#Gedanke: So viel Gott

„Leere Formeln als Gebete getarnt,
vor den Spätfolgen der Onanie gewarnt,
Wunderglaube gegen Phantasie,
gehorsame Schäflein fallen auf die Knie.

Sie thronen unfehlbar, die alten Männer in Rom,
verbannen die Zweifler und auch das Kondom.
Die Lust ist des Teufels, aus Angst vor Frauen,
welcher Reichtum an Macht, Armut an Vertrauen.

Das Buch der Bücher auf Regeln beschränkt,
was zwischen den Zeilen steht, verdrängt.
Habt euch vom Lachen und Lieben und Leben entfernt,
ich habe euch abgestreift und selbst gelernt.

In Musik,
einer Melodie,
die mir Gänsehaut verpasst,
in einer Idee,
einem Bild,
einem wahren Wort,
einem Kuss, der selbstlos macht,
liegt so viel Gott,
das liegt in der Luft
und das hat so viel Kraft!

Davon kriege ich nie genug,
jeden Atemzug um Zug.

Die Angst vor der Sünde hat die Freude gelähmt,
die unbändige, göttliche Lebenslust gezähmt.
Triste Mienen bringen Dunkel ins Licht,
küsst ihr nur den Boden, ich küsse lieber dich.

In einer Umarmung,
einer durchgefühlten Nacht
liegt so viel Gott,
mein Gott, das liebe ich,
das hat mich gepackt!

Davon kriege ich nie genug,
jeden Atemzug um Zug.“

(PUR,
aus: „Nie genug“)

Babylon brennt!

Mächtige Bauten, Prunk in Hochglanz,
menschliche Selbstherrlichkeit.
Nichts unmöglich, alles käuflich,
Seuche der Glückseligkeit.

Schnelle Schritte, gebeugter Gang,
wovon wirst Du getrieben?
Gekauftes Glück, verkauftes Gefühl,
sag, bist Du zufrieden?

Babylon brennt.

Schöne Gesichter, nackte Leiber,
im Schlaraffenland der Lust.
geil die Feten, weißes Pulver,
im Labyrinth der Sucht.

Gesengter Blick, sterbendes Herz,
der Wille ersäuft im Rausch.
Totes Lächeln, leere Worte,
einsame Seelen brennen aus.

Babylon brennt.

Und wieder spricht die Schlange und der Mensch greift zu der Frucht.
Und wieder stirbt das Paradies und der Mensch ist auf der Flucht.
Und wieder spricht die Schlange und der Tod kommt in die Welt.
Und wieder zerbricht die Einheit und der Mensch wird Gott gleichgestellt.

(Hagen Unterwegs, Mai 2001)