂ€gt jeder Mensch einen Funken dieses Lichtes – den göttlichen Funken – in sich. In buddhistisch geprĂ€gten Vorstellungen ist Gott vielleicht am ehesten mit einer Art Energie vergleichbar. Wahrscheinlich gibt es so viele Gottesvorstellungen wie es Menschen gibt. Und jede dieser Gottesvorstellungen ist wahr. Aber keine dieser Vorstellungen ist absolut. Setzt man sie wie einzelne Puzzleteile aneinander, kann man eine Ahnung davon bekommen, wie Gott sein könnte.

Das Geschriebene verdeutlicht, dass es sich mir verbietet, ĂŒber Gott dogmatisch theologische Aussagen zu treffen. Jede dogmatische Festlegung limitiert Gott. Wenn ich im Folgenden von Gott spreche, rede ich niemals von theologisch absoluten GlaubenssĂ€tzen. Ich bin mir bewusst, dass alles, was ich von Gott erkenne, niemals abschließend sein kann. Und ich bin mir bewusst, dass es ganz sicher andere Menschen gibt, die Facetten ĂŒber Gott erkannt haben, die ich vielleicht noch nicht einmal erahne. Daher ist es eine meiner Lebensaufgaben, offen dafĂŒr zu bleiben, dass Gott sich jeder Zeit auf eine Art und Weise offenbaren kann, die ich niemals fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte.

Das vorausgesetzt, will mich an die Frage heranwagen, warum das Freimaurertum meines Erachtens immer auch eine spirituelle Dimension hat und daher einen Gottesbezug benötigt. HierfĂŒr beginne ich mit einem kurzen Blick in die Geschichte des Freimaurertums.

VORLÄUFER DES HEUTIGEN FREIMAURERTUMS

Unumstritten ist, dass sich das Freimaurertum – wie wir es heute kennen – aus den Steinmetzbruderschaften der BauhĂŒtten des Mittelalters herleitet und bei beidem einen Großteil seiner Bilder und Symbole entlehnt. Das gilt insbesondere fĂŒr die ersten drei Grade der Johannisloge.

Die VorlĂ€ufer der BauhĂŒtten wiederum sind im Mönchstum der Epoche der Romanik zu suchen. Hier ist insbesondere der Benediktinerorden zu nennen. Diese begangen bereits in der Vorromanik damit, die eigenen Klosteranlagen – insbesondere die klösterlichen Sakralbauten – zu erbauen. In der Romanik entwickelten sich diese „bauenden“ Mönche zu „reisenden“ Mönchen. Sie reisten von Klosterbaustelle zu Klosterbaustelle, um Klosterkirchen zu errichten. Unklar ist heute lediglich, ob die Mönche selber mit Hand anlegten oder ob sie die BautĂ€tigkeiten koordinierten und ĂŒberwachten. Aus diesen reisenden Mönchen wiederum gingen die BauhĂŒtten und Steinmetzbruderschaften hervor, die im Mittelalter die gotischen Sakralbauten erschufen. Diese existierten und wirkten mit zunehmender Dauer organisatorisch unabhĂ€ngig von den Mönchsorden.

Dies zeigt, dass das mittelalterliche Bauhandwerk tief verwurzelt war in der monastischen SpiritualitĂ€t des Christentums. Es wĂ€re eine kĂŒnstliche Trennung, davon auszugehen, dass diese BautĂ€tigkeiten keinen spirituellen Bezug bzw. keine spirituelle Ausrichtung gehabt hĂ€tten. Da Ă€ndert auch die Feststellung, dass die mittelalterlichen Bauleute ganz gewiss nicht nur sakrale GebĂ€ude, sondern auch profan genutzte GebĂ€ude errichtet haben, nichts dran.

ENTWICKLUNG ZUM HEUTIGEN FREIMAURERTUM

Am Johannistag des Jahres 1717 schließlich wurde in England die erste Großloge gegrĂŒndet. Bis heute gilt dieser Tag als offizielles GrĂŒndungsdatum des noch heute existierenden Freimaurertums. Interessant hierbei ist, dass sich diese Großloge grĂŒndete, indem sich vier bereits existierende Logen zusammenschlossen. Daraus folgt, das bereits vor der offiziellen GrĂŒndung des Freimaurertums Freimaurerlogen existiert haben mĂŒssen.

