#Gedanke: In die Welt

„Listig ist die Lüge
und Macht schläft mit dem Geld.
Doch der Traum von viel mehr Liebe
schreit schon lauter in die Welt.

Manchmal bin ich traurig,
wenn ich sehe, was wir tun.
Doch ich hoffe, gegen Hoffnung
ist kein Menschenherz immun.

Vielleicht bin ich naiv,
vielleicht bin ich ein Kind,
ich habe Angst, mein Herz wird blind.“

(PUR,
aus: Brüder)

#Gedanke: A Crack in Everything

„The birds they sang at the break of day:
„Start again.“, I heard them say,
„Don’t dwell on what has passed away
or what is yet to be.“

The wars, they will be fought again.
The holy dove, she will be caught again,
bought and sold and bought again,
the dove is never free.

Ring the bells that still can ring,
forget your perfect offering.
There is a crack in everything,
that’s how the light gets in.

We asked for signs, the signs were sent:
The birth betrayed, the marriage spent,
the widowhood of every government,
signs for all to see.

I can’t run no more with that lawless crowd
while the killers in high places say their prayers out loud.
But they’ve summoned a thundercloud
and they’re going to hear from me.

Ring the bells that still can ring,
forget your perfect offering.
There is a crack in everything,
that’s how the light gets in.

You can add up the parts but you won’t have the sum.
You can strike up the march, there is no drum.
Every heart to love will come
but like a refugee.

Ring the bells that still can ring,
forget your perfect offering.
There is a crack in everything,
that’s how the light gets in.“

(Leonard Cohen,
aus: Anthem)

#BlogAward – 6 Fragen an mich

Welch eine Ehre! Die Herrin des Wortes und des Bildes, Die Springerin, hat mich für den „Blog Award“ nominiert. Kaum jemand versteht es wie sie, durch die Kombination von Bild und Wort neue Dimensionen in beidem freizulegen. Viele ihrer Beiträge habe ich mit Sternchen überhäuft (sofern ich die Zeit fand, sie zu lesen). Daher war mir diese Nominierung auch eine ganz besondere Ehre!

Ich dachte, die Fragen, die sie mir stellte, so nebenbei beantworten zu können. Aber Pustekuchen! Ihre Fragen gingen dermaßen an die Substanz, dass es alleine schon das Ringen um die Antworten wert war, mich darauf einzulassen. Doch lest selbst. Hier sind ihre Fragen und meine Antworten darauf:

1. BIST DU DA, WO DU SEIN WILLST?
Rückblickend habe ich viele Weichen in meinem Leben so gestellt, dass ich in etwa da ankomme, wo ich jetzt auch bin. Einige Weichenstellung konnte ich mir nicht aussuchen, weil das Leben mich vor vollendete Tatsachen setzte. Und einige Weichenstellungen nahm ich anders vor, als ich es mir vorher je hätte vorstellen können. Doch auch, wenn ich bewusst und gewollt in etwa dort bin, wo ich bin, so reißt diese Frage in mir auch die Frage auf, ob es noch andere Orte gäbe, an denen ich gerne wäre. Und auch dies kann ich bejahen. Daher ist es wahrscheinlich auch eine lebenslange Aufgabe, da voll und ganz sein zu wollen, wo man ist.

2. MACHST DU DAS, WAS DICH AM MEISTEN MIT FREUDE ERFÜLLT?
Manchmal bin ich mir gar sicher, ob ich weiß, was mich am meisten mit Freude erfüllt. Ich machte in jedem Lebensabschnitt das, von dem ich glaubte, dass es mich mit Freude erfüllt. Rückblickend war mancher Irrweg dabei, habe ich so manche Gelegenheit verpasst und hielt vieles nicht, was es vorher versprach. Trotzdem kann ich sagen, zutiefst Freude erlebt zu haben und auch immer noch zu erleben.

3. LEBST UND LIEBST DU, WIE DU ES DIR IN DEINEM HERZEN WÜNSCHT?
Eine der bittersten Lektionen in meinem Leben war bzw. ist es, zu lernen, dass das Leben nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte. Daher ist es eine meiner Lebensaufgaben, die Wünsche, die ich ans Leben habe, mit dem in Einklang zu bringen, was tatsächlich wünschenswert ist. Das umschließt, überhaupt erst einmal achtsam dafür zu werden, was ich mir in meinem Herzen wünsche.

4. WEISST DU, WOHIN DEINE SEELE ZIELT?
Ich glaube, letztendlich zielt meine Seele nach Hause. An den Ort, der eins ist, der still ist, der gegenwärtig ist, der ganz ist und der heil ist. Ergo: Der Ort, der einfach nur „ist“.