Der Übergang von den praktisch bauenden Steinmetzbruderschaften des Mittelalters zum heutigen Freimaurertum ist von der offiziellen Geschichtsschreibung allerdings nur schwer nachzuzeichnen. Als sicher gilt, dass es einen, mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess gab, in dessen Verlauf – aus unterschiedlichen GrĂŒnden – zunehmend Mitglieder in die Steinmetzbruderschaften aufgenommen wurden, die beruflich nicht dem praktizierenden Bauhandwerk entstammten.

Dies brachte zwei Entwicklungen mit sich: Zum einen Ă€nderte sich die Struktur der Mitglieder. Zum anderen wandelte sich die TĂ€tigkeit des Ă€ußeren Erschaffens eines Bauwerkes hin zu einem im Inneren des Menschen stattfindenden Vorgang. Aus den praktisch bauenden Steinmetzbruderschaften wurde das heutige, sogenannte „spekulative“ Freimaurertum.

FREIMAURERISCHES RINGEN

Dieser nicht klar umreißbare Geburtsprozess des spekulativen Freimaurertums fiel mit den Epochen der Renaissance und der AufklĂ€rung in eine Ă€ußerst spannende und von gegensĂ€tzlichen Strömungen geprĂ€gte Zeit. Grob vereinfacht stand das rational geprĂ€gte Postulat der Vernunft mit der Idee, dass der Mensch sich durch den Gebrauch des eigenen Verstandes aus seiner selbst verschuldeten UnmĂŒndigkeit zu befreien habe, auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite schossen die unterschiedlichsten mehr oder weniger geheimen Verbindungen, Gesellschaften und BĂŒnde, die sich um mehr oder weniger okkultes, esoterisches, spiritistisches oder mystisches Geheimwissen rankten, wie Pilze aus dem Boden.

Diese widerstreitenden gesellschaftlichen Strömungen fanden natĂŒrlich auch Eingang ins Freimaurertum. So wurden Freimauerlogen auf der einen Seite zu Orten der freien MeinungsĂ€ußerung, wo im geschĂŒtzten Rahmen die revolutionĂ€ren Ideen der AufklĂ€rung diskutiert werden konnten. Gleichzeitig aber wurden Freimaurerlogen zu Orten, an denen Symbol und Ritual ein mystisches Erleben ermöglichten. Das gesellschaftliche Ringen zwischen Ratio und Intuition war in den Logen wie unter dem Brennglas zu erleben.

Leider war nicht immer der Wille und die Kraft vorhanden, dieses Spannungsfeld auszuhalten. Und so ringt das Freimaurertum seit seiner GrĂŒndung darum, was denn nun das rechtmĂ€ĂŸige – sprich: „regulĂ€re“ – Freimaurertum ausmacht und was nicht. Überspitzt und stark vereinfacht findet dieses freimaurerische Ringen zwischen den beiden folgenden Polen statt:

Den ersten Pol wĂŒrde ich am ehesten als „humanistisches Freimaurertum“ umschreiben. FĂŒr diesen sind die drei ersten Grade der Johannismaurerei relevant. In diesen Graden erfolgt die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit „der Welt da draußen“ und im dritten Grad schließlich die Konfrontation mit dem eigenen Tod. Dieser freimaurerische Weg ist beinahe ausschließlich auf das Diesseits ausgerichtet und eher rational geprĂ€gt. Er dreht sich vor allem um die Frage eines ethisch-moralischen Lebenswandels.

Den anderen Pool wĂŒrde ich am ehesten als „esoterisch-spirituelles Freimaurertum“ umschreiben. Dieser baut auf den beschriebenen drei Johannisgraden in Form von unterschiedlichen weiterfĂŒhrenden Graden auf. Hier werden die Inhalte der ersten drei Grade aufgenommen, vertieft und um ihre esoterisch-spirituelle Dimensionen erweitert. Neben der Frage eines ethisch-moralischen Lebenswandels wird Freimaurertum hier auch als esoterisch-spiritueller Erkenntnisweg verstanden.

Wo zwischen diesen beiden Polen man sich verortet, kann ein jeder Freimaurer nur fĂŒr sich selbst entscheiden. Und ich habe fĂŒr beide dieser gegensĂ€tzlichsten Positionen nachvollziehbare und gut begrĂŒndete AusfĂŒhrungen lesen dĂŒrfen. Mein Eindruck ist, dass jeder Freimaurer der Argumentationslinie folgt, in der er sich am ehesten wiederfindet und die er am ehesten nachvollziehen kann.

DER CHRISTLICHE FREIMAURERORDEN

Die beschriebenen Entwicklungen fĂŒhrten dazu, dass es heute in Deutschland drei eigenstĂ€ndige und ganz unterschiedliche deutsche Großlogen gibt: Die „Großloge der Alten Freien und Angenommenen Freimaurer von Deutschland“ (AFuAM), „Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ (Freimaurerorden) sowie die „Große National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln“ (3WK). Diese finden sich neben weiteren Logen unter dem Dach der „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ zusammen.

Besonders erwĂ€hnen möchte ich hiervon die AFuAM. Denn diese ist von der Mitgliederzahl her die mit Abstand grĂ¶ĂŸte der Großlogen. Die AfuaM bearbeitet ausschließlich ersten drei Grade der Johannisloge und ist vor allem humanistisch geprĂ€gt.

Ich selbst gehöre der zweitgrĂ¶ĂŸten Großloge, dem Freimaurerorden, an. Dieser ist explizit christlich ausgerichtet. Jesus Christus, wie ihn die Bibel ĂŒberliefert, wird hier als Obermeister angesehen. Er verkörpert das Ideal fĂŒr jeden Ordensbruder. Dies gilt sowohl fĂŒr den spirituellen Weg, den er gegangen ist; als auch fĂŒr sein ethisch-moralisches Handeln. Weiter ist das gesamte Ritual auf Gott (wie jeder einzelne ihn fĂŒr sich auch verstehen mag) ausgerichtet. Der Weg des Ordensfreimaurers erstreckt sich ĂŒber 10 Grade.

Wenn ich im Weiteren auf den Inhalt des freimaurerischen Rituals und die Ausrichtung des freimaurerischen Weges eingehe, dann ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass ich hierbei von dem ausgehe, was mir im Christlichen Freimaurerorden begegnet. FĂŒr die anderen Richtungen kann ich nicht sprechen, weil ich dort nicht in der Tiefe drinstecke. Weiter muss berĂŒcksichtigt werden, dass ich aus der Sicht eines Freimaurers schreibe, der den 3. Grad – nĂ€mlich den des Johannismeisters – inne hat.

EINWEIHUNG UND RÜCKVERBINDUNG

Steigt man tiefer in das freimaurerische Ritual ein, merkt man schnell, dass es sich hierbei um einen althergebrachten Initiationsritus handelt. Versucht man diesen zu seinen UrsprĂŒngen zurĂŒck zu verfolgen, so entdeckt man zunĂ€chst markante Parallelen zu den Initiationsriten der MysterienbĂŒnde des Altertums. Einzelne Elemente des freimaurerischen Initiationsritus sind aber noch wesentlich Ă€lter. Sie finden sich bereits bei den archaischen Initiationsriten der Urvölker.

Ebendiese archaischen Initiationsriten hat der Franziskaner-Pater Richard Rohr Zeit seines Lebens studiert. Und hierbei machte er ganz interessante Entdeckungen: UnabhĂ€ngig davon, in welcher Kultur der jeweilige Initiationsritus durchgefĂŒhrt wurde, verfĂŒgte er ĂŒber dieselben zentralen Wesensmerkmale: So galt es zunĂ€chst das egodominierte Falsche Selbst des Initianten zu erschĂŒttern und sterben zu lassen. Dieses Sterben der alten Natur des Initianten wurde in dramatischer und kraftvoller Weise vollzogen. Auf den grausamen Tod erfolgte schließlich die machtvolle Auferstehung. Im Idealfall war durch dieses Ritual ein neuer Mensch geboren. Ein Mensch, der eingeweiht war in das „Große Mysterium des Lebens“; dadurch, dass er zurĂŒckverbunden worden war in die (spirituellen) KreislĂ€ufe und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten der Schöpfung. Ein Mensch, der in BerĂŒhrung gekommen war mit seinem Wahren Selbst.