5. BIST DU GLÜCKLICH?
Eine Frage, die für mich unheimlich schwer zu beantworten ist. Denn diese Frage zieht so viel mit sich und wirft so viele weitere Fragen auf. Es gibt Momente, in denen ich sie mit einem entschiedenen „Ja“ beantworten kann. Und es gibt Momente, in denen ich mir da nicht so sicher bin. Ich glaube, unterm Strich überwiegt das Glücklich-Sein.

6. WEISST DU, WAS DICH GLÜCKLICH MACHT?
Ich habe einige Dinge kennenlernen dürfen, die mich glücklich machen: Abstrakt würde ich diese Dinge mit „Aufrichtige Begegnung“ und „Erleben von Verbunden-Sein und Eins-Sein“ beschreiben. Konkret zählen meine Frau und meine Tochter; tiefe Freundschaften; meine Familie; das Verweilen in der Natur, in der Stille und im Ritual; „meine“ Musik und gute Literatur; das Erforschen der Geschichte und ein guter Whiskey mit Zigarre dazu.

Soviel zu mir. Ich hoffe, den Fragen einigermaßen gerecht geworden zu sein. Ich wiederum nominiere folgende – wie ich finde, sehr besondere – Blogs für den „Blog Award“:
Inga Höltmann
Svens Bericht
Vom Mensch, Sein und Werden
Seelengrund
Krieger des Lichts
MartHori
Nitya

Und ich gebe Euch folgende Fragen mit:
1. WARUM HAST DU ANGEFANGEN ZU BLOGGEN?
2. WAS WAR DIE SCHÖNSTE REAKTION, DIE DU WEGEN DEINES BLOGS ERHALTEN HAST?
3. WAS WAR DIE MIESESTE REAKTION, DIE DU WEGEN DEINES BLOGS ERHALTEN HAST?
4. WAS ERFÜLLT DICH INNERLICH (UND WARUM)?
5. WAS HINDERT DICH DARAN ZU LEBEN (UND WARUM)?
6. WAS MACHT DICH WÜTEND (UND WARUM)?
7. WAS MACHT DICH TRAURIG (UND WARUM)?
8. WAS MUSS GESCHEHEN SEIN, DAMIT DU AM ENDE DEINES LEBENS SAGEN KANNST, DASS DEIN LEBEN SINNVOLL GEWESEN IST?
9. WAS IST DEINE LIEBSTE JAHRESZEIT (UND WARUM)?
10. WIE SIEHT DEINE IDEE EINER IDEALEN GESELLSCHAFT AUS?
11. WO VERORTEST DU DICH MUSIKALISCH?

Viel Spaß mit meinen Fragen. Ich freue mich auf Eure Antworten!

Gesegnete Grüße!

Hagen Unterwegs

#Gedanke: Gez. Ein Demokrat

GezeichnetEinDemokrat

Als sie die Islamisten holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Islamist.

Als sie Occupy holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja keiner von Occupy.

Als sie die Homosexuellen holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja nicht homosexuell.

Als sie die Freimaurer holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Freimaurer.

Als sie die Christen holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Christ.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

gez. ein Demokrat
(frei nach Martin Niemöller)

Mein ZEN-Meister

Vor 9 Wochen erblickte unsere Tochter das Licht der Welt. Sehr schnell entdeckten sie und ich ein gemeinsames Ritual: Nachdem sie am späten Abend getrunken hat und von uns gewickelt worden ist, nehme ich sie auf den Arm und trage sie in den Schlaf. Allabendlich drehen wir so gemeinsam unsere Runden in ihrem Zimmer. Zunächst starren ihre wachen Äuglein noch aufgeregt in der Dunkelheit umher. Bis die Kleine sich dann schließlich in meinen Arm einkuschelt und ihre Augen nach und nach zufallen. Und irgendwann nur noch regelmäßiges, zufriedenes Atmen zurückbleibt. In diesen Momenten kann ich meine Dankbarkeit für dieses kleine Wesen kaum fassen.

Eines jedoch ist mir dabei aufgefallen: Je krampfhafter ich will, dass sie endlich schläft, desto länger dauert es, bis sie tatsächlich einschläft. Und oftmals ist ihr Schlaf dann auch nur ein oberflächlicher. Je mehr ich jedoch innerlich bei ihr und in dieser gemeinsamen Situation ankomme und je weniger ich die Absicht verfolge, sie in den Schlaf bringen zu wollen, desto schneller und desto besser schläft sie schließlich ein.