Dies zeigt, dass Initiationsriten immer ĂŒber den kleinen menschlichen Ego-Horizont hinausweisen. Auf das „absolut Gute“. Auf das, was grĂ¶ĂŸer und umfassender ist, als es die egomane Natur des Menschen je sein könnte. Und in diesem „Großen Ganzen“ offenbart sich das, was der Mensch seit jeher „Gott“ nennt. Daher verweist ein Initiationsritus im Idealfall in letzter Konsequenz immer auch auf Gott. TĂ€te er dies nicht, bliebe das launenhafte und selbstfixierte Ego des Menschen die einzige Richtschnur und der einzige Bezugspunkt im Ritual.

Die Idee, dass eine „Einweihung“ notwendig ist, um den Menschen „zurĂŒck zu verbinden“, impliziert, dass es mal einen Zustand gegeben haben muss, in dem der Mensch „verbunden“ war. Ein Zustand der UrsprĂŒnglichkeit, in dem der Mensch „eins“ war mit dem „Großen Mysterium“. Dieser Zustand ist verlorengegangen. Aus diesem Zustand ist der Mensch herausgefallen. Mythen wie die der Vertreibung aus dem Paradies im Alten Testament der Bibel erzĂ€hlen uns davon. Initiation setzt im positivsten Falle genau an diesem Punkt an. Sie setzt den „Guten Anfang“, damit der Mensch sich auf den Weg machen kann. Auf seinen Weg nach hause. Auf seinen Weg zurĂŒck zur Vereinigung mit seinem Ursprung.

Und genau dieses Wissen hat der Christliche Freimaurerorden meines Erachtens bewahrt. Das Ziel des Weges des Ordensfreimaurers ist die Vereinigung mit seinem Ursprung. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch sĂ€mtliche Grade, Symbole und Rituale. Und das, was ich als „Großes Mysterium“ und als „spirituelle KreislĂ€ufe und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten der Schöpfung“ beschreibe, wird im Freimaurerorden als „Göttliche Ordnung“ bezeichnet. An entscheidender Stelle ergeht im Ritual die Aufforderung an den Ordensfreimaurer, Gott die Ehre zu geben und sich in die göttliche Ordnung stellen. Es wird unmissverstĂ€ndlich klarstellt, dass es nicht das menschliche Ego ist, das hier im Mittelpunkt steht. Das Ritual des Freimaurerordens weist somit weit ĂŒber das egodominierte Falsche Selbst des Menschen hinaus. In letzter Konsequenz weist es auf Gott. Auf Gott, den Ursprung allen Seins.

DIE ALTEN PFLICHTEN

Die Wurzeln des Freimaurertums sind folglich im Spirituellen zu suchen. Ein wie auch immer gearteter Gottesbezug war immer gegeben. SpĂ€testens jedoch im spekulativen Freimaurertum ging dieses spirituelle Erbe eine Symbiose mit den Ideen der AufklĂ€rung und des Humanismus ein. Zwei so gegensĂ€tzliche Richtungen in sich zu vereinen, ist jedoch nur dann möglich, wenn ein Weg gefunden wird, keine der beiden dogmatisch oder absolut zu verstehen. Das gilt fĂŒr die spirituelle Seite genauso wie fĂŒr die humanistische.

Einen wegweisenden und nachhaltig prĂ€genden Ansatz, wie dies funktionieren könnte, verfasste der Reverend und Prediger an der Kirche der schottischen Presbyterianer in London, James Anderson, im Jahre 1723 in den sogenannten „Alten Pflichten“. Hierbei handelt es sich um „die erste gedruckte und veröffentlichte Sammlung von Gesetzen und Konstitutionen (Regeln) der Freimaurer“. Im Abschnitt „Von Gott und der Religion“ schreibt er dort etwas nieder, was noch heute tief in der DNA eines jeden Freimaurers verankert ist, dem ich bisher begegnet bin:

„Der Maurer ist als Maurer verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen; und wenn er die Kunst recht versteht, wird er weder ein engstirniger Gottesleugner, noch ein bindungsloser Freigeist sein. In alten Zeiten waren die Maurer in jedem Land zwar verpflichtet, der Religion anzugehören, die in ihrem Lande oder Volke galt, heute jedoch hĂ€lt man es fĂŒr ratsamer, sie nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen Übereinstimmen, und jedem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen.“

Besonders bemerkenswert finde ich hierbei die Idee der „Religion, in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen“. Es ist augenscheinlich, dass hiermit keine dogmatisch verstandene Religion gemeint sein kann. Denn wenn es um dogmatische GlaubenssĂ€tze und theologische LehrgebĂ€ude geht, dann stimmen die Menschen nicht ĂŒberein. Das sehen wir tagtĂ€glich um uns herum. Und das seit Menschengedenken. Unterschiedliche Religionen, sprechen sich gegenseitig die RechtglĂ€ubigkeit ab. Und innerhalb dieser Religionen wiederum sprechen sich unterschiedliche Richtungen gegenseitig die RechtglĂ€ubigkeit ab. Und im Zweifel wird dies gewaltsam ausgetragen. Wahrscheinlich wurde in der Geschichte der Menschheit wegen keinen Anschauungen so viel Blut vergossen, wie wegen der religiösen. Nein, wenn von der „Religion, in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen“ gesprochen wird, kann keine wie auch immer geartete dogmatische Theologie gemeint sein.

EIN MYSTISCHER GOTTESBEGRIFF

Mich erinnert die Idee der „Religion, in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen“ an ein GottesverstĂ€ndnis, wie man es oft bei den Mystikern der verschiedenen Religionen vorfindet. Denn in der Mystik wird Gott eher als ein universelles Sein verstanden, das die Schöpfung vollstĂ€ndig durchdringt. Und da jeder Mensch den Zugang zu diesem „Sein“ in seinem tiefsten Innersten trĂ€gt, ist die Mystik in erster Linie von spirituellem Erleben geprĂ€gt. Weniger durch theologische GlaubenssĂ€tze. Und Ă€hnlich den Initiationsriten hat auch die mystische Erfahrung das Potential, den Menschen von innen heraus zu transformieren. Die Erfahrungen der Mystiker gleichen sich auffĂ€llig. UnabhĂ€ngig davon, welcher Religion sie angehören. Denn das mystische Erleben geht weit ĂŒber die Theologien und Dogmen der einzelnen Religionen hinaus. Die Mystiker der verschiedenen Religionen eint ihre mystische Erfahrung und das daraus resultierende Bewusstsein. Auch wenn die dogmatischen Aussagen der jeweiligen Religionen, denen sie angehören, sich kontrĂ€r gegenĂŒberstehen.

Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass die Mystiker in ihren Religionen oftmals nur ein Randdasein fristeten oder – wie im Fall von Meister Eckhart – gar exkommuniziert wurden. In der heutigen Zeit sind die Mystiker des Islam – die Sufis – regelmĂ€ĂŸig das Ziel islamistischer Terrorakte.

Wenn es tatsĂ€chlich so ist, dass sich die Idee der „Religion in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen“ von der Gottesvorstellung der (in diesem Fall christlichen) Mystiker ableitet, wĂ€re dies ein weiteres Indiz fĂŒr die spirituellen Wurzeln des Freimaurertums. Der gemeinsame Ausgangspunkt könnte wie bei den VorlĂ€ufern des mittelalterlichen Bauhandwerks wieder das christliche Mönchstum sein. Gingen aus ihm doch nahezu alle christlichen Mystiker hervor.

SUPREME BEING UND DREIFACH GROßER BAUMEISTER

Aus der Idee der „Religion in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen“ leitete sich im Laufe der Zeit das „Supreme Being“ ab. Dies stellt weltweit eine der Voraussetzungen dar, damit eine Freimaurerloge von der Großloge in England als „regulĂ€r“ anerkannt wird.