Ich glaube, das, was meine Tochter mich in diesen Situationen lehrt, ist Absichtslosigkeit. Die Fähigkeit, Dinge um ihrer selbst Willen zu tun. Und nicht, um irgendwann irgendetwas etwas zu erreichen.

Einer Gesellschaft, die durch Jahrhunderte des Kapitalismus geprägt ist, fällt es schwer, etwas mit Absichtslosigkeit anzufangen. Denn in der Regel hat alles, was wir tun, einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Das Endziel solch einer materialistisch geprägten Gesellschaft ist immer Geld zu verdienen. Geld, um partizipieren zu können. Geld, um konsumieren zu können. Geld, um bestimmen zu können. Eine Tätigkeit hat nur noch den Wert, der dem fiskalischen Nutzen entspricht, den sie für mich einmal haben wird. Und so haben wir uns nach und nach eine Lebenseinstellung angeeignet, die unser gesamtes Leben in eine einzige Kosten-Nutzen-Rechnung zwängt. Ich tue etwas, damit ich irgendwann mal etwas davon habe.

Gelegentlich lese ich in den Gleichnissen des ZEN-Buddhismus und denen der christlichen Wüstenväter. In beiden monastisch geprägten Traditionen scheint die Tugend der Absichtslosigkeit einen hohen Stellenwert zu haben. Immer wieder werden die Schüler angehalten, Tätigkeiten um ihrer selbst Willen auszuüben und nicht, um dadurch ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erreichen.

Das überspitzt sich schließlich bis hin zu folgendem Paradox: Auf der einen Seite wird den Schülern beigebracht, dass sie hart und diszipliniert dafür arbeiten müssen, um Erleuchtung zu erlangen. So gilt es, sich einem strikten Tagesablauf zu unterwerfen, regelmäßig in die Stille zu gehen und sich Disziplinen wie das Fasten aufzuerlegen. Doch auf der anderen Seite wird den Schülern beigebracht, dass dies alles nicht notwendig ist, um Erleuchtung zu erlangen. Viel mehr: Sie können Erleuchtung nur erlangen, wenn sie das Bedürfnis, erleuchtet zu sein, aufgeben. Sie müssen es also aufgeben, ihre monastischen Disziplinen mit dem Ziel auszuüben, Erleuchtung zu erlangen. Das entbindet sie nicht von der Notwendigkeit, diese Disziplinen zu üben. Lediglich ihre innere Einstellung zu diesen Disziplinen muss eine absichtslose sein.

Ein Paradox, das durch den Verstand nicht aufzulösen ist. Aber dadurch ist es nicht weniger wahr. Ganz im Gegenteil: Meine Erfahrung ist: Je tiefer und je reifer ein spiritueller Weg ist, desto höher ist die Fähigkeit, solche Paradoxe stehenlassen zu können. Und nicht rational auflösen zu müssen.

Doch warum eigentlich hat Absichtslosigkeit in diesen monastischen Traditionen solch einen hohen Stellenwert? Ich glaube, weil Absichtslosigkeit eine der großen Lehrerinnen ist, die uns in die Gegenwärtigkeit führen kann. Denn das Leben geschieht ausschließlich im gegenwärtigen Moment. Gott offenbart sich ausschließlich und vollkommen im gegenwärtigen Moment. Nicht im Rückblick auf die Vergangenheit und nicht im Vorgriff auf die Zukunft. Ausschließlich im Hier und Jetzt. Wenn ich aber etwas tue mit der Absicht, ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erlangen, so verpasse ich den gegenwärtigen Augenblick. Und damit das Leben und auch Gott.

Während ich an diesem Artikel schrieb, stieg in mir die Frage auf, mit welcher Motivation ich eigentlich ins freimaurerische Ritual gehe. Tue ich dies nicht auch, um etwas zu erlangen? Sei es Selbsterkenntnis? Sei es Erleuchtung? Oder sei es auch nur ein meditativer Zustand? Könnte es nicht ein wesentlicher Bestandteil des freimaurerischen Weges sein, zu lernen, absichtslos ins Ritual zu gehen? Und absichtslos im Ritual zu verweilen? Weil sich nur so dieses Ritual in seiner ganzen Dimension entfalten kann?

Ich weiß es nicht sicher. Doch ich will diesen Impuls in mir weiter nachwirken lassen. Und bis dahin darf meine Tochter mich weiter Absichtslosigkeit lehren. Abend für Abend. Sie, meine kleine ZEN-Meisterin…