Im Christlichen Freimaurerorden findet das Supreme Being Ausdruck im „Dreifach Großen Baumeister der ganzen Welt“. Und genau wie das Supreme Being ist auch der Dreifach Große Baumeister der ganzen Welt weder theologisch noch dogmatisch definiert. Es ist an jedem Bruder selbst, diesen Begriff fĂŒr sich zu fĂŒllen.

Und im Mikrokosmos meiner Loge erlebe ich, dass im Ritual der Bruder mit der kirchlich geprÀgten Vorstellung von Gott neben dem mit der buddhistisch geprÀgten, neben dem mit der gnostisch geprÀgten, neben dem mit der kabbalistisch, mystisch oder kontemplativ geprÀgten Vorstellung von Gott sitzt.

MEIN FREIMAURERISCHES MANIFEST

Mein Fazit: Die Wurzeln des Freimaurertums sind im Spirituellen zu suchen. Ein wie auch immer gearteter Gottesbezug war immer gegeben. Und fĂŒr mich persönlich ist ein Freimaurertum ohne Gottesbezug schlichtweg nicht vorstellbar. Mein Eindruck ist, dass sich das freimaurerischen Ritual und die freimaurerische Symbolik nur dann in seiner ganzen Tiefe entfalten können, wenn man sich auch auf die esoterisch-spirituelle Dimensionen einlĂ€sst, die diesen innewohnt.

Aber: Das RevolutionĂ€re am damals noch blutjungen spekulativen Freimaurertum war meines Erachtens, dass dieses spirituelle Erbe eine Vereinigung mit den humanistisch geprĂ€gten Idealen der AufklĂ€rung einging. Und auch, wenn es in der Geschichte zu mancher Spannung fĂŒhrte, so ist das ZusammenfĂŒhren und Aushalten dieser gegensĂ€tzlichen Pole, meiner Meinung nach, bis heute eine der grĂ¶ĂŸten StĂ€rken des Freimaurertums.

Denn so wie sich im Menschen im Idealfall Vernunft und Gewissen ergÀnzen und gegenseitig austarieren, so kann dies auch im Freimaurertum durch seine aufgeklÀrt humanistische Seite und seine esoterisch-spirituelle Seite geschehen. Ein Freimaurertum, das seine esoterisch-spirituelle Seite ignoriert, droht immer auf der Ebene des Verstandes steckenzubleiben und nur an der trockenen OberflÀche von Symbol und Ritual zu kratzen. Und ein Freimaurertum, das seine aufgeklÀrt humanistische Seite ignoriert, lÀuft immer Gefahr, die Bodenhaftung und den konkreten Bezug zum alltÀglichen Hier und Jetzt zu verlieren. Nur wenn beide Pole in Ausgleich und Einklang miteinander gebracht werden können, ist der freimaurerische Weg vollstÀndig.

Und meine Erfahrung ist, dass genau das jeder „gesunde“ spirituelle Weg sowie jedes „gesunde“ Model der Persönlichkeitsentwicklung lehrt: GegensĂ€tze werden nicht dadurch ĂŒberwunden, dass man sie vernichtet. GegensĂ€tze werden dadurch ĂŒberwunden, dass man sie annimmt, ausgleicht und zur Vereinigung fĂŒhrt.

Daher empfinde ich persönlich es als vermessen, wenn Freimaurer ein Freimaurertum als „modern“ bezeichnen, das sĂ€mtliche spirituellen BezĂŒge sowie den Gottesbezug getilgt hat. Ein Freimaurertum ist modern zu nennen, wenn dessen SpiritualitĂ€t und dessen Gottesbezug durch die AufklĂ€rung gelĂ€utert worden sind. Das bedeutet, dass es von Dogmatismus und Aberglauben entschlackt ist, die Ideale von AufklĂ€rung und Humanismus integriert hat und sich dennoch seiner spirituellen Verwurzelung und seines immanenten Gottesbezuges bewusst ist.

#Gedanke: Dieser Tag

„Sieh, was der Tag Dir bringt
und welches Lied er fĂŒr Dich singt,
es ist fĂŒr Dich bestimmt.

Der Tag ist fĂŒr dich vorgesehen,
lass ihn nicht vorĂŒbergehen.
Er kann dir alles geben,
die beste Zeit in deinem Leben.

Ein sorgenfreies Leben
wird es fĂŒr Dich nicht geben.
Ganz gleich, ob es uns gefÀllt,
jeder Tag ist die Begegnung mit uns selbst.

Der Tag ist Dir geweiht,
verschwende keine Zeit.
Lebe jetzt und hier
und begrabe ihn tief in Dir.“

(Böhse Onkelz,
aus: Keine Zeit)

„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“

FREIMAURERTUM UND GOTT - EIN VORWORT (ZU TEIL 2/3):

Keine Frage ist so geeignet, heftigste Diskurse innerhalb des Freimaurertums auszulösen, wie die Frage nach Gott. Vereinfacht und ĂŒberspitzt reichen die Positionen von "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man an einen wie auch immer gearteten Gott glaubt" bis hin zu "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man nicht an einen Gott glaubt".

FĂŒr die Leser meines Blogs ist es nicht schwer, mich innerhalb dieser Diskussion zu verorten: FĂŒr mich bedingt der Weg eines Freimaurers die Vorstellung eines Gottes; wenn auch nicht im dogmatischen Sinne. Diese Position hat ihre Berechtigung, ist aber nicht die einzig mögliche.

In drei Blogartikeln möchte ich nun die Gelegenheit geben, auch die Positionen zu Wort kommen zu lassen, die sich nicht mit meiner Position decken oder dieser sogar kontrĂ€r gegenĂŒberstehen. Ich freue mich sehr, hierfĂŒr die Freimaurer und Blogger Rene Schon und JĂŒrgen Scheffler gewonnen zu haben. Beide gehen den Weg des Freimaurers als bekennende Atheisten.

Ich bin fest davon ĂŒberzeugt, dass die Frage nach Gott nicht nur geeignet ist, Kontroversen innerhalb des Freimaurertums auszulösen, sondern auch aufzuzeigen, welche Vielfalt innerhalb des Freimaurertums möglich ist. Wenn der Leser die beiden Artikel von Rene Schon und JĂŒrgen Scheffler sowie meinen Artikel zum Thema gelesen haben wird, wird er eine Vorstellung davon haben, ĂŒber welche Bandbreite das Freimaurertum verfĂŒgt…

Genug der Worte. Vorhang auf fĂŒr den Beitrag von...

RENE SCHON:

reneschon

„WER KEINE ANGST VORM TEUFEL HAT – BRAUCHT AUCH KEINEN GOTT“ – DER ATHEIST

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst BrĂŒder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulĂ€r“ ist und wer nicht. Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein? Und braucht es einen Gott in der Freimaurerei?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der BrĂŒder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulĂ€rer“ Bruder sein?

DIE ALTEN PFLICHTEN ALS GRUNDLAGE

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher WĂŒstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hĂ€lt man doch jetzt fĂŒr ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen ĂŒbereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte MĂ€nner sein, MĂ€nner von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was fĂŒr Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in stĂ€ndiger Entfernung voneinander hĂ€tten bleiben mĂŒssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen wĂŒrde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst fĂŒr diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und AufklĂ€rung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrĂ€ngt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frĂŒhen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrĂ€ngt.

RELIGION IN DER ALLE MENSCHEN ÜBEREINSTIMMEN

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen ĂŒbereinstimmen, nĂ€mlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulĂ€r“ zu betrachten. Denn wĂŒrde man der Argumentation dieser BrĂŒder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so mĂŒsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen BrĂŒdern ebenso um irregulĂ€re BrĂŒder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion ĂŒber die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer BrĂŒder gegeben, die sich fĂŒr die 5 SĂ€ulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, HumanitĂ€t und BrĂŒderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 GrundsĂ€tzen der Maurer bekennt kein regulĂ€rer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher fĂŒr mich ein Bruder wie jeder andere.

ALLMÄCHTIGER BAUMEISTER ALLER WELTEN (ABAW) FÜR ATHEISTEN?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwÀhnt. Aber das schwÀcht diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend.

Wenn nun ein Atheist eine christlich geprĂ€gte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und ĂŒber dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig fĂŒllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass fĂŒr ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhĂ€lt und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass fĂŒr ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze fĂŒr den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der BegrĂŒndung aller BrĂŒder anfreunden. Und alles waren regulĂ€re BrĂŒder 


EINHEIT IN DER VIELFALT

Unter den VGLvD, den Vereinten Großlogen von Deutschland, sind die vielen Ausrichtungen und AusprĂ€gungen der regulĂ€ren Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende BauhĂŒtte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darĂŒber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles regulĂ€re Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat. Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nĂ€chst höheren Gruppierung auch … Warum sollte eine Großloge hier anders sein.

Auch hier haben wir so viele unterschiedliche BrĂŒder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden. Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der HumanitĂ€t arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrĂŒcken.

Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den BrĂŒdern weiterhin verbringe, die ĂŒberzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, glĂ€ubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen Unterwegs oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese BrĂŒder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

AUGEN AUF DAS WESENTLICHE

Leider wird auch, wie jĂŒngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von BrĂŒdern anderer Großlogen geĂ€ußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hĂ€tten und sie doch sich in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich mĂŒsse man sich ĂŒberlegen Wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die BauhĂŒtten erstellt hatten, zu Ehren Gottes gewesen war. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft angewendet hatten, um diese Bauwerke zu schaffen als Symbol des Sieges des Verstandes und der Technik ĂŒber die Natur. Aber leider hat der betreffende Bruder, der diese Äußerung tĂ€tigte keine sinnvolle BegrĂŒndung fĂŒr seine Aussage liefern können.

Viele unserer BrĂŒder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten BrĂŒder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst fĂŒr diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also BrĂŒder ausgrenzen, die Atheisten sind, aber wahre Freimaurer von Herzen sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir bedĂŒrfen fĂŒr den Bau des Tempels der HumanitĂ€t? Ich denke schon 


FREIMAUREREI – EINE RELIGION?

In der Diskussion um einen Gott in der Freimaurerei kommt auch oft die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann.

Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele BrĂŒder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese BrĂŒder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) fĂŒllen:
‱ Transzendenz, der ABAW
Ist ein Sinnbild fĂŒr etwas was ĂŒber dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. FĂŒr die einen ist es die Gravitation, fĂŒr die anderen die Liebe, fĂŒr den nĂ€chsten ist es der Gott in einem selbst.
‱ Duale Komponenten
Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die GrĂŒndervĂ€ter in diesem Bereich haben eher weniger.
‱ Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode
Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.

Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu fĂŒllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen BrĂŒder.

HÖHERE ARBEIT

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. FĂŒr viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wĂ€re. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? NatĂŒrlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abrufen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottglĂ€ubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

EINE FRAGE DER ANERKENNUNG

Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer fĂŒr sich eben dieses Sinnbild fĂŒllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwĂ€hnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere BĂŒcher aufgelegt werden, gerade wegen BrĂŒder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer BauhĂŒtte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat.

Was die RegularitĂ€t angeht muss ich mich schon sehr ĂŒber die BemĂŒhungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen GrundsĂ€tzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

FAZIT

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das mĂŒssen wir massiv Ă€ndern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen LĂ€ndern nicht so viele BrĂŒder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird fĂŒr eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir mĂŒssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger BrĂŒder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir mĂŒssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es frĂŒher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blĂŒhende Freimaurerische Kultur.

Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen AusprĂ€gungen. Denn hier mĂŒssen die Streitigkeiten ĂŒber die RegularitĂ€t oder IrregularitĂ€t aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lĂ€sst uns wachsen und stark wirken.

Ich schĂ€tze sehr die Zeit mich euch allen. Mit jedem meiner BrĂŒder, seien sie glĂ€ubige Christen oder auch ĂŒberzeugte Atheisten. Ich schĂ€tze das offene Wort und den Gedankenaustausch 
 Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden 
 ein Hoch auf uns!